Trotz Protesten der Anwohner darf der Rettungshubschrauber bei Pattonville (Kreis Ludwigsburg) seit Sommer auch nachts regelmäßig starten. Warum er es bislang dennoch nicht tut.
Seit Juli 2025 darf der am Flugplatz Pattonville stationierte Rettungshubschrauber Christoph 51 regelmäßig auch nachts starten und landen. Zuvor waren eine Landung pro Nacht (22 bis 6 Uhr) und insgesamt 2400 Starts und Landungen pro Jahr erlaubt. Nun ist geregelt, dass nachts pro Jahr 800 Starts und Landungen erlaubt sind, insgesamt 4500. Das hat bislang aber noch nicht zu mehr Starts in der Nacht geführt.
Seit die Planungen für eine Ausweitung des Nachtbetriebs bekannt sind, wehren sich Anwohner des Flugplatzes in Pattonville wegen Angst um ihre Ruhe dagegen. Mit der Genehmigung im Sommer war der Streit aber noch längst nicht beendet. Noch heute kämpfen Gegner gegen den Fluglärm. Derzeit läuft ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart. 47 Personen klagen gegen die Genehmigung. Vor März ist allerdings nicht mit einer Verhandlung zu rechnen.
Die kritisierte Ausweitung betraf nicht nur den Rettungshubschrauber. Auch die Hobbyflieger auf dem Flugplatz beantragten eine Ausweitung ihrer Flugzeiten und Erleichterungen bei der Dokumentation. Im Gegensatz zum Rettungshubschrauber wurde die Genehmigung für Hobbyflieger aber nicht sofort in Vollzug gesetzt.
Nach rund einem halben Jahr ist nun also lediglich ein erstes Zwischenfazit zu den Nachtflügen des Rettungshubschraubers zu ziehen. Während sich die Gegner aufgrund des laufenden Verfahrens gegenüber dieser Zeitung lieber nicht äußern möchten, gibt es vom Flugplatzbetreiber erste Zahlen.
444 Starts und Landungen
Seit Mitte des Jahres ist der Rettungshubschrauber demnach 444 Mal vom Flugplatz Pattonville gestartet und genau so häufig dort auch wieder gelandet. In der fraglichen Nachtzeit gab es laut Frank Lehmann, Vorstandssprecher der Flugbetriebsgemeinschaft Pattonville, neun Landungen (alle in der Zeit zwischen 22 und 22.20 Uhr) und einen Start des Helikopters.
Christoph 51 wird von der DRF Stiftung Luftrettung betrieben. Laut DRF bestreiten bundesweit Hubschrauber an Stationen mit Nachtbetrieb ein Viertel ihrer Einsätze in der Dunkelheit, bei steigender Tendenz.
Nur ein Standort mit 24-Stunden-Betrieb
Warum das in Pattonville noch nicht so ist, hat laut einer DRF-Sprecherin einen einfachen Grund: „Wir sind nicht beauftragt.“ Soll heißen, das Land hat die Beauftragung des Rettungshubschraubers am Standort noch nicht auf die neue Genehmigung angepasst.
„Wir sind für eine Ausweitung des Nachtbetriebs. In Baden-Württemberg wird bislang nur die Station in Villingen-Schwenningen rund um die Uhr betrieben“, erklärt die DRF-Sprecherin. Auch sei man vor Ort organisatorisch in der Lage den Betrieb in der Nacht zu stemmen, aber bislang fehle eben der Auftrag dafür.
Neue Ausschreibung „zeitnah“
Vom Innenministerium heißt es dazu, dass es für den 24-Stunden-Betrieb einer neuen europaweiten Ausschreibung bedarf. Diese werde gerade vorbereitet und soll „zeitnah“ erfolgen. Dann werde der aktuelle Auftrag gekündigt und nahtlos eine neue Beauftragung begonnen. „Der Rettungshubschrauberbetrieb ist somit jederzeit gewährleistet“, schreibt ein Sprecher des Innenministeriums.
Wenn das Vorgehen schon vorher klar war, stellt sich die Frage, warum das Regierungspräsidium im Sommer den Nachtbetrieb in sofortigen Vollzug gesetzt hat. „Bei der Anordnung des sofortigen Vollzugs handelt es sich um eine gängige Maßnahme im Verwaltungsrecht“, teilt das Innenministerium lapidar mit ohne eine Begründung für die Regelung zu nennen.