Der Kampf um weitere Emirates-Flüge nach Deutschland geht weiter. Foto: imago images/Marcel Lorenz

Die Industrie- und Handelskammer fordert mehr Interkontinentalflüge ab Stuttgart und warnt vor Nachteilen, falls Emirates neue Rechte statt im Südwesten in Berlin erhält.

In Sachen Landerechte der Fluggesellschaft Emirates am Flughafen Stuttgart hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) weitere Post aus Stuttgart bekommen. Nach dem gemeinsamen Brief von Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut und OB Frank Nopper (beide CDU) ins Kanzleramt hat sich nun auch die Industrie- und Handelskammer Baden-Württemberg zu Wort gemeldet.

 

In einem Schreiben an den Kanzler betonen IHK-Präsident Claus Paal und Geschäftsführerin Susanne Herre die Bedeutung des Wirtschaftsstandorts Baden-Württemberg. Und doch bleibe „die internationale Anbindung des Landesflughafens Stuttgart hinter den wirtschaftlichen Erfordernissen zurück“. Bei interkontinentalen Verbindungen sei man auf die Flughäfen in Frankfurt und München angewiesen. Die IHK-Vertreter verweisen Erhebungen der Kammer, wonach „der Bedarf an Verbindungen nach Ostasien und in den indischen Subkontinent in den letzten Jahren stetig gestiegen ist“.

Hintergrund der Bemühungen aus Stuttgart sind Überlegungen im Bundesverkehrsministerium, der Fluggesellschaft Emirates weitere Verkehrsrechte einzuräumen. Diese Rechte regeln, wie viele Flughäfen die jeweilige Airline in Deutschland anfliegen kann. Im Falle von Emirates sind das aktuell vier, nämlich jene in Frankfurt, Hamburg, Düsseldorf und München.

Hat Stuttgart das Nachsehen gegenüber Berlin?

Im Südwesten schrillen die Alarmglocken, seit das Gerücht die Runde macht, dass das Bundesverkehrsministerium womöglich als nächstes Emirates-Verkehrsrechte zugunsten des Berliner Flughafens einräumt. Der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion, der Reutlinger Abgeordnete Michael Donth, erinnerte in einem Brief an Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU), dass „dem Flughafen Stuttgart in der vergangenen Legislaturperiode noch zugesichert worden war, dass er allein aufgrund seiner wirtschaftlichen Bedeutung vor Berlin berücksichtigt werde“. Vor allem Druck aus den ostdeutschen Ländern könnte zu einer anderen Entscheidung im Ministerium führen, so Donths Befürchtung.

Flughafen Stuttgart leicht im Aufwind

Herre und Paal erinnern in ihrem Schreiben an den Kanzler daran, dass von einem starken Südwesten auch der Rest der Republik profitiert. „Die ökonomischen Gründe für eine gleichberechtigte internationale Anbindung Stuttgarts sind klar und liegen im gesamtwirtschaftliche Interesse Deutschlands“. Es sei auch die Airline selbst, die seit Jahren Interesse bekunde, „Stuttgart direkt an das Drehkreuz Dubai anzubinden und damit Zugang zu zentralen Wachstumsmärkten zu schaffen“. Der Flughafen Stuttgart hatte im vergangenen Jahr 9 569 617 Passagiere gezählt und damit 4,8 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr. Für das Jahr 2026 prognostiziert die Betreibergesellschaft einen leichten Rückgang auf 9,4 Millionen Fluggäste.

Aus den Reihen der Landespolitik hat sich Thomas Dörflinger, CDU-Verkehrsexperte im Landtag, zu Wort gemeldet. „Eine direkte Anbindung an das Streckennetz von Emirates könnte für Baden-Württemberg erhebliche wirtschaftliche Impulse bedeuten – bessere Erreichbarkeit wichtiger Wachstumsmärkte im Nahen Osten, in Asien und Australien, Vorteile für exportorientierte Unternehmen, eine Stärkung des Messestandorts sowie positive Effekte für Tourismus und Investitionen“. Bei der FDP hinterfragt man die Zuständigkeiten innerhalb der Landesregierung. „Baden-Württemberg als Exportland braucht erstklassige Direktverbindungen in die Welt. Ich frage mich: Wo ist in dieser wichtigen Frage Landes-Verkehrsminister und Aufsichtsratschef Winfried Hermann?“