Stephan Fleischhauer ist Recycling-Mitarbeiter der ersten Stunde. Foto: Christoph Kutzer

Studenten der Uni Hohenheim hatten die Idee, und im Jahr 2013 ging „Spende dein Pfand“ am Stuttgarter Airport dann tatsächlich an den Start. Inzwischen sichert die Aktion fünf Vollzeitstellen.

Filder - Mittwochnachmittag am Stuttgarter Flughafen. Im Bereich vor Terminal 3 steht eine Gruppe junger Urlauber und löscht vor dem Check-in noch einmal den Durst. Vielleicht folgen die Reisenden auch nur der Einsicht, dass die Getränkeflaschen geleert sein müssen, ehe es durch die Sicherheitskontrolle geht. Für die Entsorgung des Leerguts steht eine spezielle Tonne bereit. In frischblauen Lettern ermuntert sie: „Spende dein Pfand“.

Seit September 2013 können Passagiere ihre Pfandflaschen in den Sammelbehältern entsorgen. Die Aktion wurde von Studierenden der Uni Hohenheim in Kooperation mit dem Verein Trott-war ins Leben gerufen. Stephan Fleischhauer arbeitet seit den ersten Tagen im Projekt mit. „Als ich angefangen habe, konnte ich mir gar nicht recht vorstellen, wie das funktionieren soll“, erinnert er sich. „Ich dachte mir aber: Probier es einfach mal.“ Nach langer Arbeitslosigkeit waren die zwanzig Stunden im Dienste der Pfandflasche ein Neuanfang für den 45-Jährigen, der über gerichtlich verordnete Arbeitsstunden zu Trott-war gekommen war. „Das ist ein Kapitel, über das ich gar nicht viel sagen möchte“, tastet er sich an die eigene Vergangenheit heran. Leichter fällt die Feststellung, dass er wegen seiner Zuverlässigkeit von Trott-war für den Start des Pilotprojekts am Flughafen ausgewählt wurde.

Es macht ihn stolz, Teil der Erfolgsgeschichte zu sein

„Ich habe zunächst hauptsächlich geschaut, dass die Pfandflaschenbehälter an den Terminals nicht überlaufen und sie ausgetauscht, wenn sie voll waren“, blickt Fleischhauer zurück. „Pfand sortiert habe ich natürlich auch. 15 Cent, 25 Cent, Glasflaschen, Müll“. Volle Kaffeebecher oder anderer Abfall seien in den Behältern keine Seltenheit, so der Pfand-Pionier. Inzwischen ist er in leitender Position für die Koordination der Team-Arbeit oder die Erstellung von Dienstplänen zuständig. „Im April hat der fünfte Mitarbeiter in Vollzeit angefangen“, erzählt Fleischhauer. „Es macht mich schon ein bisschen stolz, Teil dieser Erfolgsgeschichte zu sein.“

Es gehe nicht nur ums Geld verdienen, erklärt Stephan Fleischhauer, während er die Tür zu jenem Raum im Keller des Airports öffnet, wo alles begann. Hier wird der Inhalt der Spendenboxen nach Beschaffenheit und Wert aufgeteilt, ehe der Grüne Punkt die containerweise bereitstehenden, versiegelten Säcke mit Leergut kostenfrei übernimmt und das Pfand auszahlt. „Dass ich es von der Halbtagsstelle in eine leitende Vollzeit-Position geschafft habe, bedeutet mir viel“, gibt der Recycling-Mitarbeiter zu verstehen. „Auch, weil ich weiß, dass die Kollegen mich brauchen. Ich habe eine Aufgabe und merke, dass man mich schätzt. Ich weiß sogar, dass das Team mit mir besser klarkommt, als mit meinem Vorgänger. Das ist ein gutes Gefühl.“

Am Rekordtag kamen 3750 Pfandflaschen zusammen

Die Menge des gespendeten Leerguts nimmt kontinuierlich zu. Über die Pfingsttage landeten 3800 Flaschen in den Sammeltonnen. Am 2. August wurde mit 3750 Flaschen ein neuer Tagesrekord aufgestellt. „Die Zahlen steigen jedes Jahr“, stellt das Projekt-Urgestein fest. „Man merkt, dass immer mehr Menschen die Initiative wahrnehmen und unterstützen. Wir sind manchmal selbst überrascht, wie sich alles entwickelt.“

Stuttgart war der erste Flughafen in Deutschland, der „Spende dein Pfand“ eingeführt hat. Mittlerweile sind weitere hinzugekommen. „Wir hatten schon Leute aus Hamburg, Berlin oder Nürnberg hier, die sich informieren wollten“, stellt Fleischhauer erfreut fest. Immer wieder komme es auch zu Gesprächen mit interessierten Fluggästen, soweit die Zeit es zulasse. Manche Begegnungen bleiben unvergessen. „Einmal kam eine ältere Frau hierher, die ihr gesamtes Pfand von zuhause mitgebracht hatte, um es in unsere Spendenboxen zu stecken“, schildert der Teamleiter ein Beispiel. „So etwas macht einem Hoffnung.“

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