Alles ist geputzt und sauber: Sotschi ist bereit für die Formel 1 Foto:  

Nach Olympia kommt die Formel 1 ans Schwarze Meer. Im Park der Winterspiele von Sotschi kämpfen Lewis Hamilton und Nico Rosberg um WM-Punkte beim ersten Großen Preis von Russland. Bernie Ecclestone freut das, Wladimir Putin erst recht – und nicht nur sie.

Sotschi - Dabeisein ist alles. So lautet das Motto der Olympischen Spiele, und als die im Februar in Sotschi stattfanden, waren Athleten aus aller Welt in der Stadt, die sich beseelt von diesem Motto in ihre Wettkämpfe stürzten. Wenn Lewis Hamilton an diesem Wochenende im Olympiapark von Sotschi unterwegs ist, bedeuten ihm diese Worte nichts. Lewis Hamilton will die Premiere des Großen Preises von Russland an diesem Sonntag (13 Uhr/RTL) gewinnen, nicht mehr, aber keinesfalls weniger.

 

Könnte sein, falls seine Wünsche erhört werden, dass der Brite auf dem Podium den Pokal aus den Händen von Russlands Präsidenten Wladimir Putin erhält. Dass sich der mächtigste Mann im Staate den Gang durch die erste Formel-1-Startaufstellung in seinem Heimatland kaum entgehen lassen wird, gilt als gesichert. Noch als kleines Staatsgeheimnis wird allerdings gehütet, ob er nach dem Grand Prix auch auf dem Podium erscheinen wird. Fünf Tage nach seinem 62. Geburtstag wird das nächste sportliche Prestigeobjekt für den Präsidenten wahr. Die Formel 1 ist in Russland angekommen. Nicht nur Putin, auch die Piloten freuen sich auf das erneute Spektakel nach Olympia im Februar in der Stadt. „Genau das wollen wir“, sagte Weltmeister Sebastian Vettel über die 5,853 Kilometer lange Strecke, „es ist eine gute Mischung aus langsamen und schnellen Kurven; technisch teilweise sehr anspruchsvoll.“ Der Heppenheimer hatte den Kurs in einem Pkw als erster Formel-1-Pilot im August testen dürfen.

„Unser Rennen wird einzigartig“, hatte Alexander Saurin, Vize-Gouverneur der Region Krasnodar, damals versprochen: „Wir haben unser Leben lang darauf gewartet.“ Das mag etwas übertrieben sein, trifft aber den Kern. 2010 unterzeichnete Putin mit Formel-1-Boss Bernie Ecclestone den Vertrag. In den 1980er Jahren hatte der Brite die Formel 1 in die Sowjetunion schicken wollen – von der Idee, die Rennwagen über den Roten Platz fahren zu lassen, sollen die Sowjets aber nicht gerade erbaut gewesen sein. Putin macht es 30 Jahre später in veränderter Form möglich. Dort wo im Schwarzmeerort im Februar um Gold gekämpft wurde, geht es im Oktober um den Formel-1-Sieg. Die russische Premiere soll glanzvoll sein trotz aller Kritik, trotz aller Forderungen nach einer Absage wegen des Ukraine-Konflikts. Es soll der Beginn einer Ära der Rennboliden in Russland sein. Nicht nur Putin wünscht sich das, auch der Formel-1-Tross begibt sich freudig auf Neuland – Russland ist der neunte Debütant in 15 Jahren. Es sei ein wichtiges Rennen für die Expansion der Serie, meinte Force-India-Teamchef Vijay Mallya. „Russland ist ein Schlüsselmarkt für uns und die großen Autohersteller in der Welt“, betonte Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery, „ein Meilenstein.“ Kaum vorstellbar, dass die Konzernstrategen von Mercedes, Ferrari oder Renault anders denken.

Um den Olympiapark in eine Rennstrecke zu verwandeln, hatte die Regierung 142 Millionen Euro veranschlagt. Es sollen 260 Millionen Euro geworden sein. Ob das ausreicht, um jedes Jahr 46 000 Fans zu locken? Russland hat keine Motorsport-Tradition – die Türkei, Indien und Korea haben nur ein kurzes Gastspiel auf der Formel-1-Bühne gegeben. Wladimir Putin denkt olympisch, gerade in der Formel 1. Dabei sein ist alles.