Das Rathaus zeigt Risse Aufnahme aus dem Jahr 2010 Foto: dpa

Die Stadt Staufen bewegt sich – und es gibt niemanden, der sich darüber freuen mag. Seit knapp acht Jahren leidet Staufen unter den folgen einer missglückten Geothermiebohrung.

Staufen - Es will nicht aufhören mit den Erdhebungen unterm historischen Stadtkern Staufens (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald): Jüngste Messergebnisse zeigen, dass sich der vor mehr als sieben Jahren begonnene Hebungsprozess im Zentrum der Hebungen noch immer um 2,6 bis 2,8 mm im Monat fortsetzt. Lediglich am Rand des Hebungsgebiets hat sich die Lage mittlerweile laut einer Mitteilung der malerischen Stadt stabilisiert.

Unüberlegtes Bohren nach Erdwärme und die für die Region typische Bodenbeschaffenheit waren die Mischung, die der 7500 Einwohner zählenden Gemeinde am Rande des Schwarzwalds zum Verhängnis wurde. Ähnliche Probleme gibt es zwar vereinzelt auch in anderen Städten, zum Beispiel in Böblingen und Leonberg oder im elsässischen Dorf Lochwiller. Doch nicht in diesem Ausmaß.

Schuld an den Hebungen in Staufen – mit seiner historischen und unter Denkmalschutz stehenden Altstadt ein überregional bekannter Touristenmagnet – ist offenbar eine missglückte Erdwärmebohrung im Zuge der Rathaussanierung in der Stadt vor siebeneinhalb Jahren. Dabei wurde unter Druck stehendes Grundwasser angebohrt, das in der Folge in quellfähige Gesteinsschichten aufsteigen konnte.

Mittlerweile wird für mehr als eine halbe Million Euro ein vierter, rund 130 m tiefer Brunnen gebohrt, um den Grundwasserspiegel unter dem einstigen Erdwärmesondenfeld konstant abzusenken. Durch die bisherigen Brunnenbohrungen und deren Dauerpumpbetrieb konnte der Hebungsprozess seit 2009 bereits deutlich verlangsamt werden. Zum Stillstand, der für eine endgültige Sanierung der betroffenen Häuser nötig wäre, sind die Hebungen jedoch noch nicht gekommen.

Experten vom Büro für Baukonstruktionen in Karlsruhe, die regelmäßig die Häuser untersuchen, berichten vielmehr auch aktuell wieder von größer werdenden Schäden. Besonders betroffen ist das Rathaus-Café, das an das historische Rathaus grenzt. Das Hauptproblem dabei: Eine gemeinsame Mauer verbindet die beiden Gebäude, die sich durch die Hebungen weiter und weiter voneinander entfernen.

Doch auch die Schäden an den weiteren mehr als 260 betroffenen Häusern werden immer schlimmer, die Schadenssumme liegt vermutlich bei 50 Millionen Euro oder mehr. Zwei städtische Gebäude hinterm historischen Rathaus mussten in den vergangenen zwei Jahren bereits abgerissen werden, weil sie wegen der entstandenen Risse nicht mehr standsicher waren. In 265 Fällen konnte eine städtische Schlichtungsstelle mittlerweile schon auf außergerichtlichem Weg Soforthilfe für nötige Stabilisierungsmaßnahmen an Gebäuden ermöglichen.

Das Land Baden-Württemberg und die Städte und Gemeinden im Land haben im vergangenen März zugesagt, 80 Prozent der Sanierungskosten in Höhe von bis zu 30 Millionen Euro zu übernehmen. Für darüber hinausgehende Kosten gibt es noch keine Übernahmezusage.

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