Sebastian Vettel jubelt nach seinem Sieg beim Großen Preis von Japan, während sein Teamkollegen Mark Webber (re) bereits vom Podium geht. Foto: DPA

Nicht nur der Trend spricht im Schlussspurt um den Formel-1-Titel für Sebastian Vettel.

Stuttgart - Aus dem Rennquintett ist ein Dreikampf geworden. Wenn nicht alles täuscht, wird der Formel-1-Titel zwischen Mark Webber (220 Punkte), Fernando Alonso und Sebastian Vettel (beide 206) entschieden. Und nicht nur der Trend spricht drei Rennen vor Schluss für den Heppenheimer Red-Bull-Piloten.

Sebastian Vettel zog es nach dem Triumph nicht nach Hause. Beflügelt von seinem achten Grand-Prix-Sieg gönnte er sich ein paar Tage Erholung auf einer Insel in Südostasien. Nach seinem souveränen Erfolg in Suzuka hat er sich das verdient. Der 23-Jährige ist wieder mittendrin im Rennen um den Titel. Die Chancen auf das ganz große Überholmanöver stehen nicht schlecht. Aus folgenden Gründen.

Der Trend: Vierter in Monza, Zweiter in Singapur, jetzt ein Sieg - Vettels Aufholjagd wirkt sehr kontrolliert. Die internationalen Medien würdigten seinen fabelhaften Auftritt in Japan überschwänglich. "Wenn er so fährt, ist Vettel unschlagbar", schrieb die italienische "La Gazetta dello Sport". Gewinnt Vettel die restlichen drei Rennen, ist er sicher Weltmeister. Er wäre zudem der jüngste Titelträger überhaupt.

Die Psyche: Fehlendes Selbstvertrauen war noch nie das Problem des pfiffigen Racers aus Hessen. Doch die jüngsten Erfolge zeigen, dass er auch die massive Kritik nach seinen Ausrutschern und Pannen problemlos wegstecken konnte. "Vettel war klasse. Ich hatte den Eindruck, dass er zu seiner Lockerheit zurückgefunden hat und nicht mehr verkrampft oder zu verbissen ist", sagte Ex-Formel-1-Pilot Christian Danner. Und Red-Bull-Teamchef Christian Horner ergänzte: "Eine von Sebastians ganz großen Charakterstärken ist der Glaube an sich selbst." 

Der Aberglaube: Renn-Realo Vettel ist ein abergläubischer Mensch. Deshalb nimmt er es als willkommenes Omen, dass er zum ersten Mal in seiner Karriere einen Vorjahressieg wiederholen konnte. In Suzuka war das zuvor nur Mika Häkkinen (1999) und Michael Schumacher (2000 bis 2003) gelungen. Und beide waren am Jahresende jeweils Weltmeister.

Der Rückhalt im eigenen Team: Die große Chance von Ferrari-Fahrer Fernando Alonso besteht darin, dass sich die Teamkollegen Vettel und Webber im Endspurt gegenseitig in die Quere kommen. Doch Vettels Vorteil ist, dass die Herzen der Red-Bull-Chefstrategen für ihn schlagen. Das hatte das Rennen in Monza gezeigt. Der Deutsche wurde mit einer riskanten Strategie am Australier vorbeibugsiert - jeder kühl kalkulierende Teamchef hätte Webber unterstützt, da er in der WM-Wertung vor Vettel rangiert. "Red Bull setzt auf Vettel", ist auch Danner überzeugt.

Die Strecken: Durch die vielen schnellen Kurven war der Kurs in Japan wie gemalt für die Autos von Red-Bull-Stardesigner Adrian Newey. Auf den restlichen drei Strecken in Südkorea (24. Oktober, 8 Uhr), Brasilien (7. November, 17 Uhr) und Abu Dhabi (14. November, 14 Uhr) gibt es jedoch auch lange Vollgas-Passagen, auf denen die dunkelblauen Boliden nicht als die Stärksten gelten. Doch Experte Danner prognostiziert: "Im Schnitt passen die Layouts der letzten drei Strecken zu Red Bull besser als zu den Konkurrenten."

Ein Problem könnte sich für Vettel noch ergeben: Sollte die Grand-Prix-Premiere auf dem neuen Kurs im südkoreanischen Yeongam gestrichen werden, würden sich seine Chancen schlagartig verschlechtern. Vettel hätte dann nur noch zwei Möglichkeiten, den Rückstand von 14 Punkten auf Teamkollege Webber wettzumachen. Bis zum heutigen Dienstag will sich eine Kommission des Internationalen Automobil-Verbandes unter Leitung des technischen Delegierten Charlie Whiting vor Ort ein Bild verschaffen. Dann soll eine Entscheidung fallen. In 60 Jahren Formel 1 musste bisher erst ein Grand Prix abgesagt werden: 1985 in Belgien, als sich der damals neu aufgetragene Belag als zu rutschig erwies.

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