Im Scharnhauser Park gibt es nun eine Hütte, in der gerettete Lebensmittel kostenfrei weitergegeben werden. Nellingen wird in absehbarer Zeit auch einen Fairteiler bekommen. Wo gibt es das noch?
Ganze anderthalb Jahre hat es gedauert, doch nun ist der Fairteiler im Scharnhauser Park offiziell eröffnet. In der Hütte am Sophie-Scholl-Haus, gleich an der Landschaftstreppe, können durch die Organisation Foodsharing geprüfte Lebensmittelretter, sogenannte Foodsaver, Waren ablegen, die noch genießbar sind, aber in Supermärkten, Bäckereien, in der Gastronomie oder bei Erzeugern aussortiert wurden – wegen Schönheitsfehlern, weil schlichtweg zu viel da ist oder weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abläuft. Es geht um Radieschen mit schlappem Grün, Konserven mit Dellen, Schokohasen, die nach Ostern keiner mehr will, oder Brot, das bis Ladenschluss nicht weggegangen ist. Dinge, die für den Verzehr geeignet sind, aber im Normalfall im Müll gelandet wären. Daran kann sich im Fairteiler jedermann kostenfrei bedienen.
„In Deutschland werden jedes Jahr circa elf Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle entsorgt. Neben ungenießbaren Teilen werden aber auch essbare Lebensmittel weggeworfen“, sagt Hartmut Weber vom Verein Schapanesen. Er ist der Initiator des Ganzen. Nach einem Fernsehbeitrag über Foodsaver in Berlin habe er sich gedacht: „Genau das ist eine Sache, die ich mir im Scharnhauser Park wünschen würde.“ Weltweit würden bis zu 40 Prozent der produzierten Lebensmittel nie gegessen. „Das bedeutet, dass alle von Beginn des Jahres bis Ende Mai produzierten Lebensmittel rein rechnerisch an der Wertschöpfungskette vorbeigehen“, erklärt er. Bei der energieintensiven Herstellung entstünden zudem jede Menge Treibhausgase.
Dass das Thema Lebensmittelüberproduktion ein ernsthaftes ist, zeigt sich bei der Eröffnung des Fairteilers im Scharnhauser Park. Massenhaft Salat und anderes Gemüse, Backwaren, Puddings, Schupfnudelpackungen und vieles, vieles mehr liegen zur kostenlosen Mitnahme bereit.
Auch in Nellingen wird das Thema vorangetrieben
Der neue Fairteiler ist der zweite in Ostfildern. In Scharnhausen gibt es seit mehr als zwei Jahren einen am evangelischen Gemeindehaus. Auch in Nellingen wird das Thema vorangetrieben. Das Fundament für eine Hütte an der evangelisch-methodistischen Kirche ist bereits gegossen, sagt Friederike Hahn, die Initiatorin. Damit wird das Netz an Fairteilern im Kreis Esslingen dichter. Die interaktive Karte auf der Foodsharing-Homepage findet zwei in Esslingen und je einen in Neuhausen, Köngen, Plochingen, Kirchheim, Wendlingen und Neckartailfingen. Aber: Es gibt offenkundig auch Schwund. Fairteiler in Leinfelden-Echterdingen, Nürtingen und Neckartenzlingen, die 2021 noch zu finden gewesen waren, sind von der Karte verschwunden.
Gemeinderat bewilligt 5000 Euro als Anschubfinanzierung
Dem Bürgerverein Schapanesen geht es um einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln. Aus diesem Grund ist er 2022 auf die Leitung des Bürgertreffs Scharnhauser Park mit der Idee herangetreten, einen Fairteiler im Stadtteil aufzubauen. Im Boot gewesen sind schließlich auch die Stadtverwaltung, die evangelische Kirchengemeinde und der Kirchengemeinderat, das pädagogische Projekt Reset, über das die Hütte errichtet wurde, sowie der Gemeinderat, der 5000 Euro als Anschubfinanzierung bewilligt hat.
Betreuen werden den Fairteiler künftig Ehrenamtliche. Von mehr als 40 Personen im Whatsapp-Verteiler spricht Hartmut Weber: „die wächst, die Gruppe“. Ein Engagement, das auch dem Oberbürgermeister Christof Bolay gefällt. „Es ist toll zu sehen, wie viele Leute sich für die Sache begeistern lassen“, sagt er, zumal von dem Einsatz alle Seiten profitierten.