Eine Quadrocopter-Drohne fliegt in knapp zehn Metern Flughöhe über einem Garten, während in weiter Entfernung ein Flugzeug beim Anflug auf den Flughafen Düsseldorf zu sehen ist. Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung sind deutsche Flughäfen bei Drohnenattacken nur bedingt abwehrbereit. Foto: dpa

Es war nur eine Frage der Zeit. Erneut musste der Flugbetrieb am Frankfurter Flughafen eingestellt werden, weil eine Drohne gesichtet wurde. Zur Komplettsperrung gibt es auch in Deutschland aktuell kaum Alternativen. Fragen und Antworten zu einem heiklen Thema.

Frankfurt am Main/Stuttgart - Wegen einer Drohnensichtung musste der Flugbetrieb am Airport Frankfurt am Donnerstag (9. Mai) eine Dreiviertelstunde eingestellt werden. Bereits Ende März war es wegen einer Drohne in der Luft zu einer Unterbrechung des Flugbetriebs am Frankfurter Flughafen von 30 Minuten gekommen.

Frankfurter Airport lahmgelegt

Aus Sicherheitsgründen seien keine Starts und Landungen möglich gewesen, sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport. Laut Bundespolizei gab es am frühen Morgen mehrere Hinweise auf eine Drohne im Süden des Geländes. Da das Fluggerät dann aber nicht mehr gesichtet wurde, gab die Bundespolizei in Absprache mit der Flugsicherung den Betrieb um 8.15 Uhr wieder frei.

Um welchen Drohnen-Art handelt es sich?

Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung (DFS), die für die Flugsicherheit an den Airports zuständig ist, handelte es sich um ein größeres Gerät mit einem Durchmesser von etwa 1,50 Meter. Es sei von mehreren Piloten im Süden des Geländes gesichtet worden. Möglicherweise war es ein professionelles Gerät, für das eine Aufstiegserlaubnis beim Land Hessen hätte eingeholt werden müssen.

Wie oft werden Drohnen an deutschen Flughäfen gesichtet?

Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums hat es an deutschen Flughäfen in den ersten drei Monaten 2019 bereits 17 Vorfälle mit Drohnen gegeben. Laut DFS waren es 2018 insgesamt 158.

Die meisten gemeldeten Drohnenflüge gab es am Frankfurter Flughafen mit 31, gefolgt von Berlin Tegel (17), München (14) und Hamburg (12). Am Flughafen Stuttgart gab es 2018 insgesamt acht Drohnenflüge (2017: zwei). 2019 sei in Stuttgart bisher frei von Drohnen gewesen, meldet die DFS.

Was können Flughäfen gegen Drohnen-Flüge tun?

Bei einem „boshaften“ Drohnenangriff wären Behörden und Airports hierzulande nur bedingt abwehrbereit. Und auch bei möglicherweise harmlosen Vorbeiflügen bleibt zunächst nicht viel anderes übrig, als den betroffenen Flughafen zu schließen, notfalls für viele Stunden.

Nach Einschätzung von Experten fehlt es an deutschen Flughäfen generell an technischen Einrichtungen, um unbemannte Flugkörper überhaupt zu entdecken.

Wie viele zivil genutzte Drohnen schwirren im deutschen Luftraum herum?

Nach Schätzungen des Verbandes Unbemannte Luftfahrt werden derzeit 455 000 Drohnen privat und 19 000 kommerziell genutzt. Die DFS rechnet damit, dass deren Zahl bis 2020 auf weit mehr als 1,2 Millionen steigen wird.

Andere Schätzungen gehen indes davon aus, dass allein 2018 rund 1,3 Millionen Drohnen verkauft wurden. Drohnen-Bausätze sind bereits ab 25 Euro im Handel erhältlich. Für 1500 Euro bekommt man Profi-Fluggeräte mit erstaunlichen aerodynamischen Eigenschaften.

Welche gesetzliche Regeln gelten für Drohnen-Flüge?

In Deutschland wird die Nutzung von Drohnen durch die Luftverkehrs-Ordnung (LuftVO) geregelt. Laut DFS kreisen rund 500 000 Drohnen ohne Transponder oder eine andere elektronische Kennung.

Folgende Regeln gelten: Privat genutzte Flugmodelle dürfen bis zu fünf Kilogramm schwer sein, maximal 30 Meter hochfliegen und bedürfen einer Haftpflichtversicherung.

Für gewerblich genutzte Drohnen gilt: bis zu 25 Kilogramm Gewicht, maximal 50 Meter Höhe sowie eine Aufstiegsgenehmigung der Landesluftfahrtbehörde.

In der Nähe von Flughäfen dürfen Drohnen generell nur mit einem Mindestabstand von 1,5 Kilometern vom Sicherheitszaun entfernt gestartet werden.

Welche Gebiete sind für Drohnen tabu?

Verboten ist das Fliegen außer an Flughäfen außerdem über Menschenansammlungen, Naturschutzgebieten, Einsatzorten von Polizei und Rettungskräften, Industrieanlagen, Autobahnen, Gefängnissen, militärischen Objekten, Behörden – und generell bebauten Gebieten.

Braucht man für Drohnen eine Genehmigung?

Seit der im April 2017 in Kraft getretenen Drohnenverordnung des Bundesverkehrsministeriums muss an jeder Drohne, die schwerer als 250 Gramm ist, eine Plakette mit dem Namen des Besitzers angebracht werden.

Ist die Drohne schwerer als ein Kilogramm muss der Pilot seit dem 1. Oktober 2017 einen Kenntnisnachweis – auch Drohnenführerschein genannt – besitzen.

Wer sind die Piloten?

Häufig sind es Hobbypiloten, die aus Unkenntnis die gefährlichen Situationen verursachen. „Vater und Sohn, die mit ihrem neuen Copter auf ein Feld gehen und sagen: Jetzt schauen wir mal, was der so kann“, erläutert Christoph Bach, Vorsitzender des Bundesverbands Copter-Piloten (BVCP).

Gesteuert von einem ungeübten Piloten, könne die Drohne dann auch in Höhen steigen, in denen sie dem Flugverkehr gefährlich werde. Zudem müssten Hersteller unbedarfte Drohnen-Käufer bislang weder über eine Versicherung noch über die Gesetzeslage aufklären, kritisiert Bach.

Wozu dienen Drohnen-Apps?

Die DFS hatte 2017 eine kostenlose Smartphone-App vorgestellt, die Hobby-Nutzer informiert, wo Drohnen aufsteigen und wie hoch sie fliegen dürfen. Da es aber keine allgemein gebräuchlichen Ortungsmöglichkeiten gibt, kann man Drohnen de facto überall aufsteigen lassen, ohne Sorge haben zu müssen erwischt zu werden.

Kann man Drohnen technisch von außen kontrollieren?

Die Flugsicherung fordert, dass alle Drohnen einen GPS-Sender tragen müssen, der sie auf den Schirmen der Fluglotsen sichtbar macht. Außerdem müssten sie registriert werden. Sonst stochert die Polizei bei der Fahndung häufig im Nebel, wenn es zu einem Beinahe-Zusammenstoß wie in München kommt.

Zusammen mit der Deutschen Telekom hat die DFS im Rahmen des Projekts Connected Drones einen Sender mit einer SIM-Karte entwickelt, der an Drohnen befestigt werden kann. Demnächst soll die Technologie marktreif sein. Einbauen werden sie Drohnenpiloten auch dann aber wohl nur, wenn der Gesetzgeber eine Pflicht dazu dann auch gesetzlich vorschreibt.

Wer ist für das Ausschalten von Drohnen an Airports zuständig?

Nach Vorstellung von Bundespolizei-Präsident Romann sollen die Flughäfen für ihr Gebiet und die Flugsicherung für den Luftraum die Detektion gefährlicher Drohnen erledigen, die dann von der Polizei unschädlich gemacht werden müssten. Romann zufolge scheuen die Flughäfen bislang noch millionenschwere Investitionen, die möglicherweise nur für die großen Drehkreuze ökonomisch sinnvoll erscheinen.

„Wir brauchen klare Regeln, wer für was zuständig ist“, fordert der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbands ADV, Ralf Beisel. Doch selbst der Betreiber des größten deutschen Flughafens in Frankfurt plant derzeit keine Beschaffung, wie ein Fraport-Sprecher erklärt. In der Branche wird darauf verwiesen, dass es bislang noch kein behördlich zugelassenes System zur Drohnenabwehr gebe.

Dürfen Drohnen in Deutschland abgeschossen werden?

Das Abfangen unbemannter Fluggeräte ist heikel – ganz zu schweigen das Abschießen, denn zu groß kann die Gefahr für Menschen am Boden sein. Dies sei auch eine Frage der Verhältnismäßigkeit, erläutert Christian Jaeger von der Firma Elektroniksystem- und Logistik-GmbH (ESG) mit Sitz in Fürstenfeldbruck bei München. Prinzipiell gelte nach geltendem Recht: „Polizei und Militär dürfen, Zivilisten nicht.“

Ähnlich verhält es sich beim sogenannten Jamming - dem Einsatz elektronischer Störmaßnahmen, die etwa Funksignale zwischen dem Piloten und seiner Drohne unterbinden. Dies dürfen nur Behörden mit Sicherheitsaufgaben, für Unternehmen in der Privatwirtschaft ist die Methode tabu.

Warum ist die Drohnen-Abwehr in Großbritannien so ausgefeilt?

Die Briten haben nach den tagelangen Flughafensperren von London im vergangenen Jahr schnell reagiert: Die Sicherheitszone um die Flughäfen London-Heathrow und Gatwick wurde von 1,5 auf fünf Kilometer ausgedehnt. Mit Hilfe des Militärs wurden für die beiden Airports millionenschwere Abwehrsysteme beschafft, welche die Kommunikation zwischen Drohne und Steuereinheit entdecken und blockieren soll.

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