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Stuttgart 21: Leistung der Anlage soll weit höher sein, als von der Bahn behauptet.

Stuttgart - Am 14. Juli will Bahn-Chef Rüdiger Grube die Leistungsdaten von Stuttgart 21 veröffentlichen. Die neue Infrastruktur mit dem achtgleisigen Durchgangsbahnhof soll in der Hauptverkehrszeit pro Stunde 30 Prozent mehr Züge verkraften als der heutige Bahnhof. Die Zielmarke liegt bei 49 Zügen, heute fahren 37.

Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) fordert von der Bahn AG jetzt auch einen Stresstest für den alten Kopfbahnhof. Die Landesregierung rechnet damit, dass dieser ebenfalls 49 Züge erreichen kann. Die jetzt abgefertigten 37 seien nicht das Ende der Fahnenstange, denn bei Störungen auf den S-Bahn-Gleisen zeige der Hauptbahnhof seine Reserven. S-Bahnen werden dann in diesen gelenkt.

"Wir verhandeln mit der Bahn und dem Schweizer Gutachterbüro SMA über diesen zweiten Stresstest", sagte der für das Land arbeitende Nahverkehrsberater Gerd Hickmann unserer Zeitung. "Ich teile die Vermutung, dass auch die alte Infrastruktur die 49 Züge schafft", so Hickmann.

Für den zweiten Leistungstest ist das Land auf Daten der Bahn angewiesen. Umsetzung und Auswertung würden wie bei Stuttgart 21 Monate dauern.

Die Landesregierung fordert zudem von Bahn-Chef Grube offiziell die Herausgabe einer Risikoliste. Der Mitte Mai zurückgetretene S-21-Projektchef Hany Azer hatte sie erstellt. Azer beschreibt Risiken von 1,2 Milliarden Euro. Auch die SPD, die Stuttgart21 befürwortet, forderte bereits vor Wochen die Offenlegung aller möglichen Kosten. Die Bahn kalkuliert Stuttgart 21 bisher auf 4,1 Milliarden Euro Baukosten. Finanziert sind maximal 4,5 Milliarden.

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) will am Dienstag seine Beteiligungsrechte zur Bewertung einer höheren Grundwasserentnahme für den Tiefbahnhof-Bau einklagen.

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