Julius Ekwueme (Mitte) nennt Gudrun Rohde (ebenfalls Mitte) Igbo-Frau. Bei ihrer jüngsten Reise haben sie vor Ort Matratzen gekauft und sie an Waisenkinder gegeben. Foto:  

Gudrun Rohde hat mit Pfarrer Julius Ekwueme den Förderverein Amanaogu gegründet. Weil die Kinder dort einen weiten Schulweg haben, wurde in Deutschland ein alter Bus gekauft und nach Afrika verschifft.

Dürrlewang - Gudrun Rohde hat ihr Herz an Afrika verloren. „Wenn man einmal in die Augen der Kinder geschaut hat, dann ist es um einen geschehen“, sagt die Dürrlewangerin. Angefangen hatte alles mit einer Reise nach Nigeria im vergangenen Frühling. Gemeinsam mit dem Pfarrer Julius Ekwueme und ihrem Ehemann Hartmut Rohde ist sie erstmals in das Dorf Amanaogu, die Heimat von Julius Ekwueme, gereist. Vor drei Jahren war Ekwueme nach Deutschland gekommen, um dort zu studieren und zu arbeiten. Während seiner Tätigkeit in dem Filder-Stadtteil Dürrlewang lernte er auch das Ehepaar Rohde kennen.

Die Rohdes kauften einen alten Bus für die Kinder

Schnell stand für die Rohdes fest, dass sie sich für die notleidenden Kinder und Jugendlichen in Nigeria einsetzen wollten. So folgte auf die erste Reise schnell eine zweite. „Im Juli bin ich mit Julius erneut nach Afrika geflogen“, erzählt Gudrun Rohde. Inmitten der 6000 Einheimischen wohnte sie im Dorf, nahm am Leben und Alltag der Menschen teil. Julius Ekwueme, der täglich mit der Heimat telefoniert, bezeichnet Gudrun Rohde seither als „Igbo-Frau, der lediglich die dunkle Hautfarbe fehlt“. Igbo ist die Stammessprache in Amanaogu. Weil die Kinder, die eine Schule besuchen dürfen, einen weiten Weg dorthin haben, kauften die Rohdes in Deutschland einen alten Bus, den sie verschiffen ließen. „Ich bin bei Verwandten, Bekannten und Freunden betteln gegangen, damit sie unser Vorhaben unterstützen und die Verschiffung mit ermöglichen“, erzählt Gudrun Rohde.

Offizielle Gründung des Fördervereins im Mai

Vier Wochen war das alte Gefährt auf Reisen – bis oben hin vollgepackt mit Kleidung, Spielsachen und anderen Sachspenden. Im Januar dieses Jahres hat Ekwueme den Bus in Amanaogu in Empfang genommen. Handwerker und Mechaniker vor Ort machten das Gefährt wieder fit, tauschten die Bremsen aus und lackierten die Karosserie neu. „In Deutschland wäre der Bus nur für neun Personen zugelassen, in Nigeria fahren 20 bis 30 Leute damit“, sagt Gudrun Rohde.

Im Mai dieses Jahres folgte schließlich die offizielle Gründung des Fördervereins. „Nun können wir auch Spendenbescheinigungen ausstellen“, sagt Gudrun Rohde, die die Vorsitzende des Vereins ist. Ihr offizieller Stellvertreter ist Julius Ekwueme. Gudrun Rohdes Mann, der noch berufstätig ist und sein eigenes Unternehmen hat, hält sich in der Vereinsarbeit im Hintergrund.

Kinder- und Jugendzentrum soll gebaut werden

„Er stärkt mir jedoch den Rücken“, sagt Gudrun Rohde, die vor wenigen Wochen mit Julius Ekwueme wieder einmal in Amanaogu war. „Bei diesem Besuch ist der Bus auch offiziell seiner Bestimmung übergeben worden“, erzählt Gudrun Rohde. Außerdem haben die Vorsitzenden in den vergangenen Monaten erste Patenkinder vermittelt. Durch Spenden können sie nun ein Jahr lang die Schule besuchen, erhalten Schulkleidung und Schulbücher. Und: Sie haben seit September Matratzen, auf denen sie schlafen können. „Die Kinder, die wir als Patenkinder vermittelt haben, sind Waisenkinder, die bei Nachbarn oder Verwandten schlafen“, sagt Rohde. Dort müssen sie jedoch auf dem harten Boden schlafen. „Das haben wir als menschenunwürdig empfunden“, sagt Ekwueme.

Langfristig hat sich der Verein ein großes Ziel gesetzt. Es soll ein Kinder- und Jugendzentrum mit einer Ausbildungsstätte gebaut werden, in dem die Jugendlichen handwerkliche Tätigkeiten erlernen. „So dass sie die Möglichkeit erhalten, sich selbst versorgen zu können“, sagt Ekwueme. Für das Zentrum hat er bereits ein Grundstück gefunden. „Nun müssen wir das Geld zusammenbekommen“, sagt der Pfarrer und ergänzt: „Dafür suchen wir nun Sponsoren.“

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