Instagram-Nutzer mit Depressionen posten laut einer Studie häufiger Schwarz-Weiß-Fotos. Foto: dpa (Symbolbild)

Forscher haben in einer Studie die Instagram-Profile von Menschen mit Depressionen analysiert. Mit den Ergebnissen haben sie eine Software entwickelt, die bei der Früherkennung von Depressionen helfen könnte. Wir haben mit einem Experten über die Studie gesprochen.

Stuttgart - Forscher der Universität Havard und der University of Vermont haben in einer Studie herausgefunden, dass sich Menschen mit Depressionen anhand ihrer Profile auf der Fotoplattform Instagram erkennen lassen. Ihre Untersuchung wurde im Fachmagazin EPJ Data Science veröffentlicht. Für eine offizielle Veröffentlichung der Studie mussten unabhängige Gutachter die Qualität der Studie beurteilen.

„Da junge Menschen in sozialen Netzwerken viel über sich preisgeben, auch Privates und Emotionen, und sie oft als Weg der Kommunikation nutzen, ist es naheliegend zu prüfen, ob diese Informationen zur Diagnostik für Depressionen genutzt werden können. Insofern ist die Studie ein sehr sinnvoller Ansatz“ meint Dr. Melina Arnold, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie vom Klinikum Esslingen.

Dunkler, grauer und blauer

Christopher Danforth und Andrew Reece analysierten knapp 44.000 Bilder von 166 Instagram-Nutzern. 71 der 166 Probanden litten in den vergangenen drei Jahren unter einer diagnostizierten Depression. Informationen über die Farben der Fotos, die Metadaten und Gesichtserkennung wurden für die Studie erfasst. Die Pixel-Analyse der Forscher zeigt, dass die geposteten Bilder der Teilnehmer mit Depressionen häufiger dunkler, grauer und blauer sind. Generell nutzen sie weniger Filter, als psychisch unauffällige Personen. Am häufigsten nutzen sie den Filter „Inkwell“, der aus einer Farbaufnahme ein Schwarz-Weiß-Foto macht. Die gesunden Teilnehmer verwenden dagegen am häufigsten den Valencia-Filter. Er hellt den Farbton der Fotos auf.

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass Depressive mehr Bilder auf dem ein Gesicht zu sehen ist veröffentlichen. Dabei handelt es sich aber eher um Einzelaufnahmen. Auf den Fotos von gesunden Nutzern sind im Schnitt mehr Gesichter auf einem Bild zu sehen. Das könnte daran liegen, dass Menschen mit Depressionen sich seltener in großen Gruppen aufhalten oder zumindest am liebsten Bilder, auf denen sie alleine sind, posten, interpretieren die Forscher die Ergebnisse. Außerdem würden Menschen mit einem Hang zu depressivem Verhalten häufiger Bilder posten, als psychisch unauffällige Personen.

Software in 70% der Fälle erfolgreich

Die Wissenschaftler entwickelten außerdem einen Algorithmus, der Medizinern bei der Früherkennung nützlich sein könnte. Allgemeinmedizinern gelingt es, laut den Forschern, in nur 42 Prozent aller Fälle die Anzeichen einer Depression richtig einzuordnen. Die entwickelte Software zur Bildanalyse war in 70 Prozent der Fälle in der Lage, typische Depressionsmerkmale zu erkennen. Dies funktionierte auch bei Bildern, die noch vor dem Zeitpunkt der klinischen Diagnose gepostet wurden.

„Bedeutsam ist die Software vor allem zur frühzeitigen Selbstdiagnose oder als Hilfe für die Eltern, die den Verdacht haben, dass ihr Kind an einer Depression leiden könnte. Bestätigt sich der Verdacht, kann so frühzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden“, sagt Dr. Melina Arnold. Da sie sich die Accounts ihrer Patienten in den sozialen Netzwerken grundsätzlich nicht ansehe, komme ein Einsatz in ihrer eigenen diagnostischen Arbeit jedoch nicht in Frage.

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 und unter https://ts-im-internet.de/ erreichbar. Eine Liste mit Hilfsangeboten findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention: https://www.suizidprophylaxe.de/

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