Die landeseigene Förderbank braucht einen neuen Chef. Foto: dpa

Weil L-Bank-Chef Axel Nawrath noch dieses Jahr in den Ruhestand geht, braucht die Förderbank einen Nachfolger. Finanzministerin Edith Sitzmann (Grüne) käme eine Frau gelegen.

Stuttgart - Bei der Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin an der Spitze der L-Bank hat sich das Land Zeit verschafft. Der Verwaltungsrat der landeseigenen Förderbank, dem Finanzministerin Edith Sitzmann (Grüne) vorsitzt, hat, wie jetzt bekannt wurde, im November entschieden, den im Sommer auslaufenden Vertrag von L-Bank-Chef Axel Nawrath um ein halbes Jahr zu verlängern. Das teilte das Finanzministerium auf Anfrage mit. Der gebürtige Hannoveraner Nawrath wird Ende Februar 65. Geplant war die Verlängerung nach Auslaufen seines 5-Jahres-Vertrages nicht. „Aber als mich unsere Verwaltungsratsvorsitzende gebeten hat, bis Ende des Jahres weiterzumachen, bin ich dieser Bitte gerne und selbstverständlich nachgekommen“, sagte Nawrath unserer Zeitung.

Das Finanzministerium begründet die Vertragsverlängerung damit, dass sich der Verwaltungsrat der L-Bank Ende November turnusmäßig neu konstituiert hat und dabei drei neue Mitglieder in das Kontrollgremium eingezogen sind, darunter der Chef der Staatskanzlei Florian Stegmann. Der neue Verwaltungsrat sollte die Vorstandssuche von Anfang an begleiten können. Wie es heißt, sei die Suche, die über ein Personalberatungsunternehmen laufen soll, noch in einem frühen Stadium.

Ein vierköpfiger Vorstand

Bei der Besetzung der Spitzenposition der landeseigenen Förderbank hat in der Vergangenheit neben der fachlichen Qualifikation auch eine parteipolitische Nähe zur Landesregierung nicht geschadet. Nawrath, selbst SPD-Mitglied, war seinerzeit Favorit des damaligen SPD-Finanz- und Wirtschaftsministers Nils Schmid. Dass nun ein SPD-Mann von einer grün-schwarzen Regierung eine Vertragsverlängerung angeboten bekomme, gefällt dem Vernehmen nach nicht jedem in der CDU.

Wie es am Finanzplatz heißt, würde Finanzministerin Sitzmann den Chefposten gern mit einer Frau besetzen. Der vierköpfige L-Bank-Vorstand bestünde dann aus zwei Frauen und zwei Männern, mit einer Frau an der Spitze. Die Suche nach einer Vorstandsvorsitzenden dürfte sich jedoch schwierig gestalten. Ein Grund mag sein, dass es nur wenige Frauen gibt, die die von der Aufsicht geforderte Qualifikation mitbringen, ein Institut von der Größe der L-Bank mit rund 70 Milliarden Bilanzsumme zu führen. Zum anderen, so ist in der Branche zu hören, hätten solche Spitzenfrauen dementsprechend hohe Gehaltsforderungen. Die L-Bank zahle zwar ordentlich, aber keine Gehälter wie am Frankfurter Bankenplatz. Bisher hat keine der 19 Förderbanken in Bund und Ländern eine Vorstandsvorsitzende.

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