Geschäftsreisende steigen wegen der Unsicherheit um Air Berlin auf andere Gesellschaften um. Foto: dpa

Die Unsicherheiten bei Air Berlin wirken sich für Flugreisende, die bei anderen Fluggesellschaften buchen, negativ aus. Weil viele Geschäftsreisende auf andere Gesellschaften umsteigen, steigen die Ticketpreise für Privatleute und Unternehmen.

Berlin - Die Unsicherheit um die Fluggesellschaft Air Berlin hat Folgen für die Ticketpreise. Mitarbeiter von Reisebüros berichten von einem klaren Trend: Weil vor allem Geschäftsreisende die Flugzeuge der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin meiden, steigen die Ticketpreise der Konkurrenzgesellschaften. „Wir haben Rückmeldungen von unseren Mitgliedsunternehmen, dass es schon jetzt die Tendenz zu Preiserhöhungen gibt“, sagte Ralph Rettig, Vizepräsident des Geschäftsreiseverbands VDR, dieser Zeitung. „Gerade für Geschäftskunden ist Verlässlichkeit ein wichtiger Punkt“, meinte Rettig.

Wenn beispielsweise wichtige Vertragsverhandlungen oder Besprechungen mit Kollegen an anderen Standorten anstehen, komme es den Unternehmen darauf an, dass ihre Mitarbeiter pünktlich eintreffen. Wegen des Insolvenzverfahrens und den häufigen Flugausfällen bei Air Berlin stiegen Geschäftskunden um. „Wir hören von unseren Mitgliedern, dass wegen der unklaren Zukunft bei Air Berlin eine gewisse Verunsicherung herrscht“, so Rettig. Aus diesem Grund suchten Unternehmen nach anderen Anbietern. Der Wechsel zu anderen Fluggesellschaften führt aber zu höheren Ticketpreisen. Dem VDR gehören 550 Firmen an, darunter viele Konzerne, die Geschäftsreisen für ihre Mitarbeiter organisieren.

Preise klaffen stark auseinander

Wie stark die Preise inzwischen auseinanderklaffen, zeigt ein Blick in die Buchungsportale. Wer zum Beispiel am 28. September morgens mit der Frühmaschine von Berlin nach Stuttgart reisen will und am Nachmittag wieder zurück sein möchte, der muss bei der Lufthansa-Tochter Germanwings rund 600 Euro bezahlen. Der Flug mit Air Berlin ist dagegen schon für 158 Euro zu haben. Preisunterschiede sind auch bei längerfristigen Buchungen zu verzeichnen. Dieselbe Verbindung auf dieser Strecke kostet Mitte Oktober mit Germanwings 282 Euro. Air Berlin bietet das Ticket für 150 Euro an. Mitarbeiter von Reisebüros sprechen von einer eindeutigen Entwicklung. Weil Passagiere sicher sein wollen, dass sie pünktlich abheben und ankommen, greifen sie tiefer in die Tasche. Die Krankmeldungen der Piloten von Air Berlin habe die Abkehr noch verstärkt. „Einige Unternehmen haben Air Berlin komplett den Rücken gekehrt“, sagte Rettig.

Die Preisentwicklung könne einen Vorgeschmack darauf liefern, was passiert, wenn der Wettbewerb in Zukunft schwächer wird. Die Bieterfrist für die Übernahme von Air Berlin ist am Freitag ausgelaufen. Nach Angaben von Air Berlin hätten mehrere Unternehmen Gebote abgegeben. Geplant ist, dass Air Berlin an eine oder mehrere Fluggesellschaften verkauft wird. Zu den Bietern gehört auch Lufthansa, der Marktführer auf dem deutschen Markt.

Was die Marktdominanz eines Anbieters für die Kunden bedeutet, lässt sich immer wieder beobachten. „Wir machten in der Vergangenheit die Erfahrung, dass es dort zu Preiserhöhungen kam, wo Air Berlin einzelne Strecken aufgegeben hat“, sagte Rettig. Falls es zu einer Monopolstellung kommt, sei absehbar, dass der Anbieter seine Vorrangstellung ausnutzt. Die Folgen der Marktdominanz ließen sich auf einzelnen Strecken schon ablesen, erklärte der Verband. Je nach Strecke sind schon jetzt deutliche Preisunterschiede zu beobachten. So gelten nach Auskunft des Verbands etwa Flüge von Frankfurt nach London, wo viele Fluggesellschaften um Kunden konkurrieren, als günstig. Dagegen kassierten die Airlines dort ab, wo sie fast alleine eine Strecke bedienen. Flüge von München nach Zürich, die fast nur von Lufthansa angeboten werden, sind deutlich teurer.

Geschäftsreiseverband warnt vor Folgen für Wettbewerb

Der Geschäftsreiseverband mahnte, eine marktbeherrschende Stellung eines Anbieters zu verhindern. Nach Meinung des wirtschaftspolitischen Sprechers der Unionsfraktion, Joachim Pfeiffer, müsse es das Ziel sein, den Wettbewerb auf den innerdeutschen Strecken zu erhalten. Notfalls müsse der Markt für ausländische Anbieter geöffnet werden, sagte Pfeiffer.

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