Zweimal wöchentlich räumt Karin von Kries-Kyselka im Fairteiler auf. Foto: Holowiecki

Foodsharing? Findet Karin von Kries-Kyselka spitze. Deswegen engagiert sich die Bewohnerin eines Seniorenheims in Stuttgart-Riedenberg – mit 83 Jahren.

Riedenberg - Karin von Kries-Kyselka hat alles dabei, was sie braucht. Aus einer kleinen Plastiktüte in ihrer Handtasche holt sie einen sauberen Putzlappen, außerdem hat sie ihre Geheimwaffe dabei: einen Holzspatel. Damit entfernt sie spielend leicht Grünzeug, das hinten an der Kühlschrankwand festgefroren ist. „Pieksauber“ bekomme sie so alles, und das muss auch so sein im Fairteiler am Gosheimer Weg in Sillenbuch. Immerhin wird dort mit Lebensmitteln hantiert.

Strikte Gegnerin von Verschwendung

Seit einem Jahr betreibt die Foodsharing-Gruppe für den Bezirk Sillenbuch die Hütte. Hier kann jeder Obst, Konserven und mehr in Regalen, Boxen oder Kühlschränken ablegen und ebenso kostenfrei mitnehmen. Damit leistet die Initiative einen Beitrag gegen Lebensmittelverschwendung. Viele der Waren, die in dem Häuschen geteilt werden, holen Ehrenamtliche in Supermärkten oder bei Produzenten ab. Alles ist noch genießbar, aber nicht mehr verkäuflich und würde im Müll landen.

Karin von Kries-Kyselka findet das prima. Seit vergangenem Herbst macht sie bei Foodsharing mit – und gehört mit ihren 83 Jahren mindestens zu den ältesten Lebensmittelrettern weit und breit, wenn sie nicht sogar die älteste ist. Die Bewohnerin des Riedenberger Seniorenheims Augustinum findet aber, dass gerade ihr Alter sie verpflichtet. „Ich bin Jahrgang 1936. Ich gehöre zur letzten Generation, die den Krieg und die Nachkriegszeit aktiv mitbekommen hat.“ Sie habe viele Entbehrungen erlebt. „Wir waren froh, wenn es an einem Tag gelbe Rüben gab und am anderen Kartoffeln. Über zwei Tage alte Brötchen wären wir alle happy gewesen.“ Aufgrund dieser Erfahrungen sei sie eine strikte Gegnerin von Verschwendung: „Ich finde es ganz schlimm, wenn Dinge einfach weggeworfen werden.“

Zweimal wöchentlich putzt die Seniorin das Häuschen

Lebensmittel bei Supermärkten kistenweise abholen, das kann die Seniorin nicht mehr, wie sie sagt. Das hindert sie aber nicht daran, im Fairteiler anzupacken. Zweimal wöchentlich wirbelt sie durchs Häuschen, kontrolliert, ob alle Kisten zu sind, fegt den Boden oder entfernt labbrige Blätter von Salatköpfen. Um Geld zu sparen, mache sie das alles nicht, „die Lebensmittel lasse ich denen, die es nötig haben“, und wenn sie doch mal was mitnehme, spende sie den Gegenwert an die Tafel oder die Vesperkirche.

Die frühere Mitarbeiterin des diakonischen Werks hofft, dass sich noch mehr Leute als Lebensmittelretter engagieren. Im Augustinum werbe sie dafür, „das lasse ich einfließen, ganz dezent“, sagt sie. Denn im Team arbeite sie besonders gern. Karin von Kries-Kyselka lächelt verschmitzt: „Eigentlich bin ich eher eine Zurückhaltende.“

Info-Abend und weiterer Termin

der sich auch in Sachen Foodsharing engagieren will, kann am Montag, 16. September, bei einem Infoabend mehr darüber erfahren. Der startet um 19 Uhr im Café Alberta an der Schemppstraße. Schon mal vormerken: Am Freitag, 25. Oktober, wird es ein öffentliches Fest mit Essen anlässlich des einjährigen Bestehens des Sillenbucher Fairteilers am Gosheimer Weg geben.

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