Viele Lebensmittel, die der eine nicht mehr braucht, könnten andere gut verwenden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

In Stuttgart engagiert sich eine Initiative gegen die Verschwendung von Lebensmitteln. Sie erhofft sich mehr Unterstützung durch die Stadt.

Sich gegen die Verschwendung von Lebensmitteln zu engagieren und Nahrungsmittel zu teilen wird in Stuttgart immer beliebter. Die Initiative Foodsharing erhofft sich dabei allerdings mehr Hilfe von der Stadt Stuttgart.

 

Mancher muss sicherlich kurz überlegen, wenn er an der Haupteingangstür des Stadtteilhauses in Neugereut am Flamingoweg vorbeigeht und so unvermittelt dort einen Schrank stehen sieht. Mit ihm hat es Besonderes auf sich. Er dient als sogenannte Fairteiler-Stelle: Das ist eine Anlaufstelle in Form eines Schrankes, in der Nahrungsmittel von jedermann kostenlos abgegeben und dann zugleich ohne Bezahlung mitgenommen werden können. In zwölf Plastikboxen können Interessierte ihre Lebensmittel legen, die sie nicht mehr brauchen und die noch gut sind, wie beispielsweise Brot, Brötchen, Gebäck, Nudeln, Reis, Hülsenfrüchte, Konservendosen, Schokolade. Sie dürfen das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben, müssen aber noch genießbar sein. Es dürfen keine leicht verderblichen Lebensmittel mit Verbrauchsdatum geteilt werden. Alle Regeln stehen auf Plakaten am Schrank. Über die Einrichtung des Fairteilers freut sich die Koordinatorin Larissa Demuth vom Stadtteilhaus im Flamingoweg 24. Ihr Haus hat den Schrank zur Verfügung gestellt. Die Betreuung des Fairteilers liegt in den Händen der Initiative Foodsharing. Sie kümmert sich darum, auch, dass das ausrangierte Möbel mit seinen Boxen regelmäßig gereinigt wird.

Stadtteilhaus stellte Schrank zur Verfügung

„Es dürfen aber keine privat zubereiteten Speisen sein“, sagt Demuth. Sie hat festgestellt, dass der Fairteiler gut genutzt wird. Viele würden auch bei ihr im Haus nachfragen, was es mit dem Schrank auf sich habe. Angesichts der steigenden Lebensmittelpreise werde das Angebot gerne angenommen.

Idee soll Mitte der Gesellschaft erreichen

Die Initiative wird in Stuttgart von Ehrenamtlichen getragen. Sie retten als Foodsaver Lebensmittel aus privaten Haushalten und von Betrieben. Von der Arbeit und der Entwicklung berichtet ein 29-jähriger Ingenieur, der sich in ganz Stuttgart in der Initiative engagiert, aber seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Ich finde den Ansatz gut, der die Mitte der Gesellschaft erreichen soll“, sagt der Stuttgarter. Denn die meisten Menschen hätten Bedenken, geschenkte Lebensmittel anzunehmen. Zugleich würden viel zu viele Lebensmittel weggeworfen.

Der Lebensmittelretter ist seit 2019 in der Bewegung in Stuttgart aktiv, die hier eine Initiative ist, kein Verein. Aber die Beteiligten haben Regeln zu befolgen, da die Stadt die Fairteiler kontrolliert. Das Veterinäramt kommt regelmäßig zu den einzelnen Stationen und schaut, ob die Hygieneregeln eingehalten werden. Am häufigsten werden Backwaren in die Fairteiler gelegt. Das zeigte sich auch beim Besuch in Neugereut. In den Boxen lagerte einiges an Brot. Es gebe auch Absprachen mit Bäckereien, bei denen Backwaren, die nicht mehr verkauft würden, abgeholt werden könnten, sagt der 29-Jährige. Ehrenamtliche kommen in den Bäckereien vorbei, nehmen die Waren mit und bringen sie dann zu den einzelnen Fairteilern in der Landeshauptstadt.

In Stuttgart mehr als 1500 Menschen aktiv

Auf der Webseite der in Stuttgart tätigen Initiative sind derzeit mehr als 3000 Menschen registriert, die beim Teilen von Lebensmitteln mitmachen. Im vergangenen Monat waren 1500 Lebensmittelretter aktiv. Sie haben die nicht mehr verkäuflichen Waren abgeholt und waren bei Veranstaltungen dabei. So auch kürzlich beim Kesselfestival auf dem Cannstatter Wasen, berichtet der Ingenieur. Bei der Veranstaltung habe Foodsharing auch einen Stand gehabt. Einige Betriebe seien dort auf sie zugekommen, um übrige Lebensmittel abzugeben.

Die Zahl an Fairteiler-Stationen ist in Stuttgart stetig am Wachsen. Bei den Aktiven, die Lebensmittel einsammeln und in die Fairteiler bringen, sind Menschen aus allen Schichten der Gesellschaft und jeder Altersgruppe mit von der Partie. Ein großer Teil seien 20- bis 30-Jährige, viele Studierende. In den Stadtbezirken erfahre die Initiative viel Unterstützung. Sie würden gerne für das Projekt finanzielle Fördermittel bereitstellen. Doch die Initiative hofft auf mehr: „Wir würden uns noch wünschen, dass die Stadt selbst aktiver wird und uns Orte für Fairteiler vorschlägt“, sagt der Lebensmittelretter.