Seit 20 Jahren engagiert sich der Weil der Städter Förderverein Klösterle für den Erhalt des ehemaligen Kapuzinerklosters. Foto: Simon Granville

Einst lebten hier Kapuzinermönche, heute lebt hier die Kultur: Die historischen Mauern des Klösterle sind aus der Kulturlandschaft von Weil der Stadt kaum wegzudenken. Maßgeblich zu seinem Erhalt beigetragen haben einige engagierte Bürger.

Rolf Blumhardt weiß, wo es lang geht: Eine Tür nach der anderen schließt er auf, und zu jedem Raum, der dahinter erscheint, hat er etwas zu sagen. Hier pflegten die Kapuziner einst die Kranken, die von ihren Betten durch kleine Fenster in der Wand hinunter auf den Altar blicken konnten. Dieser Putz ist im Original erhalten, diese Zwischendecke wurde aber erst später eingezogen. Der Kopfstein im Keller? Hier verlief einst eine Weil der Städter Straße. Kleine Schätze und historische Details wie diese offenbaren sich an jeder Ecke des alten Kapuzinerklosters von Weil der Stadt, das seit jeher liebevoll „Klösterle“ genannt wird – und eines der wenigen erhaltenen Kapuzinerklöster in Schwaben ist.

 

Rolf Blumhardt kennt diese Schätze und ihre Geschichten gut. Dabei war der Vorsitzende der Fördervereins Klösterle, der sich vor 20 Jahren gegründet hatte, um eben jene bröckelnde Bausubstanz vor dem Abriss zu bewahren, eigentlich gar kein Hobby-Historiker. 15 Jahre ist es her, da spazierte er am Klösterle vorbei, als davor gerade eine Gruppe von Vereinsmitgliedern darüber diskutierte, welche Heizung man wohl einbauen sollte. Blumhardt stieg in die Diskussion ein, bald auch in den Förderverein – und ist seit zehn Jahren dessen Vorsitzender. „Wenn man einmal den kleinen Finger gibt“, scherzt er.

Der Förderverein feiert 20. Geburtstag

1640, als Weil der Stadt eine katholische Insel im lutherischen Württemberg war, hatte man sich Kapuzinermönche in die Stadt geholt, um hier den katholischen Glauben zu stärken. Die Kapuziner, bürgernahe Bettelmönche, machten sich alsbald an die Krankenpflege, Seelsorge und Armenfürsorge, zunächst in einem kleinen Holzhaus, in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts dann im von ihnen erbauten Klösterle. 1910 wurde das Kloster aufgelöst. In den Jahren danach wurde es von Bauern genutzt, als Lagerfläche, Teppichfabrik und als Wohnraum – und verfiel langsam. Vor gut 20 Jahren erwarb die Stadt die ehemalige Kirche. Die nötigen Sanierungsarbeiten waren aufwendig und teuer – unter dem heutigen Ehrenvorsitzenden Manfred Bürklen gründete sich 2004 also der Förderverein Klösterle. Bei der Bevölkerung fand das großen Anklang. Bis zur Eröffnung des Klösterles im Jahr 2012 hatten die Ehrenamtlichen 250 000 Euro gesammelt.

Sanierung des Nordflügels wird 5,5 Millionen Euro kosten

Maßgeblich beigetragen zur Sanierung des alten Gemäuers hat der Verein in den Folgejahren. „Das ging los mit dem Kauf, da hat der Verein der Stadt schon etwas überwiesen“, erinnert sich Rolf Blumhardt. Den Ausbau des ehemaligen Krankenzimmers und der Bibliothek hat der Verein mitfinanziert, ebenso die Freifläche zwischen der Kapuzinerkirche und dem Nordflügel, dem ehemaligen Wohnhaus der Kapuziner. „Hier war alles verwildert, man hat den Nordflügel gar nicht gesehen“, erklärt Blumhardt. „Aber wir haben gesagt, wenn man den Nordflügel vermarkten will, dann muss man ihn sehen.“

Vermarktet werden, dass muss der Nordflügel bis heute. Die Stadt konnte zwar 2017 auch diesen Teil des alten Klosters erwerben, genehmigungsfähige Pläne eines Architekturbüros gibt es ebenfalls. Die Gelder für die Sanierung, geschätzte 5,5 Millionen Euro, konnte man aber bis heute nicht aufwenden, andere Projekte waren wichtiger. „Wir unterstützen und fordern die Sanierung des Nordflügels“, sagt Blumhardt klar. „Aber nicht zu Lasten anderer Projekte, die die Gemeinde braucht.“ Gute Nachrichten gab es im Frühjahr: Vom Bund wird die Sanierung mit 2,4 Millionen Euro gefördert. Jetzt sollen weitere Fördermöglichkeiten erörtert werden. Damit der Verein die Maßnahme auch weiterhin unterstützen kann, soll das Projekt wieder in die Köpfe der Menschen gebracht werden – etwa beim bald anstehenden Tag des offenen Denkmals. „Wir wollen die Weil der Städter motivieren“, sagt Blumhardt.

Im Nordflügel ist noch viel zu tun

Bei Führungen können die Besucher dann auch einen Blick in den unsanierten Nordflügel werfen – und damit aus erster Hand erfahren, wie viel Arbeit hier noch hineingesteckt werden muss. Von den alten Klostermauern ist kaum noch etwas zu sehen, weil der Nordflügel nach dem Auszug der Kapuziner auch als Wohnhaus genutzt wurde. Keine antiken Steine, sondern bunte 70er-Jahre-Tapeten zieren also die Wände. Unter den Dielen und hinter den Wänden blitzen hier und da alte Holzbalken und Mauern hervor.

Künftig soll eine große Glasfront den Blick auf die originalen Klostermauern freigeben. Im Refektorium, dem ehemaligen Speisesaal der Mönche, soll ein zweiter, multifunktionaler Großraum entstehen, wie er heute schon in der Klosterkirche genutzt wird. Viel Arbeit wurde in den vergangenen fünf Jahren in die Planungen gesteckt, berichtet Blumhardt, nicht nur in ein Nutzungskonzept, das der Verein aufgestellt hat. Der Verein sei auch in intensiver Abstimmung mit Stadt und Architekten gewesen. „Da ging es schon kräftig zur Sache“, sagt Blumhardt. Über die Zusammenarbeit findet er nur positive Worte. „Wir haben in der Verwaltung sehr gute Unterstützung.“

Am Ende geht es immer um die Menschen

Wichtig ist dem Förderverein bei den Sanierungsarbeiten besonders, das Kloster so gut wie möglich wieder auf seinen ursprünglichen Zustand zurückzuführen, trotz der intensiven Umnutzung der vergangenen Jahrzehnte. „Das Denkmalamt will eigentlich immer alle Phasen erhalten“, sagt Blumhardt. „Aber wir wollen zurück zum Kloster.“ Wie wichtig dem Verein die Verbindung zu den Kapuzinern ist, sieht man schon am fertigen Kirchenteil des Klösterles: An den Wänden wurde der originale Putz freigelegt, in den Bücherregalen schlummern Werke aus dem Jahr 1700.

Für den Vereinsvorsitzenden wären all diese Räume aber nicht so viel wert, ginge es nicht auch um die Menschen, die das Gemäuer beleben – oder belebt haben, wie es einst die Kapuziner taten. Nicht die Geschichte, nicht die Architektur, sondern vor allem die Nutzung des Gebäudes ist es, was ihn antreibt, auch nach 15 Jahren harter Arbeit. „Kunst, Kultur und Bildung“ soll in den Gemäuern stattfinden, der Nordflügel Erweiterung eines ohnehin schon gut funktionierenden Konzeptes werden. Bereits heute sind die sanierten Räume des Klösterles nahezu dauerbelegt: Vorträge, Hochzeiten oder die Konzerte der Veranstaltungsreihe „Klassik im Klösterle“ stehen auf der Tagesordnung. Gäbe es das Klösterle nicht, würde in der Kulturlandschaft der Keplerstadt ein Loch klaffen. „Die Leute würden hier in der Nähe nichts ähnliches finden.“

Tag der offenen Klostertür

Programm
Beim Tag des offenen Denkmals wird im Klösterle am Sonntag, 8. September, reichlich Programm geboten. Um 11.30 Uhr gibt der Musikverein Stadtkapelle ein Mittagskonzert. Ab 13.30 Uhr gestalten verschiedene Vereine und Künstler das Programm, unter Ihnen die Bürgergarde und die Chorvereinigung. Ab 18 Uhr geben die „Vintage Sisters“ ein Benefizkonzert.

Nordflügel
Am „Tag der offenen Klostertür“ wird es auch regelmäßige Führungen durch den Nordflügel geben. Um 14.40 Uhr berichtet Nikolai Ziegler vom AeDis Büro für Planung, Restaurierung und Denkmalpflege von den Planungen für den Nordflügel.