Die staatliche 900-Euro-Förderung für private Wallboxen lässt die Nachfrage explodieren und die Preise steigen. Hersteller kommen mit der Produktion kaum hinterher.
Berlin - Der attraktive 900-Euro-Zuschuss für die eigene E-Auto-Ladestation hat eine Flut von Anträgen bei der staatlichen Förderbank KfW ausgelöst. Zudem werden die Produzenten von Wallboxen und der Handel vom plötzlichen Nachfrageboom überrascht. Geförderte Modelle sind auf Monate hinaus ausverkauft, zudem steigen die Preise. Wer zum Beispiel beim renommierten fränkischen Hersteller ABL in Lauf nach Lieferzeiten für die im ADAC-Test ausgezeichnete Wallbox eMH1 fragt, erfährt, dass man aktuell bereits 14 Wochen auf das Produkt warten muss. Das bedeutet, dass E-Auto-Besitzer vor Anfang März 2021 keine Installation daheim realisieren können und bis dahin ihr Elektrofahrzeug weiterhin außerhalb an öffentlichen Stationen aufladen müssen.
Die Produktion könne nicht so schnell hochgefahren werden
Solch einen Ansturm habe man noch nicht erlebt, heißt es in der Industrie. Man werde seit dem Start der Förderung am 24. November mit Bestellungen geradezu überschwemmt. Die Produktion könne nicht so schnell hochgefahren werden, zumal man erst recht kurzfristig von dem staatlichen Zuschussprogramm erfahren habe.
Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte bisher vor allem auf den Ausbau öffentlicher Stromtankstellen gesetzt. Erst vor einigen Monaten brachte sein Ministerium erstmals auch Zuschüsse für Eigenheim-, Wohnungsbesitzer und Mieter auf den Weg, da E-Autos am bequemsten zu Hause geladen werden können.
Insgesamt stehen 200 Millionen Euro Fördersumme bereit
Voraussetzung für den KfW-Zuschuss von bis zu 900 Euro ist aber, dass das Vorhaben erst nach dem Antrag begonnen wird. Deshalb warteten viele Interessenten den Start des Förderprogramms ab. Anträge können nur online gestellt werden. Der Andrang bei der KfW war am ersten Tag so groß, dass die Computersysteme den ganzen Tag völlig überlastet waren und viele Bewerber nicht durchkamen. Die Bank entschuldigte sich für die Probleme.
Insgesamt stehen 200 Millionen Euro Fördersumme für private Ladestationen bereit. Bei Elektro-Installateuren und im Handel heißt es, dass nicht wenige Eigenheim- und Wohnungsbesitzer auf Vorrat eine Box bestellen, um die Zuschüsse zu bekommen, obwohl sie überhaupt noch kein E-Auto fahren. Günstigere Wallboxen aus der KfW-Förderliste kosten meist ab 800 Euro aufwärts, Kosten für den Anschluss kommen hinzu.
Die Anlage muss der Netzbetreiber steuern können
Wer keine aufwendige Installation braucht, weil die Leitungen schon in der Garage liegen, muss für die eigene Ladestation nur wenig eigenes Geld investieren. Bedingung für den Zuschuss ist, dass die Leistung auf elf Kilowatt begrenzt und die Anlage vom Netzbetreiber steuerbar ist. Damit soll verhindert werden, dass Stromnetze überlastet werden, wenn zu viele E-Autos gleichzeitig an den Ladestationen hängen.
Der Schnellschuss von Minister Scheuer treibt nicht nur die Lieferzeiten, sondern auch die Preise hoch. Händler bieten beliebte Testsieger von ABL oder den Heidelberger Druckmaschinen aus der KfW-Förderliste nicht selten für mehr als 1000 Euro an. Bei Amazon oder Ebay werden meist ähnliche Summen aufgerufen. Einfachere Modelle ohne Lastenmanagement sind deutlich günstiger – dafür gibt es aber keine Förderung.