Der viermalige Weltmeister Sebastian Vettel und Aston Martin starten mit Schwierigkeiten in die neue Formel-1-Saison.
Stuttgart - Zwei Coronafälle im Team von Sebastian Vettel – die Saison 2021 fängt für Aston Martin und den deutschen Formel-1-Piloten nicht gerade blendend an. Die beiden Mitarbeiter befinden sich derzeit in Bahrain, wo diesen Sonntag das erste Saisonrennen stattfindet, in Quarantäne. Überdies seien weitere Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden, teilte das Team mit. Zumindest eine der beiden infizierten Personen soll im Catering des britischen Rennstalls angestellt sein. Damit soll kein direkter Kontakt zum Rennteam um Vettel und seinen kanadischen Teampartner Lance Stroll bestanden haben.
Schon im vergangenen Jahr kam es im Formel-1-Tross zu Coronafällen. Trotz hoher Sicherheitsmaßnahmen wie Tests, Maskenpflicht und Abstandsregelungen lassen sich Ansteckungen nicht ganz vermeiden. Wie im Hinblick auf den internationalen Fußball stellt sich die Frage auch in der reiseintensiven Formel 1, ob Spitzensport in dieser Größenordnung überhaupt das Richtige ist in diesen Zeiten. Das Rennen in Bahrain ist die erste von insgesamt 23 Veranstaltungen, die der Rennzirkus in diesem Jahr geplant hat – trotz der weltweiten Pandemie.
Die nächste Hiobsbotschaft
Für Sebastian Vettel sind die Coronafälle die nächste Hiobsbotschaft bei seinem neuen Arbeitgeber, mit dem er in den Spätherbst seiner Karriere starten will. Die ersten Testfahrten waren für den Champion ja schon ernüchternd. Vettel war wohl auch deshalb kürzlich zu Späßen aufgelegt. Auf die Ziele angesprochen, meinte er: „Alle Rennen gewinnen!“ Dann lächelte er. „Aber nein, wir müssen realistisch sein. Ich glaube, dass es hinter Mercedes und Red Bull richtig eng wird. Das Kräfteverhältnis abzuschätzen ist unmöglich.“
Der Ex-Pilot und Fernsehexperte Ralf Schumacher war sogar der Meinung, Vettel könne einem „fast schon ein bisschen leidtun“. „Er ist zu Aston Martin voll mit Optimismus gekommen, und wir wissen ja aus dem vergangenen Jahr, dass Sebastian wahnsinnig sensibel ist“, sagte Schumacher. Doch nun müsse er sich auf so viel Neues einstellen, die zahlreichen Systeme im Rennwagen, den er selbst noch gar nicht richtig kennt. Schumacher reagierte damit auf Testfahrten, in denen Vettel mit sechs Sekunden Rückstand abgeschlagen Letzter wurde – in einem Rennwagen, bei dem sich immer mal wieder Defekte eingeschlichen hatten.
Die Farbe der Hoffnung
Grün, immerhin das, ist bekanntlich die Farbe der Hoffnung. Das Sprichwort passt perfekt zu Vettels Präsentationsbildern im dunkelgrünen Rennoverall. Dieses berühmte British Racing Green, mit dem schon Jaguar vor vielen Jahren in der Formel 1 keine Bäume ausreißen konnte, ziert nun den neuen Arbeitgeber Aston Martin. Zum Glück fiel es den Marketingstrategen des Herstellers noch ein, bei der Präsentation des Rennwagens den aktuellen James-Bond-Darsteller Daniel Craig mit Grüßen dazuzuschalten. Und zum Glück kam Vettel selbst noch auf die Idee, seinen Rennwagen „Honey Ryder“ zu taufen, so hatte schließlich das erste Bond-Girl Ursula Andress in „James Bond jagt Dr. No“ aus dem Jahr 1962 geheißen. Ansonsten wurde die Neu-Symbiose zwischen dem viermaligen Formel-1-Weltmeister und einer im Prinzip auch durch ihre Filmkarriere zur Popularität gelangten Automarke eher defensiv und bieder verkauft.
Dabei wollen der Hersteller und der Fahrer voneinander profitieren. Aston Martin möchte die angeschlagene Traditionsmarke mit dem Formel-1-Engagement – befeuert von Mercedes-Motoren – wieder zu höheren Umsätzen führen. Vettel dagegen will unbedingt den Ferrari-Frust hinter sich lassen und noch einmal als Sieger – oder sogar Weltmeister? – in Erscheinung treten. „Ich bin nach wie vor gut genug, um Rennen zu gewinnen und um die Meisterschaft zu fahren“, sagt er vor dem Saisonstart. Voraussetzung sei allerdings, „dass das Paket stimmt“.