Menschenrechtler erheben schwere Vorwürfe gegen die Regierung Erdogan. Foto: AP

In türkischen Gefängnissen wird gefoltert, behaupten Menschenrechtsorganisationen. Die Behauptung sei nicht richtig, sagt die türkische Regierung. Der mag man nicht so recht glauben, kommentiert Christian Gottschalk.

Stuttgart - Eines vorab: natürlich hat die Türkei jedes Recht, den Putschversuch vom Sommer aufzuklären und die daran Beteiligten zu bestrafen. Wenn Festgenommene bei der Suche nach Hintermännern im Gefängnis mit Stöcken malträtiert werden, wenn ein Offizier mit auf dem Rücken gefesselten Händen 36 Stunden auf dem Boden knien muss, wenn Vergewaltigungen angedroht, oder von den Sicherheitsorganen gar vollzogen werden, dann hat das mit Aufklärungsarbeit nichts mehr zu tun. Das ist Folter, und die ist nicht zu tolerieren.

Ankara ist unglaubwürdig

Die türkische Regierung mag Vorkomnisse dieser Art dementieren, doch das ist unglaubwürdig. Die Menschenrechtler von Human Rights Watch und Amnesty International haben großes Renommee, sie haben die Vorwürfe gut belegt, das Vertrauen in die beiden Organisationen ist größer als das, welches man dem türkischen Präsidenten und seiner Entourage entgegen bringt. Für ein Land, das Mitglied in der Nato ist und das mit der Europäischen Union über einen Beitritt verhandelt, ist das ein Armutszeugnis.

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