Vettel: Hält der Asphalt? Foto: dpa

Neue Rennstrecke in Südkorea wird erst auf den letzten Drücker fertig - Vettel will siegen.

Yeongam - Bei Sebastian Vettel stehen die Zeichen ganz auf Attacke: Der Heppenheimer will beim Großen Preis von Südkorea seinem Red-Bull-Teamkollegen Mark Webber die Führung in der Formel-1-WM abjagen. Was ihn davon allerdings noch abhalten könnte, wäre eine mangelhafte Asphaltschicht der neuen Rennstrecke.

Kinder-Comic-Held Bob der Baumeister und seine vielen Helfer hätten ihre helle Freude: In Yeongam geht es zu wie auf einer Jahrhundertbaustelle. Es wird wild geschraubt, behände gebohrt, und die Gabelstapler brausen von hier nach dort - das drittletzte Rennen der Formel-1-WM wird für die Teams und besonders die Piloten zum Baustellen-Abenteuer. Im Gegensatz zur neuen Strecke in Südkorea aber ist Sebastian Vettel schon ein paar Tage vor dem Start am kommenden Sonntag (8 Uhr/RTL) zu 100 Prozent bereit - bereit zum Angriff auf Spitzenreiter Mark Webber.

Der Red-Bull-Fahrer aus Heppenheim verzichtete zwecks einer optimalen Vorbereitung sogar aufs eigene Bett in seiner Schweizer Wahlheimat, der 23 Jahre alte Hesse blieb nach seinem Sieg in Japan gleich in Asien. "Die Hin- und Herreiserei mit den Zeitunterschieden kann einen schwächen. Das will ich nicht riskieren", erklärte Vettel und betonte: "Oft entscheiden Kleinigkeiten über Sieg und Niederlage." Der Vizeweltmeister könnte im langjährigen Formel-1-Niemandsland Südkorea eine Durststrecke für die deutschen Rennsport-Fans beenden, Vettel könnte am Sonntag als erster Deutscher seit vier Jahren die WM-Führung erobern. Zuletzt stand Michael Schumacher am 1. Oktober 2006 auf der Pole-Position im Gesamtklassement.

Grünes Licht gab es vom Tüv des Automobil-Weltverbandes Fia erst vor zwei Wochen

Am Donnerstag betritt der Deutsche wie seine Titelrivalen auf dem Korea International Circuit Neuland. Die 5,615 Kilometer lange Piste steht erstmals im Terminkalender von Bernie Ecclestones Hochgeschwindigkeitszirkus. Grünes Licht gab es vom Tüv des Automobil-Weltverbandes Fia erst vor zwei Wochen, noch gestern prägten fleißige Arbeiter und lärmende Maschinen die Szenerie. Die bange Frage lautet: Hält der frisch verlegte Asphalt? "Er wird halten", versprach Hermann Tilke, "aber wahrscheinlich ist, dass die Strecke am Anfang wenig Haftung hat, weil die kleinen Steine noch nicht freigefahren sind. Aber es sind die besten Fahrer der Welt, und sie müssen damit zurechtkommen." Der Aachener ist Ecclestones Lieblingsarchitekt für Rennstrecken und zeichnete schon für die Planung in Sepang, Bahrain, Schanghai, Istanbul sowie Abu Dhabi verantwortlich.

Eine (unwahrscheinliche) Absage des Premieren-Grand-Prix in Südkorea wäre für alle Verfolger von Spitzenreiter Mark Webber höchst ärgerlich - also auch für Vettel, der als Dritter ebenso wie der zweitplatzierte Fernando Alonso 14 Punkte weniger hat als der Australier. Der 34-Jährige will im 155. Formel-1-Rennen einen großen Schritt zum Titel machen, allerdings räumt der Gejagte ein: "Ich mag mit ein paar Punkten führen, aber ich denke nicht, dass ich der Favorit bin. Ich muss auch mal wieder gewinnen." Den letzten seiner vier Saisonsiege feierte er am 1. August in Budapest.

"Ob Marks Vorsprung für den WM-Titel reichen wird, wird man sehen", sagte Dietrich Mateschitz. Der Red-Bull-Besitzer will sich im Bruderkampf um den Titel zwischen Webber und Vettel öffentlich freilich nicht festlegen. Aber der Österreicher versicherte: Eine Teamorder wird es nicht geben, obwohl sich die beiden Piloten schon folgenreich auf der Strecke in die Quere kamen und dabei Punkte verschenkten. "Wichtig ist, dass beide wissen, dass sie den jeweils anderen brauchen, um Weltmeister zu werden, und dass sie letztlich auch für das Team und somit um die Konstrukteurs-WM fahren", erklärte Mateschitz. Für den Selfmade-Milliardär scheint der Deutsche, der als heimliche Nummer eins des Teams gilt, vom Speed her "im Moment die Nasenspitze knapp vorne zu haben".

Vettel ist bereit zum Sprung an die Spitze, die Strecke dürfte dem Red-Bull-Renault liegen - jetzt muss nur noch der Asphalt mitspielen.

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