Seit der Reform des Wohngeldes wird die Stadt von Anträgen überrollt. Zusätzliches Personal ist zwar da, muss aber noch eingearbeitet werden. Bis zur Entscheidung dauert es daher wesentlich länger als gewohnt.
Die Reform des Wohngelds zum Jahresbeginn 2023 stellt die Stadt Stuttgart noch immer vor große Herausforderungen. Weil sich die Zahl der Anträge stark erhöht hat, zusätzliche Mitarbeiter aber noch eingelernt werden müssen, dauert die Bearbeitung doppelt so lange wie früher. Erst im zweiten Halbjahr 2024 sollen sich die Wartezeiten wieder normalisieren.
Das Rathaus rät Betroffenen derweil, Anträge möglichst vollständig und bei „Weiterleistung“ möglichst früh zu stellen. Von Beschwerden über eine schleppende Bearbeitung, die an unsere Zeitung herangetragen wurden, sei aktuell indes nichts bekannt.
Mit der Reform zum „Wohngeld plus“ haben auch in Stuttgart deutlich mehr Haushalte Anspruch auf den staatlichen Zuschuss zu den Wohnkosten; auch dessen Höhe ist gestiegen. Laut einem Rathaussprecher wurde mit Blick darauf bereits 2022 eine „Taskforce Wohngeld“ eingerichtet. Der Gemeinderat habe der Verwaltung zusätzliche 40 Vollzeitstellen für die Sachbearbeitung und einen neu geschaffenen Eingangs- und Unterstützungsbereich bewilligt. Der Großteil der neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei nach und nach eingestellt worden. Sie befänden sich aber „meist noch in der Einarbeitungsphase, denn die Thematik ist komplex“, so der Sprecher.
Zahl der Anträge steigt um die Hälfte
Zugleich hat die Zahl der Wohngeld-Anträge stark zugenommen. Waren es im ersten Halbjahr 2022 in der Landeshauptstadt noch 5902 und im Gesamtjahr fast 12 000 Fälle, kamen in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres bereits 8743 – eine Zunahme um fast 50 Prozent. Die Folge für die Bearbeitungszeiten bei den zwölf zuständigen Dienststellen: Bisher wurde nach Vorliegen aller Unterlagen innerhalb von vier bis sechs Wochen entschieden. Nun dauere es zwei bis drei Monate. Erst im zweiten Halbjahr 2024 werde man voraussichtlich wieder die früheren Zeiten erreichen, sagte der Sprecher.
Was können Betroffene tun, um möglichst schnell an ihr Wohngeld zu kommen? Erstantragstellern empfiehlt die Stadt, den Antrag vollständig ausgefüllt und mit den Nachweisen einzureichen; dies sei auch digital möglich. Änderungen der persönlichen oder finanziellen Verhältnisse, die sich danach ergäben, sollten zeitnah gemeldet werden; dies beschleunige die Bearbeitung.
Lücke bei den Zahlungen vermeiden
Folgeanträge auf „Weiterleistung“ sollten nicht erst dann gestellt werden, wenn der bisherige Bewilligungszeitraum auslaufe. Dies sei häufig der Fall, so der Sprecher. Dadurch ergebe sich eine Lücke bei den Zahlungen, unabhängig von der Bearbeitungszeit. Zwei Monate vor Ablauf der Bewilligung verschicke die Wohngeldbehörde daher ein Erinnerungsschreiben – ein Service, den es nur in wenigen Großstädten gebe. In Fällen, wo der Verlust des Wohnraums drohe, würden Anträge bevorzugt bearbeitet. Dann werde eine Vorauszahlung oder eine vorläufige Zahlung geprüft. Allerdings decke das Wohngeld ohnehin nur einen Teil der Wohnraumkosten ab.
Weitere Informationen findet man unter www.stuttgart.de/wohngeld.