Nachdenklich: Für McLaren und seinen Piloten Fernando Alonso läuft’s in dieser Saison nicht rund Foto: Getty

2005 und 2006 schlug Fernando Alonso im WM-Duell Michael Schumacher und begründete den Status als Formel-1-Star. Mit McLaren ist er ein Hinterherfahrer – dennoch macht er den Fans Hoffnung.

Barcelona - In Himmelblau gehüllt war der Circuit de Catalunya. Als Fernando Alonso sich vor zehn Jahren anschickte, seinen ersten WM-Titel zu gewinnen, flatterte ein Heer von himmelblauen asturischen Flaggen mit dem goldenen Kreuz entlang der Rennstrecke bei Barcelona – eine Ehrerbietung der spanischen Fans an Alonso, 1981 in der asturischen Kapitale Oviedo geboren. Der Kerl hatte in Spanien eine Formel-1-Euphorie entfacht, wie sie die Iberer zuvor nur bei ­Moto-GP-Rennen am Circuit auslebten.

2015 sind die Asturier an der Costa Brava seltener geworden, und die, die nach Barcelona gepilgert sind, benehmen sich am ­Donnerstag fast so desillusioniert wie die Fußballfans des FC Bayern, die auf der Rambla das 0:3 gegen Barça im Gepäck drückt. Alonso trägt längst nicht mehr Himmelblau, und auch nicht mehr Ferrari-Rot. Alonso fährt in Trauer – ganz in Schwarz. McLaren hat seine Autos verdunkelt, lediglich moderate knallig rote Applikationen gestalten die düstere Erscheinung etwas freundlicher. Lästermäuler behaupten, die Trauerzug-Bemalung sei Sinnbild dafür, dass McLaren ein Tempo anschlage, das eher auf Friedhöfen denn auf Rennstrecken angemessen sei. Das Team verbreitet die Erklärung, die Farbe ­habe damit zu tun, dass die alte Chrom-Lackierung bei ungünstigen Lichtverhältnissen unerwünschte Reflexionen verursacht habe.

Hört sich ja schlüssig an. Ob’s stimmt? Wer weiß. McLaren versucht jedenfalls vor Alonsos Heimspiel die Sonne über Barcelona noch kräftiger zu polieren. Schön Wetter machen, auch wenn die Wolken unübersehbar sind. „In der Pause zwischen Bahrain und Spanien haben wir an allen Fronten sehr ertragreich gearbeitet, um das Auto zu verbessern“, betont Teamchef Eric Boullier vor dem fünften Saisonrennen am Sonntag (14 Uhr/RTL). Und auch Alonso versucht die Fans mit Zuversicht zu infizieren und nimmt dabei in Kauf, dass dies die Schmerzen nach einer erneuten Schleichfahrt noch verschlimmern könnte. „Ich spüre eine enorme Zuversicht im Team“, bekräftigt der 33-Jährige, „und ich bin unglaublich glücklich, zurück in Europa zu sein, in meiner Heimat, vor den Augen der treuen spanischen Fans.“

Es ist ein steiniger Weg. Null WM-Punkte, ein unterlegener Honda-Antrieb, dem an die 50 PS fehlen, ungelöste technische Probleme. Es könnte erfreulicher sein, wenn der zweimalige Weltmeister dorthin zurückkehrt, wo er 2013 seinen bislang letzten Formel-1-Sieg gefeiert hat.

Dass am Sonntag Alonsos Grand-Prix-Triumph Nummer 33 hinzukommt, ist so wahrscheinlich, wie dass Zweirad-Fahrer Stefan Bradl beim Moto-GP-Lauf am 17. Mai in Le Mans mit seinem unterlegenen Material allen Konkurrenten davon fährt. Was bleibt McLaren in Barcelona? Ein Griff tief in die Geschichtskiste, um wenigstens ein bisschen Glanz zu verbreiten. Den Boliden von Ayrton Senna haben sie aus dem Museumsschlaf geweckt, damit keiner vergisst, wie erfolgreich die Zusammenarbeit mit Honda war. Vielleicht war es das PR-Video mit Fernando Alonso und Jenson Button im 1988 nur einmal besiegten McLaren-Honda MP4/4, das die Träume von Rennstall-Boss Ron Dennis so bunt färbt. „Ich habe gesagt, dass wir einen Berg besteigen müssen, das machen wir – am Ende werden wir die Spitze erklimmen. Das garantiere ich“, sagt der Patriarch. Einen Zeitrahmen für Siege will er nicht festzurren, das wäre, so meint er, „töricht“.

Ron Dennis hat nicht nur Siege im Sinn, er kann sich sogar vorstellen, den 20 WM-Titeln von McLaren noch die „Nummern 21, 22 oder 23“ hinzuzufügen. „In Fernando und Jenson haben wir das beste Fah­rerduo“, betont der knorrige Brite, „beide sind Weltmeister und haben von 507 Rennen 47 gewonnen.“ Den Blick zurück projiziert in eine Vision, das hat Norbert Haug in der Formel 1 kultiviert – in Krisenzeiten rezitierte der frühere Mercedes-Motorsportchef gerne die alten Erfolge und versprach, „dass wir nicht verlernt haben zu siegen“. Eine Kehrtwende braucht Zeit, das weiß McLaren-Teamchef Boullier: „Wir wissen, dass eine Maßnahme oder ein Upgrade keine deutliche Leistungssteigerung bringen wird.“ Für manche ist es aber eine Verlockung, den Fans das Blaue vom Himmel zu versprechen. Wobei: Ganz viel Blau rund um den Circuit de Catalunya würde Fernando Alonso sicher gut gefallen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: