Der neue Silberpfeil von Mercedes. Foto: Mercedes

Die Formel 1 hat mit den Testfahrten wieder ihre Arbeit aufgenommen – doch noch kommen die Fahrer nicht richtig in die Gänge. Niemand ist vor Pannen gefeit, nicht mal der Champion.

Die Formel 1 hat mit den Testfahrten wieder ihre Arbeit aufgenommen – doch noch kommen die Fahrer nicht richtig in die Gänge. Niemand ist vor Pannen gefeit, nicht mal der Champion.

Jerez - So haben sich die beiden WM-Favoriten den Start in die Formel-1-Saison garantiert nicht vorgestellt. Team-Weltmeister Red Bull unterlief ein Fehler, wie er in der Werkstatt um die Ecke eher die Ausnahme darstellt – beim Boliden wurde ein Teil verkehrt eingebaut, Champion Sebastian Vettel konnte nicht, wie er sollte und wollte. Er konnte erst die letzten 14 Minuten auf die Strecke, das reichte für drei Runden. „Letztendlich wurde ein Teil falsch herum montiert, und es dauert ein bisschen, bis wir an dieses Teil wieder herankommen und es umdrehen können“, erzählte der Heppenheimer, „ein kleiner Fehler kann passieren. Bei den Millionen Teilen, die am Auto hängen, kann man keinem einen Vorwurf machen.“ Auch beim großen Rivalen Mercedes lief es nicht planmäßig. Beim Silberpfeil von Lewis Hamilton löste sich nach 18 Runden der Frontflügel, das Auto knallte in die Reifenstapel – der beschädigte W05 musste zurück in die Garage zur Instandsetzung, Hamilton blieb immerhin ohne Schaden. Anscheinend hatte der Flügel einen kleinen Fehler, der nicht bemerkt worden war.

„Unser Ziel war es, unser Auto überhaupt hierherzubringen“, betonte Red-Bull-Teamchef Christian Horner und hob entschuldigend die Schultern, als habe er sagen wollen: Wir haben zumindest ein Auto nach Jerez gebracht. Die russische Marussia-Mannschaft wartet noch auf das aktuelle Formel-1-Modell, das noch unter einer „Kinderkrankheit“ litt, wie Teamchef John Booth die unerwartete Pause seiner Leute entschuldigte. Für diesen Mittwoch ist das Auto in Jerez avisiert. Lotus nimmt mangels einsatzbereiten Fahrzeugs gar nicht an den ersten offiziellen Testtagen teil. Und auch bei Ferrari gab es Verzögerungen – Kimi ­Räikkönen wurde gleich in der ersten Runde aus Sicherheitsgründen von den Ingenieuren gestoppt, während sich Kollege Fernando Alonso in der Box noch mit Pasta stärkte.

Die Saison 2014 kann ja turbulent und abwechslungsreich werden, wenn sie sich auf diese Weise fortsetzt. Aber wirklich überraschend sind die Pannen und Probleme quer durch alle Teams eigentlich nicht – wegen der radikalen Regeländerungen waren alle Rennställe gezwungen, den Neustart-Knopf zu drücken. Neues Motorenformat, neues Energie-Rückgewinnungssystem (ERS), neues Getriebe, neues Maximalbenzingewicht von 100 Kilogramm, neue Aerodynamik. Für die Ingenieure und Rennfahrer ist das, als müssten sie nun in kürzester Zeit ein 5000er-Puzzle zusammensetzen. Bis zum Saisonbeginn am 16. März in Melbourne werden sie das Gros der Teile korrekt zusammengefügt haben, doch noch einige Lücken werden bestehen. „Wir werden in diesem Jahr mehr Ausfälle sehen als früher“, vermutet Vettel, „wir hatten die Autos perfekt verstanden – jetzt ist alles neu. Die entscheidende Frage ist, wer die wenigsten Fehler macht.“ Vor allem im ersten Saisonviertel dürfte es abwechslungsreiche und mitunter turbulente Große Preise geben. „Ich bin gespannt darauf herauszufinden, wie sich das Fahrverhalten anfühlt“, hatte Hamilton noch vor seiner Unfallfahrt gesagt, „es ist wahrscheinlich die Saison mit den meisten Unbekannten, mit denen ich bislang in meiner Karriere konfrontiert wurde.“

Die Formel 1 startet in ein Lehrjahr für alle – und daher lassen sich nach exakt einem Testtag noch keinerlei Rückschlüsse auf das neue Kräfteverhältnis ziehen. Da die Bedeutung der Aerodynamik zugunsten der sogenannten Power-Unit (Motor, Getriebe, ERS) abgenommen hat, gehen die meisten Experten davon aus, dass dies Mercedes begünstigt – der Motor aus Brixworth galt schon in den V8-Zeiten als der stärkste und sparsamste. Und die eher abergläubischen Rennsport-Freunde sehen sogar in dem Unfall von Hamilton zum Testauftakt ein gutes Omen. Auch im vergangenen Jahr flog der Engländer gleich ab – Mercedes ließ danach das Mittelmaß hinter sich und wurde Vizeweltmeister 2013.