Volle Kraft voraus: Die Alligators (mit Fuat Bal/Mi.) wollen auch in der Regionalliga die Gegner überrennen. Foto: Andreas Gorr

Die Leonberger Footballer sind in die Regionalliga aufgestiegen und müssen sich dort behaupten. „Ich traue uns schon einiges zu“, sagt Headcoach Fabian Hoyer vor dem Auftaktspiel gegen die Holzgerlingen Twister.

Der Flecken Piesendorf in der Nähe von Zell am See in Österreich, der knapp 4000 Seelen zählt, dürfte den wenigsten Zeitgenossen etwas sagen. Football-Spielern, die sich auf einem gewissen Niveau bewegen, dagegen wissen mit dem Örtchen etwas anzufangen – dort existiert eine Anlage, die auf die Bedürfnisse dieser Sportart zugeschnitten ist und wo entsprechende Trainingslager angeboten werden. Kürzlich bereiteten sich dort der fünfmalige deutsche Meister Schwäbisch Hall Unicorns sowie die Frauen der Stuttgart Scorpions Sisters (deutscher Meister 2022) vor – und auch die Leonberg Alligators schwitzten im Kraftraum und übten Spielzüge.

 

„Fast die gesamte Mannschaft war dabei, lediglich zwei Spieler fehlten, weil sie im Urlaub waren“, erzählt Trainer Fabian Hoyer, „das hat sich richtig gelohnt, das Team macht einen guten Eindruck.“ So sollte es auch sein, schließlich empfangen die Alligators an diesem Samstag (15 Uhr) im Lewa-Sportpark zum Rundenauftakt die Holzgerlingen Twister, gegen die sie bereits in der vergangenen Spielzeit angetreten sind.

Doch in dieser Runde ist für die Leonberger alles anders, alles neu – erstmals in ihrer kurzen Geschichte treten sie in der Regionalliga Südwest an, immerhin die dritte Liga in Deutschland. Viermal sind sie in den zurückliegenden sechs Spielzeiten eine Etage höher geklettert, eine ähnliche Erfolgsgeschichte dürfte kaum ein anderer Sportclub in der Republik vorweisen können. Nun also dritte Liga, höher als die Abteilung Football spielt kein Team des SV Leonberg/Eltingen. „Deshalb sind wir erstmals ins Trainingslager gefahren“, sagt Headcoach Hoyer.

Zwei Teams rüsten kräftig auf

Für die Alligators ist die Jungfernfahrt in der Regionalliga vergleichbar mit dem Aufbruch von Christoph Kolumbus in die Neue Welt – man weiß grob, was auf auf einen zukommt, aber man hat keine Ahnung, wie es einem ergehen wird. Eine spannende, gefährliche Reise. Da warten die Reutlingen Eagles, die mit Sach- und Geldleistungen, wie in der Szene zu hören ist, ambitionierte Akteure anlocken wie Honig die Fliegen – der Mexikaner Diego Cardenas (Defensive Back) etwa fand von Stuttgart Surge aus der European League of Football zu den Eagles, die in die GFL 2 wollen. Und die Biberach Beavers leisten sich Importspieler aus den USA, um den Gegnern das Fürchten zu lehren.

Ziel: In der Liga etablieren

Es könnte stürmisch werden für die Alligators, doch Cheftrainer Fabian Hoyer ist als erprobter Football-Steuermann überzeugt, dass sein Team keinen Schiffbruch erleiden wird und die Alligators nicht im Haifischbecken Regionalliga als Fraß enden werden. „Natürlich heißt das erste Ziel Nichtabstieg“, betont der 29-Jährige, „aber wir wollen uns nicht nur mit Ach und Krach in der Liga halten, sondern uns etablieren.“ Hoyer ist sich sicher, dass seine Truppe jedem Gegner Paroli bieten – und ihn schlagen kann, „auch wenn es schwieriger wird als 2023 und wir nichts geschenkt bekommen“, sagt er.

Drei starke Neuzugänge

Die Aussage steht. Als Verstärkung tragen drei neue Akteure den Alligators-Dress. Runningback Daniel Bäßler kehrte von Liga-Konkurrent Fellbach Warriors untern Engelberg zurück, Marc Weinberger (Offensive Guard) kam vom GFL-2-Absteiger Stuttgart Scorpions, Benjamin Rilling, ebenfalls ein Ex-Scorpion, kramte seine Ausrüstung wieder hervor, nachdem er seine Football-Karriere eigentlich schon beenden wollte. Auf Importspieler aus Nordamerika verzichten die Leonberger ganz bewusst, nicht nur aus Kostengründen. „Das würde nicht zu unserer Philosophie passen, wir sind eine Football-Familie“, betont Fabian Hoyer.

Alligators gründen zweite Mannschaft

Und doch wächst die Familie – die Alligators schicken erstmals eine zweite Mannschaft in der Kreisliga zum Kick-off. Ein nötiger Schritt: War es früher möglich, begabte Neulinge sofort ins Team zu integrieren, ist das bei einem Drittligisten undenkbar – das Niveau ist zu hoch. Neueinsteiger, Footballer mit wenig Erfahrung sowie ambitionierte Jugendspieler können in der Kreisliga Erfahrung sammeln. Die Leonberger wachsen mit ihren Aufgaben – der Aufbruch in die Neue Welt Regionalliga hat sie zunächst einmal nach Piesendorf geführt. Wo die Fahrt endet, steht noch in den Sternen.