Auf Susanne Grubes Hand fühlen sich die beiden Gespenstschrecken wohl. Foto: Eva Funke

Susanne Grube erforscht den Sex von Insekten. Beim ARD-Interview in 3 nach 9“durfte sie nicht alles darüber erzählen. Warum? Da hat sie ihre eigene Vermutung.

S-Nord - Bei vielen Menschen dürfte das Forschungsgebiet von Susanne Grube Widerwillen oder sogar Ekel hervorrufen. Bei der Wissenschaftlerin, die derzeit noch ein Volontariat am Naturkundemuseum Stuttgart absolviert, wecken Insekten jedoch die Leidenschaft. Ihr ganz spezielles Forschungsinteresse gilt dem Fortpflanzungsgebareen der Sechsbeiner. Und nur, was sechs Beine hat, ist ein Insekt.

Vor kurzem war Grube in der Talkshow „3 nach 9“ zu Gast bei Judith Rakers und Giovanni di Lorenzo. Dort hat sie das ARD-Publikum in einige Geheimnisse aus dem Liebesleben ihrer Forschungsobjekte eingeweiht. Zu ihrer Überraschung hat der Sender jedoch eine ihrer Schilderungen aus der TV-Übertragung geschnitten. Und zwar die über das bizarre Verhalten von Bettwanzen. Grube erzählte, dass die männlichen Bettwanzen beim Sex nicht immer die Sexualorgane ihrer Partnerin nutzen, sondern mit ihrem stilettartigen Penis irgendwo in den Körper der Partnerin und manchmal auch in den eines anderen Männchens stechen.

Für die Wissenschaftlerin ist die Zensur unverständlich: „Die Dinge sind wie sie sind. In der Biologie sollte man nicht werten“, stellt sie fest und räumt ein, dass die Schilderung eventuell auch deshalb gestrichen wurde, weil sie sich da vielleicht gerade die Nase geputzt hat. Warum sich die Bettwanzen so eigenartig verhalten, ist bislang nicht erforscht. „Es gab mal die nicht haltbare These, dass das Sperma im offenen Blutkreislauf der Weibchen so durcheinander gewirbelt wird, dass es auch zu den Eiern gelangt.“

Angst vor Insekten kommt von zu geringem Wissen über die tiere

Die Liebe der 39-Jährigen zu Insekten hat einer ihrer Professoren geweckt: Grube: „Der war so Feuer und Flamme, dass er mich angesteckt hat.“ Immerhin sind von den rund zwei Millionen bekannten Tier- und Pflanzenarten eine Million Insekten. „Es ist unglaublich, was die Evolution an unterschiedlichen Formen hervorgebracht hat. Selbst die von menschlicher Fantasie geschaffenen Geschöpfe in den Science Fiction-Filmen können da nicht mithalten“, schwärmt Grube und ist auch schon beim genau so interessanten Fortpflanzungsakt der Insekten: Die Stabschrecken halten laut Grube den Weltrekord in Sachen Kopulation. „Das Männchen sitzt zehn Wochen auf dem Weibchen und ist so was wie ein lebender Keuschheitsgürtel“, sagt Grube.

Andere Insektenmännchen pfropfen nach der Paarung die Weibchen mit einem harzartigen Sekret zu. Das hat jedoch nicht immer Erfolg. Grube: „Andere Männchen haben einen ‚Peniskratzer‘, kratzen den Pfropfen raus und verspeisen ihn.“ Bleibt der Pfropfen drin, löst er sich auf, wenn das Weibchen seine Eier legt. Das Ziel solcher Aktionen: „Da die Männchen nie sicher sein können, dass sie Vater des Nachwuchses sind, versuchen sie, sich über solche Strategien Sicherheit über ihre Vaterschaft zu verschaffen.“

Ekel vor Insekten hatte die Forscherin nie: „Ekel oder Angst kommen daher, dass das Wissen über Insekten gering ist.“ Das will Grube ändern – in dem sie bei Science Slam Veranstaltungen auftritt. „Dabei versucht man Menschen in zehn Minuten sein Forschungsgebiet nahe zu bringen“, erklärt sie und ist überzeugt: „Nur was man kennt, liebt man, und was man liebt, schützt man.“ Giovanni die Lorenzo nannte sie in „3 nach 9“ Lobbyistin der Insekten. So ganz gefällt Grube der Begriff nicht. Aber er passt: Mit Charme, Humor und Schlagfertigkeit nimmt sie Menschen für die Sechsbeiner ein.

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