Wenn die Verteilstationen, wie hier in Rommelshausen, bestückt werden, ist die Auswahl mitunter groß. Foto: Gottfried / Stoppel

Die Initiative Foodsharing möchte auch im ländlichen Raum aktiv werden, um Lebensmittelverschwendung zu verringern. Kooperationspartner werden gesucht.

Die Regale leer geräumt, im Kühlschrank nur zwei Petersilienwurzeln. Die Nachfrage an kostenlosen Lebensmitteln in der Fairteilstation des Familienzentrums Schorndorf ist höher als das Angebot. Gut, dass Erika Jackmuth an diesem Mittag vorbeischaut. Sie engagiert sich als Lebensmittelretterin und kommt gerade aus einem Bio-Markt, wo sie Obst und Gemüse abgeholt hat. Die Äpfel, Möhren und Salate, die sie in den Kühlschrank legt, sehen vielleicht nicht mehr ganz taufrisch aus und lassen sich schlecht verkaufen, schmecken aber noch einwandfrei.

 

Die Lebensmittel bleiben nicht lange im Schrank liegen. Noch während Jackmuth erzählt, dass sie und andere freiwillige Helfer als Foodsaver mehrmals in der Woche Obst, Gemüse und Backwaren abholen und in Schorndorf vorbeibringen, die Lebensmittel kontrollieren und die Schränke und Regale sauber halten, öffnet eine Frau die Türe und nimmt sich, was sie braucht. So soll es sein.

Hoher Durchlauf an der Verteilstelle

„Es kommen viele Leute her, der Durchlauf hier ist richtig gut“, sagt Jackmuth, die Verteilstation werde super angenommen. „Es verärgert mich zutiefst, wenn Nahrungsmittel verschwendet werden“, erklärt sie ihre Motivation, sich ehrenamtlich beim Food-sharing zu engagieren. Umso mehr freut sie sich, wenn sie gesammelte Lebensmittel vor der Mülltonne retten und an die Frau und den Mann bringen kann.

Die Waren für Foodsharing kommen aus verschiedenen Quellen: Viele stammen von Geschäften, Restaurants oder Supermärkten, die überschüssige oder abgelaufene Lebensmittel nicht wegwerfen möchten, sondern lieber spenden oder teilen. Einige kommen auch von Privatpersonen, die überschüssige Lebensmittel teilen möchten.

Die Schorndorfer Verteilstation erhält unter anderem Backwaren von der „Bäckerei Chris“ in Rudersberg. „Wir backen jeden Tag frisch und verkaufen auch nur frische Ware“, erklärt Inhaberin Tina Schiefer, die mit ihrem Mann die Bäckerei im Januar an der Welzheimer Straße eröffnet hat. Um ihren Kunden ein möglichst großes Angebot zu bieten, werde mehr Ware produziert, als verkauft wird. „Wir machen über 150 verschiedene Artikel, da ist es nicht immer leicht einzuschätzen, wie viel man braucht.“ In den Müll werfen wolle sie die guten Sachen nicht. „Es tut mir im Herzen weh, wenn ich unsere frische Ware am Abend wegwerfen muss“, sagt die gelernte Bäckerin und Konditorin. Die Foodsharing-Initiative sei auf die Bäcker zugekommen, und so habe man sich entschieden, neben Bedürftigen in der Gemeinde auch das Projekt zu unterstützen.

Großes ehrenamtliches Engagement

Mehr als 450 Ehrenamtliche sind mittlerweile im Rems-Murr-Kreis aktiv, 400 weitere Vereinsmitglieder unterstützen aus den umliegenden Kreisen beim Retten und Verteilen der Waren. Dirk Schäfer von Foodsharing Rems-Murr-Kreis ist sehr zufrieden mit der Entwicklung. Mit den Verteilstationen in Schorndorf und einer in Rommelshausen gibt es nun ein halbes Dutzend derartiger „Fairteiler“ im Landkreis. „Wir arbeiten daran, dass noch weitere Standorte dazukommen“, erklärt Dirk Schäfer. Die nächste Verteilstelle soll Mitte Mai am Familienzentrum in Weinstadt in Betrieb gehen. „Der Standort ist zentral gelegen und überdacht, wir werden von der Evangelischen Gesellschaft und der Stadt unterstützt“, sagt der Foodsharing-Koordinator.

Als Nächstes sei geplant, das Angebot in Richtung Welzheim zu erweitern. „Wir suchen aktuell noch nach einem geeigneten Standort in Welzheim“, sagt Dirk Schäfer. „Zentral gelegen wäre ideal, damit ihn auch ältere Leute gut erreichen.“ Ein Regenschutz sei Pflicht. Nahezu perfekt ist in dieser Hinsicht auch die Verteilstation im Kernener Ortsteil Rommelshausen, die sich in einem leer stehenden Raum der Gemeinde befindet und im Februar eröffnet wurde. Ein Stromanschluss sei wünschenswert, aber nicht zwingend. „Das bedeutet dann halt weniger Auswahl.“ Wenn Strom zur Verfügung gestellt werde, könnten neben Obst und Gemüse auch leichter verderbliche Güter wie Milchprodukte angeboten werden. Zudem werde die Haltbarkeit generell durch Kühlschränke verlängert.

Weitere Lebensmittel-Spender gesucht

Spenden von Lebensmitteln sind an allen Standorten immer willkommen. „Zwei Unternehmen, die uns ihre übrig gebliebenen Waren für Welzheim spenden würden, haben wir schon – und dann gibt es ja auch noch die Bäckerei Chris in der Nähe“, sagt Schäfer. Er ist zuversichtlich, dass er ausreichend Helfer findet, um die Waren abzuholen und zu verteilen. „Wichtig sind ein guter Standort und Anbieter von Waren – die können wir immer gebrauchen.“

Weitere Infos und Tipps zum Thema Foodsharing gibt es im Internet unter der Adresse: www.foodsharing.de sowie per E-Mail an rems-murr-kreis@foodsharing.network