Die Trümmer der abgestürzten Maschine werden untersucht Foto: EPA

Auf der Suche nach der Ursache für den Absturz des russischen Ferienfliegers mit 224 Menschen an Bord rückt wieder die Möglichkeit eines Anschlags in den Fokus. In Russland trauern Hunderte um die Toten.

Kairo/Moskau - Die über der Sinai-Halbinsel in Ägypten abgestürzte russische Chartermaschine ist nach Einschätzung zweier russischer Luftfahrtexperten bereits in der Luft auseinandergebrochen. Dafür spreche der große Radius, in dem die Trümmer auf dem Boden verstreut seien, sagte der Chef der russischen Luftfahrtbehörde, Alexander Neradko, am Sonntag. Ein schnelles Absacken aus hoher Höhe könnte darauf hindeuten, dass im Gepäckraum der Maschine eine Bombe explodiert sei, meinte Alexander Fridljand.

Beim Absturz der Maschine der russischen Gesellschaft Metrojet waren am Samstagmorgen alle 224 Insassen ums Leben gekommen. Der Airbus 320-200 war im Badeort Scharm el Scheich im Süden der Halbinsel mit Ziel St. Petersburg gestartet und kurze Zeit später im Norden des Sinai niedergegangen, wo islamische Extremisten aktiv sind. Zunächst waren ägyptische Stellen von einem technischen Defekt als Ursache ausgegangen, während ein lokaler Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat behauptete, den Jet abgeschossen zu haben.

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi mahnte am Sonntag an, über die Absturzursache nicht zu spekulieren. Die Aufklärung des Geschehenen könne Monate in Anspruch nehmen und bedürfe fortschrittlicher Technologien, sagte er bei einem Treffen ranghoher Regierungsbeamter und Vertreter der Sicherheitskräfte.

Der russische Verkehrsminister Maxim Sokolow sagte, es sei noch unklar, wo die beiden Datenrekorder der Maschine ausgewertet werden sollen. Der Flugdatenschreiber und der Stimmenrekorder waren an der Absturzstelle rund 70 Kilometer südlich der Stadt Al-Arisch gefunden worden. Die Trümmer sind auf einem etwa 16 Quadratkilometer großen Gebiet verstreut.

In St. Petersburg gedachten Hunderte Menschen der Opfer, die fast alle Russen waren und in der Stadt gelebt hatten. Am Flughafen wurden Blumen, Fotos und Stofftiere niedergelegt, in Kirchen Kerzen angezündet. Die Stadtverwaltung ordnete eine dreitägige Trauer an. Den Sonntag hatte Präsident Wladimir Putin zu einen nationalen Trauertag erklärt, landesweit wehten die Flaggen auf Halbmast. Ihr Herz werde von Schmerz durchbohrt, sagte die 48-jährige Elena Wicharewa, auch wenn in dem abgestürzten Flugzeug keine Angehörigen von ihr gewesen seien.

Neradko äußerte sich nicht zur möglichen Absturzursache

Neradko äußerte sich nicht zur möglichen Absturzursache und verwies auf die laufenden Ermittlungen. Er befand sich in Ägypten und inspiziert dort mit Vertretern der russischen Regierung das Absturzgebiet. Fridljand sagte, neben einer Bombenexplosion gebe es auch die Möglichkeit, dass das gesamte Energiesystem des Airbus gestört gewesen sei. Dies habe ein Feuer an Bord oder den Ausfall von beiden Motoren verursachen können, meinte der Experte, der ein Forschungszentrum für Luftfahrt in Moskau leitet.

Die Fluggesellschaft Emirates kündigte an, die Sinai-Halbinsel bis auf weiteres nicht mehr zu überfliegen. Sie folgte damit ähnlichen Ankündigungen von Lufthansa und Air France.

Die russische Regierung will eigenen Worten zufolge den Hinterbliebenen eine Entschädigung zahlen und auch helfen, die Bestattungen zu organisieren. Bisher wurden 163 Leiche geborgen, wie die ägyptischen Behörden mitteilten. Die ersten sollten noch am Sonntag nach Russland überführt werden.

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