Auf den Fildern wollen sich Aktivisten von Foodsharing besser aufstellen. Angedacht ist ein Häuschen, in dem Lebensmittel abgelegt werden können, damit andere sich bedienen können. Die evangelische Kirchengemeinde will das Vorhaben unterstützen.
Sarita Karles Auto ist voll bis unters Dach. Auf der Ladefläche ihres großen Kombis türmen sich palettenweise Erdbeerjoghurts, daneben stehen in Klappboxen Feldsalat-Packungen, Backwaren, Obst und vieles mehr. Nein, Sarita Karle war nicht einkaufen. Sie war Lebensmittel retten. Die 44-jährige Tagesmutter aus Neuhausen engagiert sich bei Foodsharing und holt als Freiwillige alle paar Tage bei Erzeugern, in Läden oder anderswo Waren ab, die sonst im Müll gelandet wären, obwohl sie noch genießbar sind. „Es ist schon krass, wie viel weggeworfen wird“, sagt sie.
Das findet auch Tony Leichsenring. Er lebt ebenfalls in Neuhausen, und auch er engagiert sich seit etwa drei Jahren bei Foodsharing. „Ein großer Punkt ist, die Umwelt zu schonen“, erklärt der 30-jährige Techniker. Seine Frau macht beim Lebensmittelretten mit. Die Aktivisten sind längst Fans von Foodsharing. „Man holt Sachen ab, die man sonst nie kochen würde“, sagt er. Außerdem spare man als Familie reichlich Geld. Die Mengen, die die Freiwilligen abholen, sind zu groß, um sie allein zu verarbeiten. Meist wird weiterverteilt, etwa über Whatsapp-Gruppen. Karle erklärt, dass sie beispielsweise ältere oder weniger wohlhabende Menschen unterstütze. Manches gehe auch an eine Flüchtlingsunterkunft.
Ein Platz für den Fairteiler ist bereits auserkoren
Nun wollen die Foodsaver die Verteilung der geretteten Lebensmittel optimieren und in Neuhausen einen sogenannten Fairteiler einrichten. Darunter versteht man eine Hütte, wo sie Obst, Gemüse, Brot, Süßigkeiten und anderes ablegen können, damit andere Personen sich bedienen. Gut funktionierende Fairteiler gibt es unter anderem bereits in Scharnhausen, in Stuttgart-Sillenbuch, in Esslingen, in Wendlingen oder Nürtingen. Ein Standort ist in Neuhausen auch bereits gefunden: an der evangelischen Christuskirche. Edgar Kaemper, stellvertretender Vorsitzender des Kirchengemeinderats, bestätigt das. „Wir haben einen Platz hinter der Kirche auserkoren“, sagt er. Auch die Stromkosten wolle man bezuschussen. Mögliche baurechtliche Fragen müssten indes im Rathaus geklärt werden.
Die sinnvolle Verteilung von Lebensmitteln spielt laut Kaemper in der Kirchengemeinde eine große Rolle. Es gebe eine Sammelbox für die Tafel. Nach Tony Leichsenrings Informationen gibt es zudem Gespräche mit dem Frauenkreis, ob und wie sich die Mitglieder womöglich ebenfalls beim Betrieb des Fairteilers einbringen.
Die Stadt hat bereits ihre Unterstützung signalisiert
Im Foodsharing-Bezirk Fildern-Nürtingen, zu dem Neuhausen gehört, gibt es laut Leichsenring etwa 500 Aktive und 1500 Foodsaver aus Randbereichen. Was jetzt noch für Neuhausen fehlt, ist die Hütte selbst, etwa ein stabiles Gartenhäuschen. Da die Foodsaver ehrenamtlich arbeiten, hoffen sie auf Hilfe von Firmen, Vereinen oder Privatpersonen. „Bei der Stadt habe ich schon angefragt und warte auf Antwort“, sagt Leichsenring. Man habe dort zumindest Zuspruch für Foodsharing signalisiert.
Wer helfen möchte, kann man sich per Mail an t.leichsenring1@foodsharing.network oder telefonisch bei Sarita Karle unter der Nummer 0 15 20/ 8 80 10 53.