Ein Helikopter fliegt in Seyne Les Alpes, Frankreich, auf den Sportflughafen zu. Die Bergungsarbeiten an der Absturzstelle der Germanwings-Maschine dauern an Foto: dpa

Der Flugplan von Germanwings sieht nach der Katastrophe in Frankreich wieder nahezu normal aus.

Stuttgart - Bei Germanwings haben manche Beschäftigte Freunde verloren. „Unfit to fly“ – flugunfähig – meldeten sie sich am Mittwoch. „Wir sind eine kleine Familie, jeder kennt jeden“, sagte Germanwings-Chef Thomas Winkelmann. Nach einem solchen Unglück stellt sich natürlich jeder Pilot die Frage: „Kann mir das auch passieren?“

Nachdem am Dienstag zahlreiche Germanwings-Flüge ausgefallen waren, weil die Crews ihren Dienst nicht angetreten hatten, sah der Flugplan der Gesellschaft am Mittwoch wieder nahezu normal aus. „Wir mussten heute nur einen Flug von Köln nach London streichen“, sagte eine Sprecherin. Zwar hätten sich erneut diverse Piloten nicht einsatzfähig gemeldet, man habe die Lücken aber auffüllen können: „Es sind Kollegen eingesprungen, die eigentlich frei gehabt hätten.“ Wie viele Piloten und Crewmitglieder sich dienstunfähig gemeldet haben, darüber lägen derzeit keine Erhebungen vor, sagte die Sprecherin.

In Internetforen machten einige Lufthansa- und Germanwings-Mitarbeiter ihrer Trauer Luft. Aber auch ihrem Ärger über Spekulationen, die Crewmitglieder wüssten um technische Probleme und wollten deshalb nicht in die Maschinen steigen. „Die Kollegen, die sich ‚unfit to fly‘ gemeldet haben, tun dies nicht, weil sie kein Vertrauen in das Flugzeug haben“, schreibt eine Flugbegleiterin. Sie seien schlichtweg mit der Situation überfordert. „Unendliches Entsetzen, Trauer und Fassungslosigkeit beschreiben nicht annähernd, was ich seit gestern emotional durchmache.“

An vielen Ecken gespart

Es stimme zwar, dass der Konzern in den vergangenen Jahren an vielen Ecken gespart habe, sagte ein Stuttgarter Germanwings-Pilot den Stuttgarter Nachrichten. „Da geht es aber nicht um sicherheitsrelevante Themen“, sagte er. So sei etwa die Wartung der Flieger der Billigtochter von Lufthansa nicht an eine günstigere Gesellschaft ausgelagert worden. „Bei den Sparthemen handelt es sich eher um Dinge wie die aktuelle Tarifauseinandersetzung“, sagte der Pilot. „Die Wartung der Flugzeuge dagegen wird von der gleichen Firma durchgeführt wie die der Lufthansa-Flotte“, so der Kapitän.

Der Pilot äußerte Verständnis dafür, dass manche Menschen die Unfit-Regel kritisch sehen. So brauchen etwa Polizisten ein Attest, wenn sie etwas Traumatisches erlebt haben und sich nicht imstande fühlen, den Dienst anzutreten. „Bei uns geht es sehr unbürokratisch und unkompliziert, sich unfit zu melden“, so der Pilot. „Dafür muss es keinen Flugzeugabsturz gegeben haben.“ Als Grund reiche, wenn man schlecht geschlafen habe. „Es gibt immer einen Ersatzpiloten, der in solch einem Fall einspringt.“ Die Regel sei wichtig: „Sicherheit geht immer vor.“

Unter den Piloten von Lufthansa und Germanwings läuft unterdessen die Diskussion um die Absturzursache auf Hochtouren.„Die Aufklärung ist jetzt ganz zentral“, sagte ein Pilot von Lufthansa, dem Mutterkonzern von Germanwings. „Ich werde am Wochenende wieder fliegen. Wenn die Gründe bekannt sind, tue ich das, ohne dabei ein schlechtes Gefühl zu haben.“

In Stuttgart haben sich am Dienstagabend Piloten am Flughafen getroffen. „Wir haben Kerzen angezündet und uns an den Händen gehalten“, sagt ein Pilot.

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