Mark Babbitt hat vor drei Jahren einen Imbiss an der B 10 eröffnet. Den zu finden, ist gar nicht so einfach. Aber die Leute kommen trotzdem: Eine Geschichte von Wagnissen und von verdammt guten Hamburgern.
Auf Google singen sie ein Loblied auf die Hamburger von Mark Babbitt: „Der beste Hamburger, den ich je gegessen habe“, urteilen mehrere Nutzer. Von „Extraklasse“ schreiben einige, es seien die besten Burger, „die man in und um Stuttgart bekommen kann“ andere.
Erstaunlich ist das, weil der Fastfoodklassiker, der da so gelobt wird, nicht etwa aus einem schicken Restaurant, nicht einmal aus einer Bar stammt, sondern direkt an der Straße gebrutzelt wird. Auf einem unscheinbaren Parkplatz an der B 10 zwischen Vaihingen an der Enz und Schwieberdingen (Kreis Ludwigsburg) . Ziemlich rustikal in einem Imbisswagen. „Wir machen es eben so, wie man es in den USA macht“, sagt Babbitt und zuckt mit den Schultern. Die Buletten werden noch auf dem Grill mit Barbecuesoße bestrichen – das könnte eines der Geheimnisse sein. Und sonst? „Nothing too fancy“, sagt Babbitt: nicht zu viel Schnickschnack.
Der US-Amerikaner hat viel gelernt über die Deutschen, manches versteht er immer noch nicht
Babbitts Geschichte ist eine vom sich Ausprobieren, eine vom Wagnisse eingehen. Seit bald drei Jahren betreibt der 57-Jährige den „TruckStop Cowboy“ auf Höhe des Vaihinger Teilorts Pulverdingen. Der Name des Imbisses ist auch eine Anspielung auf Babbitts Äußeres, sein Konterfeit ziert das Logo. Ein Cowboy war Babbitt – lange Haare, Bart, Karohemd, Hut – schon immer: Geboren und aufgewachsen ist er im äußersten Nordwesten der USA auf einer Pferderanch bei Seattle. Reiten gelernt hat er als Kind, Gitarre spielt er auch. Nach Deutschland, wo er mittlerweile seit 23 Jahren lebt, kam er mit seiner Frau Christiane, die aus dem Nest Pulverdingen stammt. Kennengelernt hatten sie sich in den USA, wo Christiane erst in Kalifornien und dann im Staat Washington lebte und arbeitete, weil sie in Deutschland keinen Studienplatz gefunden hatte. Als Babbitt bei einem Besuch bei ihren Eltern herausfand, dass es in dem 60-Einwohner-Kaff ein Einfamilienhaus für damals 500 D-Mark im Monat zu mieten gibt, schlug er den Umzug vor. Babbitt, der einst mit seinem Vater einen großen Antiquitätenhandel betrieb und abends noch im Catering schuftete, hatte genug von der vielen Arbeit. In Deutschland fand er eine Stelle als Englischlehrer.
15 Jahre hatte er den Job, dann traf er eine „undeutsche“ Entscheidung, wie er sagt. Er gab seine Festanstellung auf, und wurde Sprecher eines Startups. „Ich habe mir gesagt: mit 60 machst du das sowieso nicht mehr, also habe ich es gemacht.“
In seiner Zeit in Deutschland hat Babbitt einiges über Mentalität und Leute gelernt, manches hat sich gewandelt, manches versteht er immer noch nicht: der Kundenservice sei viel besser geworden, findet er, die Bürokratie bisweilen haarsträubend. Dass man für jeden Job zudem ein Stück Papier brauche, das bestätige, dass man etwas gelernt habe, sei typisch deutsch – und für ihn nicht zu erklären. Er selbst habe oft genug den Gegenbeweis angetreten. „Den Job als Pressesprecher haben sie mir auch gegeben, ohne dass ich eine Ausbildung dafür hatte.“
Ein Herz für Lasterfahrer
Gut zwei Jahre arbeitete Babbitt für das Startup, dann kam Corona. Das junge Unternehmen ging bankrott – und er hatte erst mal keinen Job mehr. Er hätte irgendwo anfangen können, in der Industrie beispielsweise. Weil er aber immer – zumindest ein Stück weit – sein eigener Herr gewesen war, wollte er das nicht aufgeben. Ein Nachbar hatte an der Stelle, wo der Imbisswagen steht, für einige Zeit einen ebensolchen betrieben. Die Idee, das weiter zu führen, gefiel Babbitt. Also machte er sich auf die Suche nach seinem eigenen Food-Truck.
Nur irgend ein gastronomisches Angebot wollte Babbitt nicht aufziehen, es sollte etwas sein mit Herz und Seele, das zu ihm passt. Also kein Schnitzel, sondern Hamburger, wie er sie aus seinem Heimatland kennt. „Auf Trucker habe ich von Anfang an abgezielt“, sagt der 57-Jährige. In den USA seien Lasterfahrer ein nationales Heiligtum, Helden, wenn man so wolle. „In Deutschland macht man sie nur für Staus verantwortlich“, sagt Babbitt, „viele Leute denken: das sind ungebildete Menschen, die keinen anderen Job finden.“ Für ihn sind sie das nicht, sondern „das Rückgrat der Wirtschaft“.
Nach der Eröffnung fanden die ersten Trucker schnell den neuen Imbiss, das erste Jahr war trotzdem schwierig für Babbitt. Irgendwann aber sprach es sich herum, dass es an der B 10 einen Amerikaner mit Hut gibt, der leckeres Essen zubereitet. Die schmackhaften, gleichwohl nicht gerade kalorienarmen Gerichte sind das eine. Der Mann, der sie auf den Grill wirft, das andere. Babbitt ist das, was man gemeinhin als Menschenfänger bezeichnet. Kaffee zum Beispiel war für Lasterfahrer von Anfang an umsonst. Nicht das billige Zeug, der gute Stoff. „Ich trinke ihn ja selbst“, sagt Babbitt. „Am Anfang wurden einige richtig böse, als ich ihr Geld nicht wollte“, sagt er. Neulich kam einer vorbei, der brachte zwei Packungen mit. „Karma“, sagt Babbitt. Geld sei eben nicht alles.
Deutsch kann er nur ein bisschen, schlimm ist das aber nicht
Irgendwann lief der Laden so gut, dass es dem 57-Jährigen allein zu viel wurde. Neben Lkw-Fahrern kamen auch immer mehr Geschäftsleute aus der Gegend zum Mittagessen. Deshalb stieg vor etwa eineinhalb Jahren sein Sohn Aiden mit ein, seitdem ist der Imbiss ein Vater-Sohn-Unternehmen. Der Rest der Familie hilft bei Bedarf. Für den Senior ist das auch geschickt, weil Aiden im Gegensatz zu ihm perfekt Deutsch spricht. Warum Mark Babbitt es nie gelernt hat? „Ich habe es nie gebraucht, alle haben sich immer so gefreut, mit mir Englisch zu sprechen.“ Selbst seine 90 Jahre alte Schwiegermutter. Und irgendwie komme er schon zurecht.
Den Imbiss will Babbitt nicht bis ins hohe Alter betreiben. Wer sich so oft verändert hat im Leben, der strebt freilich weiter nach Neuem: „Ich würde gerne eine Country und Western-Bar aufmachen.“ Seine Hamburger würden sich dort bestimmt genau so gut machen wie im Food-Truck.
Infos
Standort
Der „TruckStop Cowboy“ befindet sich direkt an der B 10 auf dem Parkplatz auf Höhe des Pulverdinger Forsts. Angefahren werden kann er nur aus Richtung Vaihingen/Enz. Geöffnet ist montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr, an Freitagen nur bis 15 Uhr.
Bestellung
Die Speisen können vorab telefonisch oder im Internet bestellt und dann abgeholt werden. Die Burger kosten zwischen 6 und 11,50 Euro. Einen Lieferservice gibt es (noch) nicht. Weitere Infos online unter: www.truck-stop-cowboy.eatbu.com