Loopings, Rollen und wummernde Motoren: Wir haben einen der Piloten besucht, die am Wochenende beim Flugplatzfest Backnang-Heiningen ihr Können zeigen werden.
Der martialische Tarnanstrich, der rote Sowjetstern und der bullige Sternmotor – die Maschine, die in einem Hangar des Flugplatzes Heubach bei Schwäbisch Gmünd steht, ist ein echter Hingucker. Pilot Volker Fischer läuft um sein Flugzeug herum und macht einen Check: Sitzt der Propeller-Spinner fest? Lassen sich die Querruder bewegen? Klappert nichts im Rumpf, das ein Passagier dort vergessen haben könnte? Am Wochenende werden Fischer und seine Jak-52 beim Flugplatzfest in Backnang-Heiningen (Rems-Murr-Kreis) auftreten. Dann muss alles sitzen.
Der 58-Jährige ist der Luftfahrt schon lange verfallen. „Das fing mit Modellflugzeugen an, als ich zwölf oder 13 Jahre alt war“, erinnert er sich. Vor etwa 20 Jahren wagte er sich dann an den Pilotenschein – und dann an Kunstflug. Sein langjähriger Begleiter ist die Jak-52. Das Flugzeug, Baujahr 1990, ist inzwischen seine dritte Maschine dieses Musters und ein echtes Stück Luftfahrtgeschichte.
Ein Militärtrainer aus der Sowjetunion als Privatflugzeug
Aus einem einsitzigen Kunstflugzeug entwickelt, sollten in diesem Zweisitzer eigentlich in den 1970er Jahren sowjetische Militärflugschüler, angehende Jetpiloten, ihr Handwerk lernen. Seitdem sind Jahrzehnte vergangen, die Sowjetunion ist längst Geschichte – doch die Jak-52 fliegt noch immer. Bilder belegen, dass die ukrainische Luftwaffe mit den altertümlichen Flugzeugen sogar russische Drohnen jagt. Doch auch friedliche Piloten auf der ganzen Welt lieben die Jak. Denn sie ist trotz ihres Alters voll kunstflugtauglich.
Gerade die archaische, aber zuverlässige Bauweise reizt Fischer. „Mich fasziniert diese robuste Technik aus Sowjetzeiten. Und wenn man einmal mit so einem Sternmotor geflogen ist, kommt man nicht mehr davon los. Das ist wie bei Harley-Fahrern, schätze ich“, sagt der Hobbypilot. Das Cockpit war ursprünglich komplett kyrillisch beschriftet, selbst das Anlassen des Fliegers hat nichts mit den Knopfdruck-Automatiken moderner Flugzeuge zu tun. Vielleicht 50 Flugstunden macht er im Jahr mit der Jak – ein willkommener Ausgleich für den Inhaber einer Firma für Sicherheitstechnik.
Einmal in der Luft, kann Volker Fischer die eine Tonne schwere Jak zum Tanzen bringen. Mit ihrem 400-PS-Motor schafft sie Loopings, Rollen und mehr, mit bis zu siebeneinhalbfacher Erdbeschleunigung. Für Piloten erfordert das Disziplin und Übung. Sicherheit, das betont er, stehe dabei immer an erster Stelle. „Ich mache nur Figuren, die ich hunderte Male trainiert habe – und nichts, was auf extremes Risiko angelegt ist.“
Flugplatzfest in Backnang-Heiningen: Sicherheit geht vor
In Backnang lastet gewissermaßen eine besondere Verantwortung auf den Schultern der Piloten. 2012 hatte es beim Flugplatzfest Heiningen einen schweren Unfall gegeben, bei dem drei Menschen ums Leben kamen. Damals war ein Leichtflugzeug in die Wirbelschleppen einer voraus fliegenden Maschine geraten. Fischer war damals selbst dabei. „Was damals passiert ist, war natürlich schlimm. Gleichzeitig wäre es doch falsch, zu sagen, so etwas machen wir nie wieder“, ist Fischer überzeugt. Die Sportfliegerei sei statistisch gesehen auf dem Niveau des Motorradfahrens.
Seit der Katastrophe von Ramstein sind Flugshows selten geworden
Damit er selbst im Notfall aussteigen könnte, sitzt Fischer in der Jak auf seinem Fallschirm – das ist bei Kunstflug sogar vorgeschrieben. Auch die Sicherheit des Publikums hat Priorität. „Das Zufliegen auf die Menge ist zum Beispiel tabu – das wäre es eigentlich bei der Katastrophe von Ramstein schon gewesen.“ Der Zusammenstoß zweier italienischer Jets im Jahr 1988 hatte 70 Todesopfer gefordert. Das Unglück bedeutete das Ende großer Flugshows in Deutschland.
Um so mehr freut sich Fischer auf das Flugplatzfest in Backnang – nachdem er dort viele Freunde hat und sein Flugzeug lange in Heiningen stand, ist das Event für ihn gewissermaßen ein Heimspiel. Voraussichtlich zweimal pro Tag werden er und seine Jak ihr Programm zeigen – wie auch Uwe Schreyer in seinem Hochleistungsdoppeldecker und Christian Hartmann im Segelflugzeug.
Flugplatzfest Backnang-Heiningen
Programm und Attraktionen
Am Samstag und Sonntag, 23. und 24. August, beginnt das Flugplatzfest jeweils um 12 Uhr. Gezeigt werden Kunstflug mit Motor- und Segelflugzeugen, Fallschirmsprünge sowie Darbietungen mit historischen Maschinen. Besucher können zudem selbst abheben: Rundflüge mit Motorflugzeugen oder Hubschraubern stehen auf dem Programm. Für Kinder gibt es einen Spielplatz, Essen und Getränke werden angeboten. Das Fest endet am Samstag um 21 Uhr, am Sonntag um 19 Uhr.
Anfahrt und Eintritt
Der Eintritt zu der Veranstaltung ist kostenlos. Parkplätze stehen direkt neben dem Flugplatzgelände kostenlos zur Verfügung. Veranstaltungsort ist der Flugplatz des Luftsportvereins Backnang-Heiningen, zwischen Backnang und Allmersbach gelegen.