Petrer Jakobeit, Julia Schindler, Harald Wohlmann und Ulrike Jäger machen sich dafür stark, dass sich möglichst viele Menschen am Kulturleben der Stadt beteiligen können. Foto: Steffen Honzera

Der Verein „Kultur für alle“ setzt sich dafür ein, dass auch ärmere Menschen der Besuch eines Theaterstücks nicht verwehrt bleibt.

Stuttgart - Eine alte Dame hat den finanziellen Grundstein gelegt. Ihr ganzes Leben lang hatte sie die Kultur in Stuttgart gerne genossen. Da sie keine direkten Nachkommen hatte, ging sie auf die Bürgerstiftung zu und spendete Geld, um auch vielen anderen Menschen Kultur zu ermöglichen. Unter anderem durch ihre Spende konnte der Förderverein Kultur für alle seine Arbeit erst aufnehmen. „Für uns sind da mehrere glückliche Faktoren zusammen gekommen“, sagt die Geschäftsführerin Julia Schindler. „Aber die Kosten für unsere ersten zwei Jahre sind damit gedeckt“, so Schindler.

Die Bürgerstiftung gab den entscheidenden Anstoß für die Arbeit des Vereins. Die Idee, eine übergeordnete Instanz zu schaffen, die sich für einen freien Zugang zu Kultur einsetzt, kam aus der Politik. Im Rahmen eines Runden Tisches entwickelten Verantwortliche aus dem sozialen und kulturellen Bereich ein Konzept. Es ging darum, Möglichkeiten zu finden, wie auch Menschen mit wenig Geld Zugang zu Kulturveranstaltungen bekommen können. Das Ergebnis der Arbeit: Die Gründung des Vereins Kultur für alle im Januar 2010. „Kultur muss für alle frei zugänglich sein“, ist die einhellige Meinung der vier Vorstände des Fördervereins.

Klar war den Vereinsgründern, dass sie einen Weg finden mussten, möglichst viele Interessierte zu erreichen. „Die Bonuscard war eine ideale Möglichkeit, da sie an mehr als 65.000 Menschen in Stuttgart verschickt wird“, erklärt Peter Jakobeit, der zweite Vorsitzende des Vereins. Den Sozialausweis Bonuscard erhalten alle, die in Stuttgart einen Anspruch auf Hartz IV und Sozialhilfe haben oder nur eine sehr geringe Rente bekommen. Damit ermöglicht die Stadt den Berechtigen, trotz ihrer finanziellen Einschränkungen am kulturellen, sportlichen und sozialen Leben der Landeshauptstadt teilzunehmen. Seit 2010 heißt der Ausweis übrigens offiziell Bonuscard plus Kultur.

Viele Besucher kommen mit der Bonuscard

Eine Vielzahl von Kulturinstitutionen hat sich der neuen Stuttgarter Initiative Kultur für alle angeschlossen. „Einige Kultureinrichtungen wollten sofort teilnehmen“, erzählt Ulrike Jäger, die erste Vorsitzende des Vereins. „Bei einigen anderen war der erste Impuls jedoch, wieso soll ich die Karten verschenken.“ Aber das Argument, dass die meisten Veranstaltungen ohnehin nicht ausverkauft sind, habe viele Einrichtungen überzeugt, sagt Jäger. Doch das ist noch nicht alles: „Das Besondere ist, dass dies keine Restkarten sind“, erklärt Harald Wohlmann vom Vorstand von Kultur für alle. Pro Veranstaltung stehe ein fixes Kontingent zur Verfügung. Ein Bonuscard-Besitzer könne sich genau wie jeder andere eine Karte reservieren – und jetzt mit Freunden, die eine bezahlte Karte haben, eine Veranstaltung besuchen. Damit haben der Verein und alle Beteiligten ein großes gemeinsames Ziel erreicht: „Keiner muss sich mehr ausgeschlossen fühlen“, sagt Wohlmann.

Gleich im ersten Jahr seiner Tätigkeit konnte der Verein Erfolge verbuchen. „Wir hatten rund 3500 Kulturbesucher mit der Bonuscard“, berichtet die Geschäftsführerin Schindler. Gleich im zweiten Jahr habe sich die Anzahl der verkauften Karten sogar verdoppelt.

Jetzt gilt es, diesen Erfolg zu sichern. „Als nächstes Projekt müssen wir eine solide Finanzierung auf die Beine stellen“, sagt Julia Schindler. Bisher finanziert sich der Verein über Spenden, Benefizkonzerte und kleinere Zuschüsse von Stadt und Land. „Inzwischen agieren wir als Vermittler zwischen den Kultureinrichtungen. Da ist eine professionelle Geschäftsführung unerlässlich“, betont Harald Wohlmann. Dafür brauche es langfristig mehr Zuschüsse oder Fördermitglieder.

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