Roland Schmierer vor dem einstigen Haus von Fritz Ketz mit einem der eindrücklichsten Werke des Künstlers: „Untäter 1945.“ Foto: erner Kuhnle

Der Maler und Grafiker Fritz Ketz lebte vor dem Krieg fast ein Jahrzehnt in Ludwigsburg und Neckarweihingen. Obwohl er als bedeutender Künstler gilt, erinnert vor Ort nichts an ihn.

Der Künstler Fritz Ketz ist heute wohl nur noch wenigen ein Begriff. Dabei gilt der 1903 im Ruhrgebiet geborene Maler und Grafiker des expressiven Realismus als ein wichtiger Vertreter der Aquarellmalerei in der deutschen Kunst des 20. Jahrhunderts.

1929 kam er als Militärzeichner in die Kasernenstadt Ludwigsburg. Weil er zwar künstlerisch begabt war, aber aus armen Verhältnissen stammte, hatte sich Ketz für zwölf Jahre bei der Reichswehr verpflichtet. Dadurch bekam er eine Ausbildung als Militärzeichner und Kartograf und zudem die Aussicht, nach Ende der Soldatenzeit Geld für ein Studium zu erhalten. 1932 zog er von Ludwigsburg in das damalige Dorf Neckarweihingen, wo er auch ein Haus erbaute. Das musste er aus finanziellen Gründen 1936 verkaufen, es steht aber heute noch. Schon wegen seiner Bedeutung als Künstler müsse man in Neckarweihingen an Ketz erinnern, findet der Bürgerverein des Stadtteils. Doch mehrere Vorstöße in dieser Angelegenheit bei der Stadtverwaltung seien erfolglos geblieben, sagt der Vorsitzende Roland Schmierer. Daran habe auch der 40. Todestag und der 120. Geburtstag von Fritz Ketz im vergangenen Jahr nichts geändert.

Straßen werden nicht mehr nach Personen benannt

„Mein Wunsch ist eigentlich, eine Straße, einen Weg oder einen Platz nach ihm zu benennen, vielleicht auch eine Brücke“, erklärt Schmierer. Das sei aber mit Hinweis auf den Ende letzten Jahres gefassten Beschluss des Gemeinderats, generell keine Verkehrswege mehr nach Personen zu benennen, abgeblockt worden. Eine Stadtsprecherin sagte dazu, man wolle unnötige Diskussionen darüber, wer eine solche Ehrung verdiene, vermeiden. „Auch Stimmen aus dem Gemeinderat haben sich deutlich dazu bekannt, keine Personennamen mehr für die Widmung von Plätzen und Straßen zu verwenden“, so die Sprecherin. Pflanzen- und Flurnamen seien weitaus unverfänglicher.

Nun dürften allerdings Fritz Ketz im Hinblick auf den Nationalsozialismus keinerlei Vorwürfe zu machen sein, sieht man einmal davon ab, dass er anfangs noch Mitglied der „Reichskammer der bildenden Künste“ war. Seine Zeichnungen wurden angesichts der Grauen des Kriegs später immer kritischer gegenüber den Verantwortlichen. So kritisch, dass er, wie Schmierer berichtet, von Künstlerkollegen denunziert wurde und fliehen musste. Mehr noch: Um sich zu schützen, vernichtete er einen Großteil seiner Arbeiten, die restlichen Blätter trug er in einem Koffer bei sich. Untergetaucht war er unter anderem in einer Ferienwohnung von Freunden auf der Schwäbischen Alb.

Gedenktafel oder Büste als Alternative?

Eine andere Alternative, posthum an Ketz zu erinnern und ihn so zu ehren, wäre aus Sicht von Schmierer eine Gedenktafel an dessen Haus. „Für die heutigen Besitzer wäre das kein Problem, die kenne ich persönlich.“ Im vergangenen Herbst sei der Stadt dieser Vorschlag gemacht worden, seither herrsche Schweigen. Noch lieber allerdings als eine solche Gedenktafel, sagt Schmierer, wäre es ihm, wenn die Stadt eine Büste von Ketz in Auftrag geben und im Ortsteil aufstellen würde. Jochen Faber von der Mahnmal-Initiative und dem Arbeitskreis Synagogenplatz, der die Idee unterstützt, brachte den Bereich zwischen Neckarweihingen und dem Schießtal, wo etliche Menschen hingerichtet wurden, als eine Option ins Gespräch.

Die Möglichkeit, eine solche Büste fertigen zu lassen, gäbe es: „Der ältere Sohn von Ketz, Jörn-Uwe Droemann, würde uns eine Abgussform zur Verfügung stellen.“ Anhand dieser eine Büste zu gießen, würde „halt ein paar Tausend Euro“ kosten, räumt Schmierer ein. Doch halte er es gerade angesichts des erstarkenden Rechtspopulismus für ein wichtiges Signal.

Anerkennung ja, aber...

Eine Sprecherin der Stadt Ludwigsburg betont, auch die Stadt lege großen Wert auf die Anerkennung und Würdigung von Fritz Ketz. In einer Büste sehe man jedoch nicht das geeignete Mittel. Stattdessen wären Veranstaltungen oder eine Gedenkplakette Möglichkeiten. „Die Darstellung im öffentlichen Raum muss jedoch den Gestaltungsvorstellungen der Verwaltung entsprechen und abgestimmt werden“, so die Sprecherin weiter. Dazu seien weitere Überlegungen und Abstimmungen zwischen der Stadt und dem Bürgerverein notwendig. Allerdings, auch das machte sie deutlich: „Aufgrund der aktuellen Sparmaßnahmen, bei denen ein Finanzvolumen von 15 Millionen Euro eingespart werden soll, ist eine Finanzierung über städtische Etats weder für die Herstellung noch die Anbringung oder die Pflege einer Plakette möglich. Die Stadt Ludwigsburg kann daher keine Kosten übernehmen.“