Die Stadträte Karl Scheib (links) und Jörg Bauer in der Murr Foto: Layher

Die Stadt Backnang will einen Ort für das Flussschwimmen ausweisen – wenn die Wasserqualität der Murr okay ist. Grundsätzlich verboten ist das Baden und Schwimmen in Flüssen ohnehin nicht, aber die Gesundheitsämter warnen.

Backnang - Er wolle „kein Langweiler und Spielverderber“ sein, das hat der Backnanger Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) am Donnerstagabend im Gemeinderat mit Blick auf eine mögliche Badestelle in der Murr erklärt. Der Erste Bürgermeister der Stadt Backnang, Siegfried Janocha, hatte das Projekt Fluss-Badstelle zuvor hingegen bereits quasi beerdigt. Im Gespräch mit der „Backnanger Kreiszeitung“ hatte der zweite Mann im Rathaus gesagt, Backnang wolle „der Empfehlung des Landesgesundheitsamts folgend von dem Anlegen einer Badestelle in der Murr absehen“. Vollzieht nun sein Chef eine Kehrtwende?

Die Flüsse im Land seien grundsätzlich nicht geeignet fürs Schwimmen und Baden, so Nopper jetzt im Kommunalparlament, doch es könnte eine Ausnahme gemacht werden – falls bei einer Analyse der Wasserqualität keine gefährlichen Stoffe gefunden würden. Es gelte, die Ergebnisse dieser Untersuchung des Murr-Wassers abzuwarten. In Frage kämen womöglich die Etzwiesen am Stadtrand, dort gibt es eine Wiese am Murrufer, auf der sich die Badegäste aufhalten könnten.

Murr-Badestelle bei den Etzwiesen?

Siegfried Janocha erklärt am Tag nach der Gemeinderatssitzung auf Anfrage, dass möglichst bald geprüft werden solle, ob die Wasserqualität der Murr gut genug ist. Nun sagt er auch, die Idee des Stadtrats Karl Scheib (Bürgerforum) sei „charmant“. Dieser hatte kürzlich beantragt, dass die Stadtverwaltung das Murrufer beim Freibad für Flussschwimmer zugänglich machen sollte.

Daraus wird allerdings mit Sicherheit nichts. Janocha erklärte im Kommunalparlament, dass es sich bei dem Areal um ein sogenanntes Flora-Fauna-Habitat (FFH) handele, das unter Schutz stehe. Bauliche Veränderungen, etwa eine Treppe, die ins Wasser führt, wäre keinesfalls „genehmigungsfähig“. Auch wenn die Gesundheitsämter vor dem Schwimmen und Baden in den Flüssen wegen möglicher mikrobiologischer Verunreinigungen warnten, bestehe kein striktes Badeverbot. Denn es gelte der sogenannte Gemeingebrauch, wer allerdings in die Murr steige, der tue das grundsätzlich auf eigene Gefahr. Janocha sagte, die Gesundheitsämter in Baden-Württemberg warnten vor den Abwässern, die aus den Kläranlagen in die Flüsse geleitet werden. Am Tag nach der Sitzung erzählt Janocha am Telefon indes auch, dass er als Jugendlicher in den 1970er-Jahren oft in der Jagst gebadet habe, obgleich die Flüsse damals dreckiger waren als heute, „ich hatte nie gesundheitliche Probleme“.

Grüne: Rückzugsräume für Tiere am Ufer keinesfalls antasten

Der Grünen-Stadtrat Willy Härtner sagte im Gemeinderat, dass die Rückzugsräume für Tiere am Murrufer keinesfalls angetastet werden dürften. Der Antragsteller Scheib erklärte erfreut: „Super, es geht weiter.“ Er habe kürzlich einen Ausflug in die Murr zusammen mit seinem Fraktionskollegen Jörg Bauer ohne Blessuren überlebt. Flüsse wie die Murr seien in diesem Corona-Sommer mit abgesperrten Seen und zugangsbeschränkten Freibädern tolle Alternativen für Schwimmer. Nopper bekräftigte nochmals: „Wir finden eine Badestelle, und wir machen das gerne – aber die Wasserqualität muss stimmen.“

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