Petra Olschowski, Staatssekretärin im Kunstministerium von Baden-Württemberg Foto: picture alliance / dpa/Franziska Kraufmann

Die großen Bühnen und Konzertsäle haben schon geschlossen, viele kleinere werden in den nächsten Tagen zweifellos noch folgen. Der Abwehrkampf gegen das Corona-Virus trifft die Kulturlandschaft hart und wird mittelfristig manche Existenz bedrohen. Wie kann der Staat hier helfen?

Stuttgart - Die Staatssekretärin im Kunstministerium, Petra Olschowski (Die Grünen), sieht die Kunst- und Kulturszene Baden-Württembergs durch die Folgen des öffentlichen Abwehrkampfes gegen das Corona-Virus in schweren Zeiten: „Wir müssen davon ausgehen, dass die Einrichtungen und Veranstalter durch die zahlreichen Veranstaltungsabsagen Einnahme-Einbußen haben werden und es im Einzelfall auch zu kritischen Situationen kommen kann“, sagte sie gegenüber unserer Zeitung. Man stehe im ständigen Austausch mit den Institutionen und der Szene und sei grundsätzlich zur Hilfe bereit. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt könne man aber „keine pauschale Zusage für die Unterstützung geben, da wir das Ausmaß der finanziellen Konsequenzen im Einzelnen noch nicht überschauen“. Außerdem seien die Kommunen als Kulturträger „Partner in der Finanzierung“.

Olschowski sieht das Thema der Kulturhilfen als Teil der Frage, wie die Kosten der Korona-Krise insgesamt getragen werden können: „Das Land steht vor der Aufgabe, insgesamt die wirtschaftlichen Folgeschäden zu bewerten. Es wird deshalb Nachtragshaushalte geben, auch beim Bund. Ich erwarte, dass dabei auch die Kultur berücksichtigt wird.“ Das Land sehe sich auch hier „in einer Fürsorgepflicht“.

„Theater dürfen kein Infektionsherd werden“

Auf die Frage, warum das Land Baden-Württemberg den Spielbetrieb seiner beiden Staatstheater in Stuttgart und Karlsruhe komplett geschlossen hat, vorerst bis zum 19. April, während andere Bühnen im Land derzeit noch weiterspielen können, antwortete die Staatssekretärin: „Maßgeblich sind die Gegebenheiten in den Theatern, insbesondere beengte räumliche Situationen, zum Beispiel beim Einlass und in Treppenhäusern. Hier ist das Risiko einer Ansteckung besonders groß.“ Das Ministerium habe darum beschlossen, den gesamten Publikumsbetrieb zu unterbrechen. Damit solle verhindert werden, dass „die Staatstheater zu einem unkontrollierbaren Infektionsherd werden.“

Olschowski selbst war im übrigen bereits auch persönlich von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen: Nachdem ein Teilnehmer der regulären Fraktionssitzung der Grünen im Landtag positiv auf das Virus getestet worden war, musste die 54-Jährige vorsorglich im Homeoffice verbleiben. Inzwischen konnte sie aber ihre Arbeit auch im Ministerium im Mittnachtbau in Stuttgart wieder aufnehmen.

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