Die bisherige Planung sieht vor, dass Fernzüge aus Singen die S-Bahn-Station am Flughafen mitnutzen... Foto: StN-Grafik: Lange

Der Flughafen Stuttgart warnt davor, die beim Filder-Dialog skizzierte Variante eines verbesserten Flughafenbahnhofs „vorschnell“ aufzugeben. Doch derzeit ist kein Stuttgart-21-Partner bereit, dafür 224 Millionen Euro mehr zu zahlen.

Stuttgart - Walter Schoefer ist nach wie vor davon überzeugt, dass der Filder-Dialog „besser war als seine öffentliche Wahrnehmung“. Schließlich berge das Bürgerbeteiligungsverfahren die Chance, den bei Stuttgart 21 geplanten neuen Flughafenbahnhof für die Reisenden und für die Bahn „eindeutig zu verbessern“, sagt der Geschäftsführer des Flughafens Stuttgart.

Am Montag hat die Bahn eine Studie vorgelegt, wonach die Variante einer näher beim Airport liegenden Station machbar ist, aber Mehrkosten von 224 Millionen Euro bedeutet. Falls die Variante gebaut werden soll, ist laut Bahn eine zusätzliche Finanzierung nötig. Das lehnen die S-21-Partner Land, Stadt Stuttgart und Region kategorisch ab. Damit will sich der Flughafen, der bereits 360 Millionen Euro zu S 21 beiträgt, nicht zufriedengeben. „Ich habe alle Projektpartner eindringlich gebeten, nicht vorschnell Türen zuzuschlagen“, sagt Schoefer am Mittwoch. „Ich bin überzeugt, in zehn Jahren wird völlig unabhängig von der politischen Position niemand Verständnis haben, falls diese Chance nicht genutzt würde.“

Auf Initiative der Grünen in der Landesregierung hatten Bürger, Politiker, Initiativen und Interessenvertreter im Sommer 2012 mit der Bahn mehrere Varianten zu den bisherigen S-21-Plänen auf den Fildern diskutiert. Am Ende sprachen sich 63 Teilnehmer für die von den Grünen favorisierte Gäubahn-Variante aus, bei der die direkte Anbindung dieser Strecke zum Flughafen – dafür aber auch die umstrittene Mitnutzung der S-Bahn-Gleise durch Fern- und Regionalzüge – entfallen würde. 44 Teilnehmer votierten für den verbesserten Flughafenbahnhof. Die Gäubahn-Variante wurde am Ende des Dialogs durch die Bahn verworfen, da sie „Grundfesten von S 21 erschüttern“ würde und deshalb „nicht konsensfähig“ sei. Das Land musste dies nach den zuvor vereinbarten Regeln des Dialogs akzeptieren.

Vorwurf an die Bahn, die Ergebnisse des Filder-Dialogs zu verfälschen

In den Augen der Schutzgemeinschaft Filder wäre auch der neue geplante Flughafenbahnhof „Murks“, da vor allem die Doppelnutzung der S-Bahn-Trasse bestehen bleibe. Die Lage des Flughafenbahnhofs 27 Meter tief unter der Erdoberfläche werde lediglich auf 15 Meter angehoben. Auch die Belegung durch zusätzliche Züge, welche in die neue Station anstatt in die S-Bahn-Station einfahren, sei „bahntechnisch höchst problematisch“, warnt die Bürgerinitiative.

Steffen Siegel, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft, wirft der Bahn vor, die Ergebnisse des Filder-Dialogs zu „verfälschen“. Nicht ein modifizierter Flughafenbahnhof, sondern die Gäubahn-Variante sei mehrheitlich Ziel der Bürgerschaft. Siegel ist auch strikt dagegen, dass sich die öffentliche Hand an möglichen Mehrkosten beteiligt. Planungsmängel dürften nicht mit Steuergeldern beseitigt werden, sagt er.

Die CDU im Landtag hat die grün-rote Regierung aufgefordert, für Mehrkosten der Flughafenbahnhof-Variante eine Finanzierungslösung zu schaffen.

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