Das Foto, welches ein Flugzeug im Landeanflug zeigt, wurde aus dem Hochhaus Salute im Fasanenhof gemacht. Foto: Beiter

Mit einer neuen Software kann man sehen, welches Flugzeug wo wie laut ist. Doch was bringt das den Betroffenen, die in der Einflugschneise des Stuttgarter Flughafens wohnen?

Filder - Gerade startet ein Flieger nach Krakau, 62,5 und 64,9 Dezibel messen die Lärmmessstationen in Neuhausen und Scharnhausen; das ist schon im gelben Bereich. In Steinenbronn wird es jetzt mit 66,4 Dezibel laut für den Flieger aus London, der sich im Anflug auf den Flughafen befindet. Mit der Software Travis – das Wort steht für Track Visualisation, also Flugbahn-Visualisierung – kann man beide Maschinen in Echtzeit verfolgen. Kommen sie an den Lärmmessstellen auf den Fildern vorbei, wird angezeigt, wie laut es dort gerade ist.

Ein Bewohner äußert sich deutlich

Der Flughafen Stuttgart stellt seit September diese Daten über Geräusche von ankommenden und abfliegenden Maschinen über seine Internetseite zur Verfügung, zusätzlich zu den Lärmberichten, die jeden Monat erstellt werden. Die Daten kommen von acht Messstationen Aber was bringen diese zusätzlichen Informationen den Flughafen-Anwohnern?

Simon Kutzora kann diese Frage recht schnell beantworten. „Nichts“, sagt er schlicht. „Ich habe als Anwohner nichts davon, wenn ich weiß, wie weit das Flugzeug entfernt ist, das gerade laut ist. Es geht ja um den Lärm, und der bleibt.“ Kutzora lebt im Steckfeld, einem Stadtteil von Plieningen. Nicht nur die großen Linienmaschinen, auch die kleinen Propellerflugzeuge, die besonders im Sommer bei schönem Wetter unterwegs sind, sorgen bei ihm für Lärm, berichtet er.

Kutzora ist mit den offiziellen Stellen in Kontakt deshalb: mit den Lärmschutzbeauftragten von Flughafen und dem Regierungspräsidium, „aber da schiebt einer die Verantwortung zum nächsten“, ist sein Eindruck. „Der Lärm wird immer mehr, sonntags wachen wir vom Fluglärm auf, dabei könnte man ja meinen, wir sind hier weit genug vom Flughafen weg.“ Am Flughafen gebe es keine besonderen Nachfragen zu Travis, meint Sprecherin Beate Schleicher. „Wir haben einige interessierte Anfragen dazu beantwortet“, sagt sie, ansonsten habe es keinerlei Rückmeldungen gegeben.

Beschweren sich jetzt mehr oder weniger?

Auch beim Regierungspräsidium sieht man Travis positiv. Ob nun mehr oder weniger Beschwerden eingingen, weil Anwohner besser sehen könnten, wo es laut wird, könne man nicht beantworten, „da die sich beschwerenden Personen uns nicht mitteilen, ob ihre Beschwerde wegen der Anwendung von Travis erstattet wurde“, so eine Sprecherin. Man gehe allerdings davon aus, dass sich einige Beschwerden nun erübrigen, da die Bürger erkennen könnten, „dass ein Flugzeug beispielsweise nicht über das Haus oder zu niedrig geflogen ist.“ Der Lärmschutzbeauftragte des Regierungspräsidiums empfehle die Anwendung von Travis – man könne sich schnell, einfach und kostenlos informieren.

In Filderstadt ist inzwischen die örtliche SPD erneut aktiv geworden: Sie hat im Gemeinderat beantragt, die Flughafenleitung zum Thema Lärm in den Gemeinderat einzuladen. „Insbesondere in den Nachtstunden machen signifikante Lärmereignisse den Menschen erheblich zu schaffen“, schreibt Walter Bauer, der Chef der SPD-Fraktion. Doch auch tagsüber nehme Bernhausen eine „traurige Spitzenstellung“ bei den Schallpegeln der acht Außenmessstellen ein.

Esslingen hat sich klar positioniert

Die Stadtverwaltung ist, wie im Antrag gewünscht, auf die Flughafenverwaltung zugegangen. „Das Gespräch mit der Flughafengesellschaft soll im April stattfinden“, sagt Oberbürgermeister Christoph Traub auf Anfrage. In der vergangenen Woche habe es ein Treffen mit der Fluglärmkommission gegeben, dabei sei entschieden worden, dass der Lärmschutzbeauftragte des Flughafens in den Gemeinderat eingeladen werden soll, um Auskunft zu geben.

Auch Esslingen hat sich jüngst zum Thema Fluglärm positioniert: Die Stadtverwaltung hat sich den Kommunen Plochingen, Wernau, Deizisau und Altbach angeschlossen, was eine Resolution zum Fluglärm angeht: Die Kommunen fordern, den Großteil des Flugverkehrs nicht länger über die östliche Richtung, also eben das Neckartal, abzuwickeln. Alle Ausbaupläne des Flughafens zum Flugbetrieb werden abgelehnt, stattdessen soll der Lärmschutz auf den neuesten Stand der Technik gebracht werden.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: