Noch fährt der Red Bull in der Formel 1 und sorgt für Aufsehen – doch das könnte schon bald Vergangenheit sein. Foto: AP

Womöglich ist der russische Grand Prix der fünftletzte Formel-1-Auftritt von Red Bull – dem Team fehlt ein Motorenlieferant für 2016. Fahrer Daniel Ricciardo schaut sich sicherheitshalber nach einem Job um, und Bernie Ecclestone erteilt einen ziemlich skurrilen Rat.

Sotschi - Bernie Ecclestone weiß immer einen Ausweg; im Grunde gibt es in diesem Universum nichts, was der Geschäftsmann nicht (mit Geld) lösen könnte. Nun hat er Dietrich Mateschitz einen freundlichen Rat gegeben, von Rechtehändler zu Brause-Imperium-Regent. Von Milliardär zu Milliardär. „Er soll Volkswagen kaufen“, meinte Ecclestone, „wenn sie ihm einen Motor haben, würde ich ihm dazu raten.“ Zwar befindet sich der Konzern wegen manipulierter Abgaswerte in einer massiven Krise, jedoch darf bezweifelt werden, ob Mateschitz’ Vermögen, das auf neun Milliarden Euro geschätzt wird, ausreichen würde, um zumindest die Aktienmehrheit an VW zu erwerben.

Bislang steht Rennstall Red Bull in der nächsten Saison ohne Antrieb da, nachdem der Vertrag mit Renault wegen Unzufriedenheit zum Saisonende vorzeitig gekündigt wurde und weder Mercedes noch Ferrari, noch Honda bislang den Roten Bullen Beine machen wollen. „Die Voraussetzung fürs Weitermachen sind konkurrenzfähige Motoren“, betonte Mateschitz und heizte die Spekulationen um ein Ende der Red-Bull-Formel-1-Ära erneut an. Bis Ende Oktober hat der Österreicher die Frist gesetzt.

„Das wäre ein großer Verlust“, sagt Ex-Bulle Sebastian Vettel in Sotschi, „ich kenne das Team sehr gut und kann es mir eigentlich gar nicht vorstellen.“ Stammpilot Daniel Ricciardo ist jedenfalls verunsichert ob der stetigen Drohungen des Patrons und bereitet sich auf alles vor. „Ich bin noch positiv gestimmt“, sagt der Australier, „aber natürlich habe ich Bedenken. Ich halte Augen wie Ohren etwas weiter offen und schaue mich um.“

Rote Bullen im Schlamassel

Die Roten Bullen sind in ein mächtiges Schlamassel galoppiert, indem sie Renault die Rote Karte gezeigt haben. Die Verhandlungen mit Mercedes als Motorenausstatter haben sich zunächst einmal zerschlagen, das Team hat Manor-Marussia kürzlich ins Kundenportfolio neben Force India und Williams aufgenommen. Bernie Ecclestone hat sich gleich einen Reim für diese Auswahl gemacht: „Mercedes hat sich gesagt: Wenn wir Red Bull Motoren liefern, können sie uns schlagen – das wird mit Marussia nicht passieren.“ Honda hat sich als Exklusivpartner für McLaren eindeutig positioniert, Ferrari ist zu allem Ärger für Red Bull ebenfalls nicht wirklich Feuer und Flamme für eine kommende Partnerschaft.

„Sie haben keinen Motor für 2016“, klagt Scuderia-Chef Maurizio Arrivabene, „nun werden wir als Schuldige hingestellt. Erst als Mercedes abgesagt hat, kamen sie zu uns – aber jetzt ist es zu spät. Bis Monza wäre noch genug Zeit für diesen Handel gewesen.“ Die Italiener beliefern in der Formel 1 Sauber und von 2016 an auch Neueinsteiger Haas, die Kapazitäten seien erschöpft, so unterstreicht Arrivabene. Peccato! Schade!

Red Bull geht der Saft aus. Bleibt als Ausweg tatsächlich nur noch VW, oder besser: die VW-Tochter Audi als Antriebslieferant? Die Hinweise, dass längst fertige Pläne für ein Formel-1-Engagement in Ingolstadt in verschiedenen Schubladen liegen, stammen aus gut informierten Kreisen – allerdings soll das Szenario auf einen (möglichen) Einstieg in der Saison 2017 ausgearbeitet sein. Ergo: Teamchef Christian Horner steht für nächstes Jahr zwar mit zwei Autos da, aber ohne Antriebspaket. „Im Moment sieht es so aus, dass wir keines bekommen“, räumt der Brite zerknirscht in Russland ein. Bleibt es dabei, scheidet nicht nur Red Bull, sondern auch Nachwuchsteam Toro Rosso aus dem Kreisverkehr aus, was mehr als ein numerischer Verlust für die Serie wäre.

Für den Getränkeriesen ist das Engagement in der Formel 1 ein teures Marketingwerkzeug – wenn das Team nur hinterherfährt, erscheint ein Rückzug sinnvoll, zumal das Unternehmen in anderen Motorsportklassen vertreten bliebe. Scheitert Red Bull, haben die Autokonzerne dafür gesorgt, sich aber nicht regelwidrig verhalten. „Wir sollten versuchen, sie im Sport zu behalten“, betont Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Noch ist anscheinend das letzte Wort nicht gesprochen. Und vielleicht kommt Bernie Ecclestone ja noch ein ganz genialer Einfall.

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