Branchen die einen hohen Kraftstoffverbrauch haben, stehen derzeit vor besonderen finanziellen Herausforderungen. Foto: Simon Granville

Die enormen Kostensteigerung macht Taxiunternehmen, Speditionen und Fahrschulen im Landkreis das Leben schwer. Sie alle hoffen nun auf schnelle Hilfe durch die Bundesregierung. Denn lange lässt sich die Situation wohl nicht mehr stemmen.

Wir verdienen aktuell kein Geld“, sagt Ralf Strenkert, der Leiter der Spedition Era in Kornwestheim, eines mittelständischen Unternehmens mit 19 eigenen Lkws und 15 festangestellten Fahrern. Er fordert die Bundesregierung auf, möglichst schnell mit einem Hilfsangebot auf die extrem gestiegenen Dieselpreise zu reagieren. Vor zwei Jahren, weiß Strenkert, habe der Liter Diesel noch weniger als einen Euro gekostet – heute wird an den Tankstellen deutlich mehr als das Doppelte verlangt.

 

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Diesen externen Preisanstieg „hatten wir nicht auf dem Schirm“. Das Unternehmen habe langfristige Verträge abgeschlossen, man versuche die gestiegenen Kosten an die Kunden weiterzugeben. Das gelinge nur in manchen Fällen. Ein Tankrabatt, wie vom Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) vorgeschlagen, helfe den Speditionen kaum. „Das ist vielleicht was für Familien“, sagt Strenkert. Aus seiner Sicht hilft Unternehmen, die sehr viel Kraftstoff verbrauchen, kurzfristig nur eine deutliche Absenkung der Steuersätze. Die Energie- und/oder die Mehrwertsteuer müssten ordentlich gestutzt werden. Eine 500-Kilometer-Tour mit dem Lastwagen koste heute rund 400 Euro mehr als noch vor kurzem. Wenn hier nichts passiere, dann „können die kleinen, mittelständischen Unternehmen nicht mehr lang durchhalten“. Der Umstieg auf E-Trucks sei da kurzfristig keine Option, denn die Lieferzeiten betrügen durchaus ein Jahr oder noch mehr.

Steigen die Preise für den Taxi-Kilometer?

Auch Taxiunternehmen leiden massiv unter den hohen Kraftstoffpreisen. Ursula Dahlke und ihr Mann Jörn-Götz betreiben seit 22 Jahren in Marbach den Taxi-Service Dahlke mit sechs Autos, vier Fahrern und drei Aushilfskräften. Aus ihrer Sicht, sagt Dahlke, müssten die Tarife nun „angepasst“, sprich die Preise je Taxi-Kilometer angehoben werden. Zurzeit seien die Preise im Kreis Ludwigsburg mit 2,50 Euro je Kilometer festgezurrt. Dieser Betrag reiche mit Blick auf die Dieselpreise nicht. Einmal voll tanken koste heute rund 110 Euro, noch vor gar nicht allzu langer Zeit seien nur 60 Euro fällig gewesen.

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Von Hilfen „nach dem Gießkannenprinzip“ halte sie aber nichts. Alle Autofahrer in gleichem Maße zu entlasten, das sei „Quatsch“. Wer sich einen großen SUV leisten könne, benötige keine Hilfe – anders als ärmere Menschen und kleine Betriebe, deren Fahrzeuge regelmäßig aufgetankt werden müssen. Ein Umstieg auf E-Autos habe für Taxiunternehmen „andere Nachteile“, denn Fahrzeuge mit Elektro- oder Hybrid-Motor seien deutlich teurer. Jörn-Götz Dahlke fürchtet zudem, dass es wegen der Anhebung des Mindestlohn in der personalintensiven Branche noch schwieriger wird. Am Ende „bleibt nichts mehr übrig“. Zusätzlich zur Anhebung der Tarife seien Steuererleichterungen erforderlich für alle Branchen, die viel Kraftstoff verbrauchen: also entweder die Mehrwertsteuer beziehungsweise die Benzinsteuer zu senken oder einen Steuerfreibetrag für die Betriebe.

Fahrschüler müssen tiefer in die Tasche greifen

Stephan Speer, Chef der LudwigsburgerFahrschule Speer, betont, er wolle keine Forderungen stellen, er wünsche sich allerdings vom Gesetzgeber, dass dieser entweder „die Spritsteuer senkt oder einen Tankrabatt einführt“. Aus seiner Sicht sollte so eine Gutschrift je Liter Kraftstoff jeder Autofahrer bekommen. Eine Ermäßigung der Steuersätze sei angezeigt, denn bei den derzeitigen Preisen nehme der Staat ja mehr Geld ein als kalkuliert. Speer hat sein Unternehmen 2005 von seinem Vater übernommen. Die Fahrschule betreibt fünf Filialen in Ludwigsburg, Aldingen, Benningen und Pleidelsheim und beschäftigt 16 festangestellte Mitarbeiter und hat rund 20 Fahrzeuge. Wegen der stark gestiegenen Kraftstoffpreise müssten die Fahrschüler nun zwei Euro je Stunde mehr bezahlen, durchschnittlich 49 Euro, so Speer. Sollten die Spritpreise nicht bald sinken, dann müsse er demnächst die 50-Euro-Grenze reißen. Die zwei Euro kompensierten die Mehrausgaben nämlich nicht.

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