Vor der Corona-Krise kam es an der Zufahrt zu den Terminals des Stuttgarter Flughafens immer wieder zu chaotischen Szenen. Foto: Archiv Lichtgut/Achim Zweygarth

Der Flughafen hat angekündigt die Zufahrt zu seinen Terminals strenger zu regeln. Ein Mann, der im Rollstuhl sitzt, ist davon wenig begeistert. Dreimal hat er sich deshalb an die Airport-Geschäftsführung gewandt. Nun gibt es Neuigkeiten.

Filder - Insbesondere Vielflieger werden sich erinnern: Vor der Corona-Krise kam es an der Zufahrt zu den Terminals des Stuttgarter Flughafens immer wieder zu chaotischen Szenen. Bisher ist es erlaubt, dort drei Minuten zu halten. Doch an diese Regel haben sich die wenigsten gehalten. Weshalb die Flughafengesellschaft Ende 2019 angekündigt hat, strengere Regeln einzuführen und Schranken zu installieren. Acht anstatt drei Minuten soll künftig jeder in der sogenannten „Kiss & Fly-Zone“ halten dürfen, der Passagiere zum Airport bringt. Wer diese Zeit überzieht, wird zur Kasse gebeten: fünf Euro für die ersten Zusatzminuten, drei Euro für alle weiteren fünf Minuten.

„Acht Minuten: Das reicht nicht, das ist einfach zu wenig“, stellt Jürgen Müller (Name geändert) fest. Insbesondere dann, wenn man – wie er – Rollstuhlfahrer und auf Hilfe angewiesen ist. „Bei mir ist eher von einer halben Stunde auszugehen“, sagt er. Bevor die Pandemie ausbrach, ist der Mann, der einen Schwerbehindertenausweis besitzt, regelmäßig nach Berlin geflogen. Sein Sohn lebt und arbeitet in der Bundeshauptstadt. Der Filius hat die Firma des Vaters übernommen. Immer wieder gilt es deshalb, vor Ort geschäftliche Dinge zu klären. Freunde hatten Jürgen Müller dann immer mit dem Auto zum Stuttgarter Flughafen gebracht. Dort nutzt der Rollstuhlfahrer einen Service des Airports, der Behinderte bis zum Flieger begleitet. „Die Mitarbeiter können nicht immer sofort zur Stelle sein, wenn ich am Flughafen ankomme“, sagt er. Das könne mitunter auch mal dauern.

Passagier hofft auf Ausnahme

Der Mann hofft, dass der Flughafen für Schwerbehinderte eine Ausnahme von der neuen Regelung macht. Dreimal hat er sich in den vergangenen Monaten deshalb bereits an Walter Schoefer, den Sprecher der Airport-Geschäftsführung, gewandt. Die persönlichen Schreiben, in denen er um eine Ausnahme bittet, hat er als Fax an dessen Büro geschickt. Das Faxgerät hat jeweils gemeldet, dass seine Briefe dort angekommen sind. Eine Antwort hatte er bisher allerdings nicht erhalten. Jürgen Müller geht davon aus, dass von dieser Regelung nicht nur er, sondern auch viele andere Menschen betroffen sind. Bekanntlich verändere sich die Gesellschaft derzeit. Künftig werde es deutlich mehr ältere Menschen geben und damit auch mehr Flugpassagiere, die auf Gehhilfen wie Rollatoren angewiesen sind.

Erst nachdem unsere Zeitung beim Flughafen nachgefragt hat, kommt Bewegung ins Spiel. Nach Monaten des Wartens erhält Jürgen Müller einen Tag nach der Presseanfrage Post vom Stuttgarter Airport. Das Unternehmen entschuldigt sich in dem Schreiben dafür, dass der Rollstuhlfahrer so lange auf eine Antwort hat warten müssen. Ob und in welchem Umfang es in Sachen Gratis-Halt in der Kiss&Fly-Zone künftig ein besonderes Angebot für einzelne Personengruppen geben wird, steht allerdings noch nicht fest, ist in dem Brief ebenfalls zu lesen. Ein entsprechendes Betriebskonzept werde derzeit erst erarbeitet.

Was der Flughafen dazu sagt

„Auch bei dem neuen Verfahren wird es für Passagiere mit eingeschränkter Mobilität ausreichend Zeit für das Ein- oder Aussteigen geben“, teilt Beate Schleicher, eine Sprecherin des Unternehmens, derweil unserer Zeitung mit. Die Details dazu seien derzeit aber noch in Abstimmung.

Die für das Frühjahr angekündigten Schranke ist derweil noch nicht in Betrieb, ein Starttermin für die geplanten Neuerungen könnte noch nicht genannt werden. „Vor einer Neuordnung der Zufahrt würden wir zeitlich weit vorab informieren, damit sich jeder Besucher und Passagier mit den verschiedenen Möglichkeiten vertraut machen kann“, erklärt sie.

„Bislang war direkt auf der Terminalvorfahrt ein Halt von maximal drei Minuten erlaubt“, macht die Sprecherin gegenüber unserer Zeitung noch einmal deutlich. Künftig werde die Spanne für einen Gratis-Halt mehr als verdoppelt. Für noch mehr Zeit beim „Kiss & Fly“ empfiehlt das Unternehmen den Parkplatz P7, der direkt am Terminalgebäude liegt. „Für Absetzer und Abholer wird es entsprechende Kurzzeit-Angebote geben.“

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