Auch im Theaterhaus wird so schnell nicht wieder gespielt werden. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Landesregierung Baden-Württemberg erlaubt wieder Kulturveranstaltungen mit höchstens 100 Zuschauern. Öffnen die Theater jetzt bald wieder? Die Hoffnung trügt.

Stuttgart - Ministerpräsident Winfried Kretschmann zeigte sich am vergangenen Dienstag vor der Landespressekonferenz „hoch erfreut“, dass in Baden-Württemberg ab 1. Juni Kulturveranstaltungen in geschlossenen Räumen vor bis zu 100 Zuschauern wieder möglich sind. Nun könnten sich die Bühnen endlich wieder „ihrem Publikum“ zuwenden. Diese Botschaft nahmen zumindest Teile des Publikums offenbar ernst. „Bei unserem Servicetelefon gab es prompt Anfragen, wann denn die ersten Vorstellungen wieder losgehen“, berichtet Axel Preuß von den Schauspielbühnen in Stuttgart.

Ganz so leicht sind die Dinge allerdings nicht, wie eine Umfrage unserer Zeitung bei ihm und anderen Bühnenchefs in Stuttgart ergibt. „Wie müssen für das Alte Schauspielhaus und die Komödie im Marquardt ja erst einmal ein Hygienekonzept entwickeln; da hapert’s auch an Informationen aus den Behörden“, erläutert Preuß. „Und wir brauchen dieses Konzept nicht nur für unser Publikum, sondern ebenso für unsere Mitarbeiter und für das Geschehen auf der Bühne“. Der Schauspielbühnenchef bleibt darum dabei: Die laufende Saison sei abgehakt. „Wir konzentrieren uns ganz auf die Vorbereitung der nächsten Spielzeit im September. Und da wir nicht wissen, wie es dann mit Corona aussieht, brauche ich nicht nur einen Plan A, sondern auch Plan B und C.“

Theaterhaus startet Publikumsumfrage

Auch Susanne Heydenreich vom Theater der Altstadt am Feuersee kann über die Kulturöffnung der Landesregierung nicht recht jubeln. „Von den über 100 Plätzen in unserem Theater könnte ich laut Hygieneregeln pro Vorstellung gerade 30 Plätze besetzen.“ Ähnlich bescheiden ist die Rechnung von Werner Schretzmeier beim Theaterhaus: „Von den insgesamt 1880 Plätzen im Theaterhaus dürfte ich pro Abend höchstens 500 Plätze verkaufen. Ich hätte also ein Drittel der Einnahmen – aber bei 100 Prozent Kosten für Künstler und Personal“. Das würde letztlich die Finanzen weiter verschlechtern.

„Und wollen die Leute gerade überhaupt ins Theaterhaus kommen?“, fragt sich Schretzmeier, der deshalb in den nächsten Tagen unter seinen treuen Zuschauern eine Mail-Umfrage starten will. Auch Susanne Heydenreich beschäftigt dieser Aspekt: „Wir haben als Theater doch auch eine Verantwortung für die Gesundheit unserer Zuschauer!“ So schwer es ihr auch falle, aber sie konzentriere sich gerade lieber ganz auf den Start der nächsten Theatersaison im Oktober.

Renitenztheater plant Sommerprogramm

Das Friedrichsbau-Varieté auf dem Pragsattel wird frühestens Ende September wieder spielen. „Unsere Gäste erwarten für die Ticketpreise ein bestimmtes Angebot an Kunst und Drumherum“, erläutert Geschäftsführer Timo Steinhauer. „Und das können wir ihnen gerade nicht liefern“. Ein Betrieb mit nur 22 Prozent der Platzkapazität sei „hoch defizitär“. Und auch für Sebastian Weingarten vom Renitenztheater ist die Lage klar: „Nach den Informationen, die ich habe, ist ein wirtschaftlich akzeptabler Theaterbetrieb unmöglich“. 53 Karten pro Abend dürfte er höchstens verkaufen, das könne er nicht verantworten. Sein Glück: die direkte Nachbarschaft zum Hospitalhof mit seinem großen Saal. „Wir planen gerade gemeinsam ein Sommerprogramm“.

So bleibt es im Terminkalender vorerst beim Kulturwasen, einem zweiten Open Air am Flughafen – und bei einem Sonderprogramm des Staatstheaters mit kleinen Konzerten und Formaten. „Insgesamt konzentrieren wir unsere Energie auf den Start der nächsten Saison“, sagt der Geschäftsführende Intendant Marc-Oliver Hendriks. Aber auch die nächste Spielzeit könne eine„Corona-Saison“ werden.

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