Der uneingeschränkte Herrscher der Formel 1 und sein erster Gefolgsmann: Silberpfeil-Fahrer Lewis Hamilton (li.) mit Silber-Pokal und der erneut geschlagene Nico Rosberg mit leeren Händen Foto: dpa

Lewis Hamilton krönt seine perfekte Vorstellung in der Wüste mit einem ungefährdeten Triumph – Nico Rosberg muss aufpassen, nicht zur gefühlten Nummer zwei bei Mercedes zu werden.

Sakhir - Lewis Hamilton strahlte auf dem Podium – wieder mal. Nico Rosberg stand in dessen Nähe, er ärgerte sich innerlich, dabei blickte er möglichst neutral – mal wieder.

Die Rollen in der Formel 1 scheinen für die Mercedes-Kollegen fest zugeordnet in diesem Jahr. Lewis Hamilton feierte bereits seinen dritten Saisonerfolg beim Großen Preis von Bahrain, der Weltmeister untermauerte damit seine fast schon beängstigende Dominanz in der Hochgeschwindigkeitsbranche und baute seinen Vorsprung in der WM-Wertung aus.

„Wir haben einen tollen Job gemacht“, freute sich der Weltmeister, „ich musste auf meine Reifen achten und ein wenig auf die Bremsen aufpassen – das war aber alles kein Problem.“

„Was für eine Enttäuschung“

Nico Rosberg hatte davon allerdings reichlich. Am Start wurde er von Kimi Räikkönen kassiert und war plötzlich nur noch Vierter. In kräfte- und reifenzehrender Kleinarbeit brachte der gebürtige Wiesbadener seinen Silberpfeil wieder an dem Finnen sowie an Sebastian Vettel vorbei („Es hat Spaß gemacht, die roten Autos zu überholen“), doch in der vorletzten Runde schlüpfte Kimi Räikkönen wieder auf Platz zwei vorbei. Ein Bremsdefekt war schuld daran.

„Ich hatte plötzlich keine Bremse mehr, das Pedal ist durchgefallen“, ärgerte sich Rosberg, „dadurch habe ich Platz zwei verloren. Was für eine Enttäuschung.“ Und das ausgerechnet im 100. Rennen als Mercedes-Pilot.

Enttäuschungen sind die Wegmarken des Nico Rosberg im Jahr 2015. In allen vier Rennen landete er hinter seinem Dauerrivalen Hamilton, es gibt in den Großen Preisen einfach kein Vorbeikommen. Und selbst im Qualifying zieht der 29 Jahre alte Rosberg gegen seinen 30-jährigen Teamkollegen, wenn auch knapp, aber zuverlässig den Kürzeren – 0:4 liegt er zurück, wo er im vergangenen Jahr noch in den Quali-Duellen mit 11:7 vorn gelegen hatte.

Rosberg droht den Anschluss zu verlieren

Der werdende Vater droht den Anschluss zu verlieren – schlimmer noch: Ihm droht das niederschmetternde Schicksal, die gefühlte Nummer zwei bei Mercedes zu werden. Immerhin brach Niki Lauda gleich öffentlich eine Lanze für den aktuellen WM-Zweiten, damit ja keiner auf den Gedanken komme, den guten Nico Rosberg schon abzuschreiben.

„Er hat alles richtig gemacht und ist stark gefahren, solange sein Auto funktioniert hat“, betonte der Rennstall-Aufsichtsratschef in Sakhir, „für die Bremsprobleme konnte er nichts, und wenn sie nicht gekommen wären, hätte er Platz zwei behauptet.“

Ebenso erteilte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff ein Sonderlob: „Nico hat das beste Rennen in dieser Saison gezeigt.“ Mag alles nicht gelogen sein, doch unter dem Strich hat der Große Preis von Bahrain eines verdeutlicht: Gegen Lewis Hamilton sieht Rosberg derzeit kein Land – und wenig deutet darauf hin, dass sich dies bald ändern könnte.

Ferrari: zu langsam für die Silberpfeile

Bei Ferrari ist die Euphorie, die nach Vettels Triumph in Malaysia heiß und hell aufloderte, wieder auf Normalflamme zurückgegangen. Das Nachtrennen in der Wüste hat belegt: Unter normalen Bedingungen ist das Auto aus Maranello noch nicht schnell genug, um es mit den Silberpfeilen aufzunehmen, dazu bedarf es hoher Temperaturen oder eines Problems bei Mercedes.

Und es lohnt der Blick nach hinten. Wenn einem Ferrari-Fahrer ein Patzer unterläuft – Vettel hatte sich bei einem Ausritt den Frontflügel beschädigt –, fährt die Konkurrenz in Schlagdistanz. Valtteri Bottas rückte am Ex-Weltmeister vorbei auf Platz vier. „Ich bin ein bisschen von der Strecke abgekommen und habe mir eine Ecke etwas abgefahren“, sagte der Hesse, „ich bin nicht zufrieden.“

Rundum glücklich war wieder mal nur Lewis Hamilton, der sich auf bestem Weg in Richtung dritten WM-Titel sieht. Die Spekulationen um seine Person, es heißt, der Brite könne 2016 als Räikkönen-Nachfolger zu Ferrari wechseln, kommentierte er nicht – und die Teamchefs von Ferrari und Mercedes hielten sich mit Aufklärung vornehm zurück.

„Mich hat er nicht angerufen“, witzelte Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene. Wolff bekräftigte, Hamilton wolle den Mercedes-Vertrag demnächst unterzeichnen. Wer in der Formel 1 dominiert, sorgt eben immer für Gesprächsstoff.

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