So kann man’s auch machen: Die Stadt Filderstadt hat voriges Jahr zwei Balkonkraftwerke verlost. Foto: Caroline Holowiecki

Beim Thema Förderung von Balkonkraftwerken sehen die Landesgrünen die Kommunen in der Pflicht, und etliche Städte wie Stuttgart, Ludwigsburg und Ulm fördern sie auch. Jetzt haben auch die Sindelfinger Grünen einen Antrag auf Förderung gestellt.

Gerade wurde er in die politische Diskussion eingebracht, der Antrag der Sindelfinger Grünen, die Stadt möge die Anschaffung von Balkonkraftwerken bezuschussen: Dieser Antrag, gestellt vor wenigen Wochen im Plenum, wurde damals in die zuständigen Ausschüsse verwiesen. Würde der Sindelfinger Gemeinderat dem zustimmen, dann könnten sich die Sindelfinger über 200 Euro Zuschuss pro Balkonkraftwerk freuen.

 

Insider geben dem Antrag aber wenig Chancen. Nicht, weil die Idee schlecht ist, sondern seltsamerweise weil sie zu gut ist. Denn, so sagt Thomas Kleiser, der Leiter der Stabsstelle Klima-​ und Umweltschutz im benachbarten Herrenberg: Je nachdem, wie man sie anschlösse, hätten sich die Paneele in fünf bis zehn Jahren amortisiert, und würden damit ihren Beitrag zur Entlastung des Familien-Einkommens liefern.

Die Nachfrage hat sich verdoppelt

So paradox es klingt – gerade weil sich Balkonkraftwerke relativ rasch amortisierten, bräuchten sie auch keine Förderung, denn viele Politiker gehen davon aus, dass sie sich von selbst durchsetzen. Nach verschiedenen Studien sind in Deutschland bereits mehr als 190 000 solcher Geräte im Einsatz. Allein von 2020 bis 2021 habe sich die Nachfrage fast verdoppelt.

Natürlich gibt es Einzelfälle, bei denen die Installation nicht ganz so reibungslos verläuft. Eine Eigentümergemeinschaft in Konstanz beispielsweise hatte den Einbau von Kraftwerken abgelehnt, worauf der Betreiber vor den Kadi zog. Ein Ehepaar aus Heimerdingen bei Ditzingen fühlte sich durch zu vielen Bürokram und technische Schwierigkeiten beim Einbau ausgebremst.

Vier Info-Veranstaltungen

Auch in Herrenberg liegt ein Antrag auf Förderung in der Schublade der Stabsstelle, berichtet Thomas Kleiser. Da wird er auch vorerst liegen bleiben, weil die Stabsstelle zunächst auf die Aufklärung der Bürger setzt. Bereits vier Informationsveranstaltungen zum Thema hat die Stabsstelle veranstaltet, zu denen rund 600 Bürger gekommen sind. Ein weiterer Informationsabend ist für den Mai geplant, der genaue Termin steht jedoch noch nicht fest.

Praktisch keine Zahlen gibt es, wieviel Potenzial an Energieeinsparung die Balkonkraftwerke bieten. Thomas Kleiser meint jedoch, wo immer es sich lohne, sollte man auch ein Kraftwerk einbauen. Ein kleines nicht ganz von Ungenauigkeiten freies Gedankenspiel dazu gibt ihm recht. Würden die rund 40 Millionen Haushalte in Deutschland je ein solches Kraftwerk mit 600 Kilowattstunden Ertrag jährlich installieren, dann kämen ebenso jährlich rund 24 Terawattstunden zusammen, also rund fünf Prozent des deutschen Stromverbrauchs.

Angesichts dieser gigantischen Menge wirbt die Sindelfinger Grünen-Sprecherin Sabine Kober noch einmal für ihren Antrag. „Es gibt Leute, die haben eben nicht das Geld, um sich ein Kraftwerk zu beschaffen, und sind auf die Förderung angewiesen.“ Ihren Gedanken sind bereits viele Städte gefolgt.

Nach Auskunft von Mareike Schiffko, der Pressesprecherin des Umweltministeriums zählen Stuttgart, Freiburg, Kornwestheim, Ludwigsburg, Lörrach, Schwaikheim und Weinheim etwa zu den Kommunen, die fördern. Meist belaufe sich die Zuschusshöhe auf 200 Euro pro Anlage.

Etwas Besonderes hatte sich die Stadt Filderstadt ausgedacht: Sie verloste einfach zwei Balkonanlagen, um für die Geräte zu werben. Mittlerweile bezuschusst auch sie die Anlagen. Die Landesregierung flankiert dieses kommunale Engagement unter anderem, indem sie sich bei der Bundesregierung für Vereinfachungen einsetzt, als da wären: Eine einfachere Anmeldung der Anlage bis zu einer Bagatellgrenze von 800 Watt, den Anschluss an jeden Zählertyp und die Duldung des Schukosteckers für die Einspeisung. Würde das umgesetzt, wäre zumindest das Heimerdinger Ehepaar seine Sorgen los.

Die grüne Landtagsfraktion begrüßt indessen, dass viele Bürgerinnen und Bürger „die Energiewende jetzt selbst in die Hand nehmen“, sagt Lucia Kemle, Pressesprecherin der Landtagsgrünen, und dass sie dafür Rückenwind von den Kommunen bekämen. Vielleicht ja schon bald auch in Sindelfingen.

Wer eine Anlage plant, bekommt von vielen Seiten eine Unterstützung

Herrenberg
 Die Stabsstelle für Klima- und Umweltschutz versteht sich als Dienstleister für den Bürger Die Mitarbeiter von Thomas Kleiser helfen dabei, Förderungen zur Nutzung erneuerbarer Energien zu beantragen, Fotovoltaikanlagen bei der Bundesnetzagentur zu melden, die Mitarbeiter geben auch wichtige Informationen darüber, wie man Förderdarlehen für erneuerbare Energien bekommt.

Homepages
 Das Umweltministerium empfiehlt Homepage der Verbraucherzentrale, die im Netz zu finden ist unter: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/erneuerbare-energien/steckersolar-solarstrom-vom-balkon-direkt-in-die-steckdose-44715. Diese Homepage enthält einen Link zu einem Simulationsprogramm für Erträge: https://solar.htw-berlin.de/rechner/stecker-solar-simulator.  Weitere Informationen hat auch die Energieagentur Böblingen https://www.ea-bb.de/haushalte/energie_sparen/photovoltaik/__Photovoltaik.html.