Gegen das unerwünschte Heusenkraut wächst am Schülesee Folie Foto: Horst Rudel

Eine schwarze, in Uferbereichen des Schülesees bei Unterensingen befestigte Folie ist Ursache für Verschwörungstheorien im Internet. Kritiker mutmaßen, mit der Plane wolle die Bahn für Stuttgart 21 den vor kurzem in das Naturschutzgebiet Grienwiesen eingewanderten Biber vertreiben.

Unterensingen - Tatsächlich steckt hinter der Folie eine andere Absicht. Das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart will damit des Heusenkrauts Herr werden, das sich dort ausgebreitet hat. Für Naturschützer indessen kommt diese Abwehrmaßnahme zu spät.

Bereits im Sommer 2008 hatte Karl-Heinz Frey vom Bund Nürtingen die ersten Exemplare von Ludwigia uruguayensis an den ehemaligen Baggerseen entdeckt und an das RP gemeldet. Der lateinische Name deutet die Herkunft des Großblütigen Heusenkrauts an. Die Pflanze stammt aus Südamerika und wurde 1823 nach Frankreich importiert. Inzwischen ist sie in Europa auf dem Vormarsch, war in der Region Stuttgart aber noch nicht gesichtet worden. Eine wild lebende Population war in Deutschland erstmals vor elf Jahren in Niedersachsen aufgetaucht.

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) führt das Kraut auf der „schwarzen Liste invasiver Arten“. Dort sind Pflanzen aufgeführt, die die biologische Vielfalt eines Ökosystems bedrohen. Das Heusenkraut aus der Gattung der Nachtschattengewächse kann große Wasserflächen vollständig bedecken, warnt das BfN. Andere Pflanzen werden verdrängt, die Fließgeschwindigkeit und der Sauerstoffgehalt von Gewässern werden verringert, es droht Verschlammung. Als Gegenmittel empfiehlt das Bundesamt eine mechanische und chemische Bekämpfung.

Zunächst sei der vom Heusenkraut bedeckte Streifen circa 100 Meter lang gewesen, erinnert sich Karl-Heinz Frey. Der heute 70-jährige, damals noch Sprecher des Landesnaturschutzverbands für den Landkreis Esslingen, schlug dem Regierungspräsidium vor, an den betroffenen Stellen die Pflanzen mit der Erde auszubaggern und das Übel buchstäblich an der Wurzel zu packen. Etwa ein Jahr lang sei jedoch nichts passiert. „Als die Fläche immer größer wurde, gab es eine halbherzige Aktion mit Planen“ – die letztlich nichts fruchtete.

Jetzt nimmt das RP einen neuen Anlauf mit der dicken Teichfolie. Die Bereiche mit dem Heusenkraut werden großflächig abgedeckt, „damit die Pflanze kein Licht mehr bekommt und abstirbt“, informierte das Referat Naturschutz und Landschaftspflege Karl-Heinz Frey im vergangenen Dezember per E-Mail. Um Erfolg zu haben, müsse die Folie zwei bis drei Jahre liegen bleiben. „Da es sich um eines von bisher zwei bekannten Vorkommen in Deutschland handelt, ist auch das BfN informiert und an einer dauerhaften Beseitigung der Pflanze interessiert“, schreibt das RP. Um eine Beschädigung der Folie zu vermeiden, wurden Teile der Ufervegetation entfernt und einzelne Gehölze zurückgeschnitten.

Karl-Heinz Frey ist aber skeptisch: „Das Heusenkraut hat sich inzwischen an anderen Stellen ausgebreitet und ist wohl kaum mehr zu stoppen. Mit den Planen kommen die viel zu spät.“ Noch aus einem weiteren Grund rechnet der Naturschützer damit, dass die Aktion der Behörde am Schülesee ein Schlag ins Wasser werden könnte. Er sieht die Gefahr, dass unter der Plane auch die erwünschten heimischen Pflanzenarten in dem Naturschutzgebiet ersticken.

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