11 000 Fluglotsen gelten zwar als systemrelevant, müssen aber ohne Bezahlung arbeiten. Foto: dpa/Zuma Wire/Ringo Chiu

Unter den Bedingungen der Haushaltssperre in den USA tritt der Personalmangel bei den Fluglotsen besonders dramatisch zutage.

„Dass wir derartige Maßnahmen ergreifen müssen, ist mir in meinen 35 Berufsjahren im Flugverkehr noch nicht untergekommen“, stöhnte Bryan Bedford, als er die drastischen Maßnahmen bekannt gab. Er leitet die Federal Aviation Administration (FAA), die Luftfahrtbehörde der USA. Bedford begründete die Einschnitte mit der völligen Überlastung der Fluglotsen durch den Shutdown. 11 000 Fluglotsen und 50 000 Bedienstete von der Transportsicherheitsbehörde TSA fertigen täglich 44 000 Flüge mit drei Millionen Passagieren ab. Sie gelten als systemrelevant und müssen Dienst tun, obwohl sie infolge der Haushaltssperre dafür kein Gehalt beziehen.

 

Der Notstand brachte die überfüllten Flughäfen bereits an den Rand des Kollapses. Allein am vergangenen Sonntag mussten 5900 Flüge gecancelt werden. Vor diesem Hintergrund soll es ab diesem Freitag an den besonders frequentierten Flughäfen des Landes zu schrittweisen Einschränkungen des Flugverkehrs kommen. Zunächst sollen vier Prozent aller Flüge gestrichen werden, am Wochenende fünf bis sechs Prozent, in der nächsten Woche dann zehn Prozent. Es sei mit erheblichen Verspätungen und verzögerter Abfertigung zu rechnen.

Krankmeldungen sind massiv gestiegen

Betroffen sind die besonders überlasteten Flughäfen wie New York, Chicago, Dallas oder Newark. Die internationalen Flüge sollen von den Maßnahmen ausgenommen werden. Unter den Bedingungen des Shutdown tritt der Personalmangel bei den Fluglotsen besonders dramatisch zutage. 3000 Stellen sind ohnehin unbesetzt. Jetzt seien aber die Krankmeldungen und Fehlzeiten massiv gestiegen, klagte Verkehrsminister Sean Duffy. Die Engpässe lassen sich durch Überstunden nicht mehr kompensieren. „Offenbar überlegen sich viele Betroffene, ob sie zur Arbeit gehen und nichts verdienen sollen oder ob sie lieber Uber fahren, um ihre laufenden Kosten zu decken“, sagte der Minister vor Reportern. Wenn sich die Lage nicht entspanne, müsse unter Umständen der US-Luftraum aus Sicherheitsgründen teilweise gesperrt werden. Die Fluglotsen arbeiten derzeit in Zehnstundenschichten, und das sechs Tage die Woche.

Personalproblem wird sicherheitsrelevant

Das Personalproblem werde unter den Bedingungen der Haushaltssperre sicherheitsrelevant, gestand Verkehrsminister Duffy jetzt ein. „Dieser Shutdown muss sofort aufhören, denn die Risiken steigen mit jedem Tag“, forderte Chris Sununu vom Verband Airlines for America, der die großen Fluglinien American Airlines, Delta und United vertritt. Die Pilotenvereinigung ALPA sieht die gesamte Flugsicherung in Gefahr.

Unter Umständen müsse der US-Luftraum teilweise gesperrt werden, sagte US-Verkehrsminister Sean Duffy. Foto: AFP/Michael Santiago

Erst im Januar hatte es nach der Kollision eines Hubschraubers mit einem Regionaljet über dem Potomac in Washington, D. C., eine Flugzeugkatastrophe mit 67 Toten gegeben. Noch immer gehen Ermittlungsbehörden der Frage nach, weshalb der zuständige Fluglotse gleichzeitig den Hubschrauber- und den Flugverkehr koordinieren musste. Immer wieder kommt es zu Fast-Kollisionen im überfüllten Luftraum der USA. Sie sind das Ergebnis massiver Überlastung der Fluglotsen und fehlerhafter Technik.

Flugsicherungssysteme sind veraltet

Nach Angaben der US-Luftfahrtbehörde kommt es wöchentlich zu etwa 700 „Kommunikationsausfällen im System“, wie es hieß. Immer wieder monieren Experten, dass die Flugsicherung in den USA nicht auf dem neuesten technischen Stand ist. Bereits vor einem Jahr warnte der US-Rechnungshof GAO, dass etwa drei Viertel der Flugsicherungssysteme der FAA entweder veraltet oder im Wartungsrückstand sind. Ein daraufhin erstellter Plan zur Sanierung und Modernisierung des technischen FAA-Netzwerks ergab einen Kostenaufwand von geschätzten 30 bis 40 Milliarden Dollar in den nächsten drei Jahren. Doch die Mittel bleiben einstweilen blockiert. Die Haushaltssperre ist jetzt die sechste Woche in Kraft und damit die längste in der Geschichte der USA. Ein Ende ist nicht in Sicht, weil sich Republikaner und Demokraten im Senat nicht auf einen Kompromiss einigen können.