Die Zahl der Lehrerausfälle ist laut einer Studie stark gestiegen. Der VBE macht dafür Corona mit verantwortlich – aber nicht nur.
Stuttgart - Die Lehrer im Land fühlen sich durch die immer breiter werdenden Aufgaben immer mehr belastet. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie des Meinungsforschungsinstituts Forsa, die der Verband für Bildung und Erziehung (VBE) in Auftrag gegeben hat. Dafür waren im Herbst vorigen Jahres bundesweit 1300 Schulleiter von allgemeinbildenden Schulen befragt worden, davon 253 aus Baden-Württemberg.
Die Ergebnisse aus dem Land, die der baden-württembergische VBE-Chef Gerhard Brand am Montag vorgestellt hat, decken sich dabei im Wesentlichen mit den Bundeswerten. Da eine ähnliche Befragung schon 2019 durchgeführt wurde, gibt es auch Vergleichswerte zur Vor-Coronazeit.
Die Last wird immer größer, sagen die Rektoren
Demnach sagten 86 Prozent der Schulleiter, ihre Kollegen müssten täglich mehr Belastungen schultern, etwa durch Inklusion, Integration oder andere Veränderungen. 2019 waren es noch 74 Prozent. Praktisch (96 Prozent) alle beklagen, dass die Pandemiebewältigung eine zusätzliche Last für die Lehrer darstelle.
Das hat Folgen, sagt Brand: Mittlerweile beklage fast jeder zweite Rektor (45 Prozent) langfristige, krankheitsbedingte Ausfälle in seinem Kollegium. An vier von zehn Schulen (41 Prozent) fehlen Lehrer länger wegen psychischer Probleme. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber der Befragung 2019. Damals erklärte nicht einmal jeder dritte Schulleiter, immer mehr Lehrer fielen wegen physischer (29 Prozent) oder psychischer (30 Prozent) Erkrankungen langfristig aus. Zwei Drittel der Schulleiter wissen weder etwas über Gesundheitsangebote für Lehrer, noch haben sie eine Idee, was sie selber für ihre eigenen Kollegen tun könnten.
Immer mehr Lehrer fallen langfristig aus
„Das Land betreibt Schulpolitik auf dem Rücken der Gesundheit seiner Lehrer“, kritisiert Gerhard Brand. Die Schulen befänden sich in einem Teufelskreis: Die hohe Arbeitsbelastung führe zu immer mehr Ausfällen und verstärke damit den Lehrermangel an den Schulen – was wiederum die Arbeitsbelastung unter den Verbliebenen erhöhe.
Hinzu kommt die Pandemie. „Wieder einmal haben die Lehrkräfte eine Vielzahl zusätzlicher Aufgaben obendrauf bekommen“, etwa die Notbetreuung, den Digital- und Fernunterricht, die Corona-Testungen oder die Nachhilfeprogramme. „Wieder einmal gab es null Entlastung“, so der VBE-Chef.
Der VBE fordert den Abbau des Lehrermangels
Vorige Woche hatte der Verband mit seinen 18 000 Mitgliedern dagegen protestiert, dass einige Gesundheitsämter die Kontaktnachverfolgung auf die Schulleitungen abgewälzt haben. Der VBE fordert vom Land, den Lehrermangel schneller abzubauen, indem es die Studienkapazitäten ausbaut, und mehr Krankheitsvertretungen und Gesundheitsvorsorge für Lehrer anzubieten.
„Was Schulen unter den Bedingungen der Pandemie und des Lehrkräftemangels leisten, verdient unserer aller Anerkennung“, teilt die Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) mit. Sie verweist auf verschiedenen Gesundheitsangebote des Landes etwa seitens des Zentrums für Schulqualität und Lehrerbildung und die Unterstützung durch die 28 schulpsychologischen Beratungsstellen im Land. Dem Lehrermangel sehe man nicht tatenlos zu: In der Vergangenheit habe man bereits die Studienkapazitäten für Grundschulen und Sonderpädagogen erhöht und arbeite aktuell an weiteren Konzepten.