Die Flutwelle vor einem Jahr hat die Rudersberger schwer getroffen, ihr geliebtes Zuhause wurde unbewohnbar. Doch die fünfköpfige Familie wagt den Neuanfang und kehrt zurück.
Es war keine leichte Entscheidung. Sie haben auch immer noch ein wenig Bauchweh, wenn sie darüber nachdenken, aber der Entschluss der fünfköpfigen Familie Kpanaki steht nach vielen Gesprächen, Gedanken und Zweifeln nun fest: Michaela Kpanaki und ihr Mann Moses werden mit den drei Kindern wieder zurückkehren in ihr geliebtes altes Zuhause in Rudersberg – dorthin also, wo die schreckliche Flut im Juni vergangenen Jahres so ziemlich alles zerstört hat und nicht viel mehr übrig ließ als Schlamm, Dreck und ein Haus, das komplett ruiniert und nicht mehr bewohnbar war.
Michaela Kpanaki hat die Bilder im Kopf, als wäre es gestern gewesen: Spielsachen, im Keller Gelagertes, die Küche, Wohn- und Esszimmereinrichtung, Fotos, Dokumente, Bücher – alles wurde entweder weggespült oder von Schlamm und Wasser unwiederbringlich zerstört. Und sie stand mit dem Jüngsten in der Bauchtrage mittendrin und konnte nichts tun, als ohnmächtig zuzuschauen. Ein Jahr später sagt sie: „Es war schrecklich, und an Regentagen hab ich immer noch sofort ein komisches Gefühl und Angst, aber wir hoffen und beten, dass sich so was nicht noch mal in diesem dramatischen Ausmaß wiederholt“, sagt Michaela Kpanaki.
Nach Flutkatastrophe in Rudersberg: Freude überwiegt Sorgen
Sie freut sich trotz aller Sorgen jetzt einfach nur darauf, mit ihrem Mann und den drei Jungs wieder in die Doppelhaushälfte in Rudersberg zurückzukehren und endlich wieder daheim zu sein. „Wir haben uns in der Vierzimmerwohnung, in der wir untergekommen sind, natürlich arrangiert. Aber es ist einfach nicht das Gleiche. Wir vermissen den Platz, Oma und Opa nebenan, die Nachbarn und unseren Garten mit Trampolin und Gemüsebeet, deshalb lohnt es sich, den Schritt jetzt doch zu wagen.“
Ob sie wieder Gemüse anbauen wird, da ist sich die 34-Jährige angesichts all des Schlamms, der zurückblieb, nicht sicher. „Gesundheitsfördernd war der Matsch bestimmt nicht. Doch es gibt ja auch Hochbeete. Und gegen eine größere Rasenfläche zum Spielen hätte ich auch nichts. Irgendeine Lösung findet sich immer“, sagt Michaela Kpanaki und spricht damit das aus, was sie seit dem schrecklichen Tag im Juni mit einer bemerkenswerten Kraft ausstrahlt: Zuversicht und Optimismus. „Es ist schon krass, aber im Grunde genommen sind es ja nur Sachen, die man ersetzen kann. Das Wichtigste ist, dass niemandem was passiert ist.“
Gewitter führen zur Unwetter-Katastrophe in Rudersberg
So hat es die dreifache Mutter kurze Zeit nach dem Hochwasser formuliert, als ihnen nicht viel mehr geblieben war als die Kleider am Leibe und die Dinge, die sie auf dem Dachboden gelagert hatten. Fast alles ging an diesem Sonntag verloren. Dabei hatte der Tag so gut angefangen. Michaela Kpanaki weiß es noch ganz genau. Der alles bestimmende Dauerregen hatte endlich eine kleine Pause gemacht, die Sonne kam durch, und fast ganz Rudersberg war auf den Beinen, um durchzuatmen. Doch in der Nacht änderte sich die Lage dramatisch, und das Zuhause der Familie Kpanaki wurde von den Wassermassen voll getroffen. „Bei uns stand innerhalb von Minuten der gesamte untere Stock unter Wasser“, sagt Michaela Kpanaki.
Doch auch wenn bei der Familie – seit der Dauerregen kombiniert mit schwerem Gewitter in der Nacht vom 2. auf den 3. Juni 2024 zu einer verheerenden Unwetter-Katastrophe geführt hat – nie wirklich Ruhe eingekehrt ist, das positive Denken hat sich die 34-Jährige bewahrt. Das falle ihr nicht immer leicht, aber im Grunde sei es ja oft vor allem eine Einstellungssache, ob man etwas als Krise betrachte. „Ich freue mich gerade über die vielen Fortschritte pünktlich zum ersten Jahrestag. Das Wiesel rollt wieder, und auch unser Drogeriemarkt hat endlich Wiedereröffnung gefeiert. Den haben besonders wir Familien mit Kindern schmerzlich vermisst“, sagt Michaela Kpanaki.“
Das positive Denken musste sie sich trotzdem wohl öfter ins Gedächtnis rufen, denn die Kommunikation mit den Versicherungen und Handwerkern verlief zäh, und erst jetzt haben sie und ihr Mann Moses das Gefühl, dass es vorangeht. „Die Wände sind zum Teil schon verputzt, und auch am Boden hat sich schon was getan. Es sieht nicht mehr komplett aus wie ein Rohbau“, sagt die 34-Jährige und hofft darauf, dass die Zusagen sich bewahrheiten werden und sie Weihnachten wieder daheim sind.
Familie Kpanaki ist nach Hochwasser-Katastrophe nicht traumatisiert
„Wir haben trotz aller Zuversicht viel hinter uns. Mein Mann, der als Fotograf in Schulen und Kindergärten arbeitet, hat auch noch seinen Job verloren“, sagt Michaela Kpanaki und versucht, auch darin etwas Gutes zu sehen. „Wir genießen es, mehr vom Papa zu haben und hoffen, dass er bald wieder etwas findet und Normalität bei uns einkehrt.“
Darauf freuen sich auch ihre drei Jungs im Alter von acht, sechs und eineinhalb Jahren. „Bei ihnen ist es nicht dramatisch, und sie haben kein Trauma, aber sie sind oft genervt und wollen ihr altes Umfeld zurück“, sagt Michaela Kpanaki und fügt hinzu, dass die spezielle Situation auch in der Schule immer noch stark zu spüren sei. „Die Grundschule in Schlechtbach war so sehr betroffen, dass alle Schüler zu uns in die Grundschule wechseln mussten. Das merkt man den Kindern an, dass es da teils hektisch zugeht mit so viel mehr Schülern. Aber irgendwann wird alles wieder soweit saniert sein, dass sie zurück können“, sagt die 34-Jährige und zeigt einmal mehr ihr Naturell, die Dinge von ihrer positiven Seite zu betrachten.
„Im Großen und Ganzen ist schon alles okay, so wie es gerade ist. Wir freuen uns jetzt erst mal auf den Urlaub mit meiner Schwester und ihrer Familie, und dann sehen wir weiter. Schritt für Schritt.“