In Sotschi werden Kerzen für die vermutlich 92 Opfer des abgestürzten russichen Flugzeugs angezündet. Foto: dpa

Staatstrauer in Russland: Landesweit gedachten die Menschen der mehr als 90 Opfer der Flugzeugtragödie über dem Schwarzen Meer. Mehr als 3500 Helfer waren an der Bergungsaktion beteiligt.

Sotschi - In ganz Russland gedachten die Menschen am Montag der mehr als 90 Opfer der Flugzeugtragödie über dem Schwarzen Meer. Das Staatsfernsehen strich sämtliche Unterhaltungsprogramme und zeigte Schwarz-Weiß-Bilder von den Opfern. Mehr als 3500 Helfer waren an der Bergungsaktion beteiligt.

Die Behörden vermuteten als Unglücksursache einen Pilotenfehler oder ein technisches Problem. Bei dem Absturz am Sonntag starben vermutlich alle 92 Insassen. Das Alexandrow-Ensemble, das damit seinen Dirigenten Waleri Chalilow und rund ein Drittel seiner Mitglieder verlor, ist auch als Chor der Roten Armee bekannt und gilt als wichtiges Nationalsymbol in Russland.

Vor der Zentrale des Chors in Moskau sowie am Flughafen und im Hafen von Sotschi, wo die Maschine nach einem Tank-Zwischenstopp gestartet war, legten viele Menschen Blumen nieder. Auch das Kabinett gedachte in einem Moment des Schweigens der Toten. Präsident Wladimir Putin hatte eine eintägige Staatstrauer angeordnet. Die Tupolew Tu-154 war am frühen Sonntagmorgen auf dem Weg nach Syrien, als sie kurz nach dem Start über dem Schwarzen Meer vom Radar verschwand. Später erklärte ein Armeesprecher, Trümmerteile seien etwa 1,5 Kilometer von der Küste entfernt in 50 bis 70 Metern Tiefe gefunden worden.

Keine Hoffnung auf Überlebende

Das Verteidigungsministerium erklärte, es gebe keine Hoffnung auf Überlebende. Am Montag waren weiterhin mehr als 3500 Soldaten, Rettungskräfte und Taucher im Einsatz, um Leichen und Trümmerteile der Maschine zu bergen. Dutzende Schiffe, Hubschrauber und Drohnen beteiligten sich.

In 27 Metern Tiefe und rund eine Seemeile von der Küste entfernt wurden am Montag weitere Wrackteile der Unglücksmaschine gefunden, wie das Katastrophenschutzministerium mitteilte. Elf Todesopfer wurden bislang entdeckt, zehn davon sowie 86 Leichenteile wurden laut Verteidigungsministerium bereits zur Identifizierung nach Moskau gebracht.

Die Flugschreiber, die Aufschluss über die Absturzursache und die letzten Gespräche im Cockpit geben könnten, wurden noch nicht gefunden. Ein „Terrorakt“ stehe als mögliche Spur nicht im Vordergrund, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow zu den Ermittlungen. Gleichwohl würden alle möglichen Versionen geprüft. Auch Verkehrsminister Maxim Sokolow bezeichnete einen Anschlag als unwahrscheinlich und sagte nach der Sitzung einer Untersuchungskommission, vermutlich sei ein „technisches Problem“ oder ein Pilotenfehler verantwortlich.

Der Inlandsgeheimdienst FSB erklärte, für die These eines Anschlags spreche derzeit nichts. Die Ermittlungen konzentrierten sich auf vier Möglichkeiten: ein Pilotenfehler, ein technischer Defekt, schlechter Treibstoff oder ein Fremdobjekt im Triebwerk, hieß es in einer Mitteilung. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sprachen der russischen Führung ihr Mitgefühl aus. Bundespräsident Joachim Gauck erklärte, der Tod so vieler Menschen sei ein „schmerzlicher Verlust für die russische Nation“.

„Immense Tragödie"

Der Armeechor sollte bei den Neujahrsfeiern auf dem russischen Luftwaffenstützpunkt in Hmeimim im Westen Syriens auftreten. Russland hatte im September 2015 in den syrischen Bürgerkrieg eingegriffen und unterstützt die syrische Führung.

Die französische Sängerin Mireille Mathieu, die seit dem Ende der 60er Jahre immer wieder mit dem Chor auftrat, sprach von einer „immensen Tragödie“. Seit über einem Jahrhundert seien diese „wundervollen Stimmen ein Juwel Russlands“.

Unter den Insassen der Unglücksmaschine waren außerdem neun Journalisten, zwei ranghohe Beamte sowie Elisaweta Glinka, Leiterin einer bekannten russischen Hilfsorganisation. Auch vor dem Büro der Organisation legten Trauernde Blumen nieder.

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