Das Flutlicht war zwei Monate defekt, Löcher auf dem Spielfeld ärgern schon lange. Der Fußballverein in Oberstenfeld (Kreis Ludwigsburg) fordert mehr Unterstützung.
Beim ursprünglich rein türkischen Fußballverein in Oberstenfeld hat sich über Monate hinweg Frust angestaut. „Wir haben zwei Monate fast im Dunkeln trainiert“, sagt Engin Altun, der Vorsitzende des Clubs. Erst seit ein paar Tagen sei er wieder genügend ausgeleuchtet.
Hohe Bäume schluckten einen Großteil des ohnehin schwachen Lichts – sie seien nicht beschnitten worden. „So kann man keine vernünftige Vereinsarbeit machen“, sagt Altun. Seit dem Sommer habe er der Gemeindeverwaltung die Missstände gemeldet – passiert sei jedoch lange Zeit nichts. Das habe ihn frustriert.
Zu wünschen übrig lässt vor allem auch der miserable Zustand des Rasenplatzes. Gegnerische Mannschaften weigerten sich, in Oberstenfeld anzutreten, und müssten laut Altun regelmäßig erst vom Schiedsrichter überredet werden. Sicherheit sei unter diesen Bedingungen nicht gewährleistet: „Die Verletzungsgefahr ist groß.“ Für den Vorsitzenden ist das seit Jahren gärende Problem ein Anzeichen dafür, dass der Verein von der Gemeinde nicht ernst genommen werde.
Ein Kunstrasenplatz bleibt ein Wunsch
Fehlendes Geld ist für den FV-Vorsitzenden Altun nur bedingt ein Argument. Er schaut auf die Nachbarorte, in denen Kunstrasenplätze längst Standard sind. „Die Gemeinde muss für uns jedes Jahr Geld ausgeben, um den Rasen zu pflegen, der dann schnell wieder kaputtgeht. Warum nicht einmal investieren, damit man langfristig spart?“ Rund 500.000 Euro würde ein Kunstrasen kosten, schätzt er. Die jährlichen Ausgaben für die Platzpflege könnten damit sinken.
Auch an anderer Stelle sieht sich der Club ausgebremst. Ein kleines Vereinsheim, das der Club in sparsamer Bauweise selbst finanzieren möchte, liegt seit Jahren auf Eis. Zwischen 60.000 und 80.000 Euro hat der Verein angespart, die Pläne liegen in der Schublade bereit. „Wir brauchen nur den Anschluss an die Leitungen der nahegelegenen Sporthalle“, sagt Altun. Aus dem Rathaus habe der Verein vor Jahren ein positives Zeichen erhalten, zu einem Durchbruch sei es aber noch nicht gekommen.
Ein weiteres Ärgernis: Die Mannschaft muss sich bislang in der Sporthalle umziehen – jedoch kann sie das nur, wenn sie einen Schlüssel vom Hausmeister bekommt. „Wir wollen unabhängig sein, gerade für die Jugendarbeit ist das enorm wichtig. Sie sollte ja auch in den Ferien stattfinden können.“ Das ist laut Altun nur mit einem eigenen Vereinsheim möglich.
Vor allem die geplante Jugendarbeit in dem Fußballverein mit türkischen Wurzeln liegt Engin Altun am Herzen. Der Bedarf in Oberstenfeld sei groß, viele Kinder und Jugendliche suchten feste Strukturen und sportliche Angebote. „Vereine holen junge Menschen von der Straße. Wir wollen ein Ort sein, an dem sie Halt finden.“ Im Verein gebe es bereits mehrere Ehrenamtliche, die bereitstünden, Projekte zu starten – wären die Bedingungen nicht so schwierig.
Der Verein leistet viel für die Integration
Der Vereinschef hofft, dass sich die Situation bald ändert. „Wir wollen einfach nur gute Bedingungen, um unseren Beitrag zu einer lebendigen Gemeinde zu leisten“, sagt Altun. Lange Zeit fristete König Fußball in der Handball-Hochburg Oberstenfeld ein Schattendasein. Der Fußballverein leiste aber seit Jahren viel für die Integration und das Verständnis von Einheimischen und Zugezogenen aus anderen Kulturen. „Zu unseren Fußballspielen kommen regelmäßig 150 Zuschauer.“
Der neu gewählte Bürgermeister Kai Kraning kennt die Probleme rund um den Fußballverein und findet viele Wünsche nachvollziehbar. Dass es mit dem Flutlicht so lange gedauert habe, begründet er damit, dass die Gemeinde einen Steiger mieten musste und dies aus Kostengründen mit der Montage der Weihnachtsbeleuchtung und dem Aufstellen des Weihnachtsbaums sowie der Rückschnitte am Sportplatz gebündelt habe.
Der Bürgermeister will gemeinsam nach „realistischen“ Lösungen suchen
Zum Thema Vereinsheim hat Kraning schon als Bauamtsleiter feststellen müssen: Das Baurecht erlaube nicht, ein weiteres Gebäude auf dem Gelände aufzustellen. Und der marode Rasenplatz? „Den Zustand des Platzes kennen wir gut – unsere Mitarbeitenden tun, was aktuell möglich ist“, sagt der Bürgermeister. Dazu zählten regelmäßiges Mähen und Pflegen, um den Platz in einem nutzbaren Zustand zu halten.
Einen Kunstrasenplatz anzulegen, wäre aus sportlicher Sicht sicherlich sinnvoll, sei aber aufgrund der finanziellen Lage derzeit nicht darstellbar, bedauert Kai Kraning. Solche Grenzen seien schon miteinander besprochen worden: „Unser Ziel ist es, in einem offenen und konstruktiven Austausch mit dem Verein zu bleiben, um gemeinsam realistische, rechtskonforme und finanziell tragbare Lösungen zu entwickeln.“
Apropos Lösungen: Beim Baumschnitt und der Reparatur des Flutlichts hat das Miteinander nun ja nach einigen Anlaufschwierigkeiten geklappt. Vielleicht gelingen Engin Altun und Kai Kraning weitere kleine Erfolgserlebnisse. Das wäre dem Verein und der Gemeinde zu wünschen.