Völlig losgelöst: Daniel Ricciardo springt vor Freude in den Pool. Foto: Getty

Jubel bei Daniel Ricciardo. Der Australier setzt sich beim Großen Preis von Monaco gegen Ferrari-Pilot Sebastian Vettel und Weltmeister Lewis Hamilton im Mercedes durch.

Monte Carlo - Hoch droben in der Fürstenloge zeigte Daniel Ricciardo sein frisches Lächeln. In Wirklichkeit war er aber platt nach seinem Monaco-Erfolg, den er vor den beiden WM-Rivalen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton einfuhr. Christian Horner, der Red-Bull-Teamchef, nannte seinen Piloten einfach nur einen „Helden“. Zum 250. Grand Prix des österreichischen Brauseherstellers beschenkte Ricciardo die blaue Mannschaft mit einem famosen Sieg – ausgerechnet auf der Prestige-Piste in Monaco.

Nach dem ersten Renndrittel ging im Red Bull von Ricciardo der siebte Gang nicht mehr und durch ein defektes Hybridsystem fehlten bis zu 200 PS – solch einen Grand Prix muss man erst einmal gewinnen. „Ich hatte nur noch sechs Gänge. Gegen Rennmitte gab es eine Phase, in der ich zu zweifeln begann - aber ich habe Monte Carlo gewonnen“, sagte der Red-Bull-Pilot nach seinem Meisterstück. Auf einer Hochgeschwindigkeitsstrecke mit Überholmöglichkeiten hätte er sich mit dem defekten Getriebe vermutlich nicht so durchmogeln können. Doch bei der vergleichbar langsamen Hafenrundfahrt bei den Grimaldis ging es.

In der WM-Wertung ist Daniel Ricciardo jetzt Dritter, Ferrari und Mercedes tun gut daran, auf ihn Acht zu geben. Sebastian Vettel hat auf Lewis Hamilton nur drei Punkte gutgemacht und liegt mit 14 Punkten hinter dem WM-Leader. Den WM-Zweikampf hat die Raserei durch die Häuserschluchten also nicht sonderlich beeinflusst. „Wir haben viel Zeit auf den Geraden gut gemacht, nur sind die Geraden hier leider nur so kurz“, sagte Vettel über die Probleme, dem blauen Auto gefährlich zu werden. Mit einem Sieg hätte er weitere sieben Punkte auf Hamilton aufgeholt.

Der von der Pole-Position gestartete Ricciardo gewann ein Rennen, das auf den vorderen Plätzen vom Start weg keine Veränderungen mit sich brachte - und doch prickelnd war. Fast über die gesamten 78 Runden befand sich Vettel im Zeitfenster von ein bis zwei Sekunden hinter dem Führenden. „Wir sehen, was da los ist. Wir müssen smooth und fokussiert bleiben“, meldete das Team in Runde 29 an den Australier, dem auffallend der Speed fehlte. Als auch Hamilton ab Rennmitte wieder den Anschluss fand, befanden sich Blau, Rot und Silber dicht im Formationsflug. Auch die aus Kimi Räikkönen und Valtteri Bottas bestehende Finnland-Connection rückte zeitweise heran. Die Power-Probleme von Ricciardo machten den Grand Prix zur Nervenschlacht.

Das virtuelle Saftey-Car, dass es wegen eines Unfalls zwischen Charles Leclerc und Brendon Hartley sechs Umläufe vor Schluss gab, verschaffte dem Anführer Luft. Der aus der Boxengasse gekommene McLaren von Stoffel Vandoorne pflanzte sich wie ein Puffer zwischen Ricciardo und Vettel - der Sieg war damit perfekt.

Ricciardos Teamkollege Max Verstappen hat derweil mal wieder für den üblichen Wirbel gesorgt – Red Bull befand sich im Fürstentum also ganz oben in der Fürstenloge und ganz unten im Tal der Tränen. Im dritten freien Training knallte Verstappen gegen die Mauer. Bis zum Qualifying war das Auto nicht mehr zu reparieren, weil zum Frontschaden auch noch Getriebeöl austrat. „Kurz zuvor hat mich ein langsameres Fahrzeug irritiert, aber das darf keine Entschuldigung sein“, kommentierte der Crash-Pilot kleinlaut seinen Patzer.

Es war schon Verstappens siebter Zündaussetzer an sechs Rennwochenenden: Dreher in Australien, dort auch Vettels Abschuss, ein Abflug im Bahrain-Qualifying, die Kollision mit Hamilton einen Tag später, der Unfall mit Ricciardo in Baku und der Crash mit Stroll in Barcelona - so sah schon vor Monaco die peinliche Bilanz des Niederländers aus. Die Zweifel an der Reife des 20 Jahre alten Piloten, der immerhin schon seine vierte Formel-1-Saison fährt, sie wachsen. Teamchef Horner verliert mit seinem Sorgenkind offenbar die Geduld. „Er muss anfangen, aus seinen Fehlern zu lernen“, ärgerte er sich, während Zaungast Gerhard Berger meinte: „Beim Monaco-Grand-Prix sein Auto im dritten Training zu vernichten, ist eine schwere Sünde.“

Der so Gescholtene arbeitete sich in Monaco vom letzten Startplatz zwar noch auf Rang neun vor, doch wenn Verstappen so weitermacht, bewirbt er sich nicht für ein Cockpit bei Ferrari oder Mercedes – sondern für einen Platz in der DTM. Bei Ricciardo ist es genau umgekehrt.

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